Leichte Entwarnung
Masernfälle in Europa 2025 sind um 75 Prozent gesunken

Die WHO zeigt sich jedoch weiterhin besorgt und warnt vor grösseren Ausbrüchen. Länder wie Österreich und Deutschland haben ihren Status als masernfrei verloren. Die Schweiz gilt weiterhin offiziell als masernfrei.
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Die Zahl der gemeldeten Masernerkrankungen ist in Europa und Zentralasien im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Masernfälle in Europa und Zentralasien sanken 2025 laut WHO um 75 Prozent
  • Steigende Zahlen in Nordamerika gefährden WHO-Status vor der Fussball-WM
  • Mexiko meldete über 7000 Fälle und 24 Tote bis Januar 2026
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Die Zahl der gemeldeten Masernerkrankungen ist in Europa und Zentralasien im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Grundlage von Daten aus den 53 Ländern ihrer Europa-Region, die von der Atlantikküste über West- und Mitteleuropa und Russland bis nach Turkmenistan reicht. Auch in Deutschland verzeichnet das Robert Koch-Institut (RKI) einen starken Rückgang. Sorge bereiten jedoch steigende Fallzahlen in Mexiko, den USA und Kanada im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft.

In der gesamten Europa-Region wurden laut WHO rund 34'000 Fälle gemeldet – 75 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Rückgang ist sowohl auf Bekämpfungsmassnahmen als auch darauf zurückzuführen, dass sich das Virus in ungeimpften Bevölkerungsgruppen verbreitet hat und dadurch mehr Menschen immun geworden sind. Wer einmal infiziert war, ist in der Regel vor einer erneuten Ansteckung geschützt.

Impfquote von 95 Prozent nötig

Der starke Rückgang relativiert sich allerdings: 2024 waren die Zahlen aussergewöhnlich hoch. Gegenüber 2023 lagen sie etwa um die Hälfte niedriger. Während die Fallzahlen in Ländern wie Rumänien, Kasachstan oder Aserbaidschan um rund 90 Prozent oder mehr sanken, stiegen sie in Frankreich und den Niederlanden – allerdings weiterhin auf niedrigem Niveau.

WHO und das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnen, dass weiterhin ein erhebliches Risiko grösserer Ausbrüche besteht. Ziel sei eine Impfquote von mindestens 95 Prozent in allen Ländern, da sich das hochansteckende Virus sonst weiter ausbreiten werde. Nach WHO-Angaben kann eine infizierte Person im Durchschnitt bis zu 18 ungeimpfte Menschen anstecken. Masern können schwere Komplikationen verursachen, etwa Gehirnentzündungen mit dauerhaften Nervenschäden, und tödlich enden.

Mehrere Länder, die laut WHO bereits als masernfrei galten, haben diesen Status nach grossen Ausbrüchen wieder verloren, darunter Spanien, Grossbritannien, Österreich und Deutschland.

Situation in der Schweiz

Die Schweiz gilt weiterhin offiziell als masernfrei. Diesen Status erhält ein Land, wenn es während eines Jahres keine anhaltenden lokalen Übertragungsketten gibt. Dennoch sehen Behörden Risiken, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet: Ausbrüche und steigende Fallzahlen in Nachbar- und Reiseländern erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass infizierte Reisende das Virus einschleppen. Da die Inkubationszeit bis zu zwei Wochen betragen kann, werden Erkrankungen oft erst nach der Rückkehr erkannt.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont, Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit. Schwere Komplikationen und Todesfälle seien möglich, eine spezifische Therapie gegen das Virus existiere nicht. Schutz bietet vor allem die Impfung, die Teil des Schweizer Impfplans ist und auch im Erwachsenenalter nachgeholt werden kann.

Steigende Zahlen in Nordamerika

Auch Mexiko, die USA und Kanada könnten ihren WHO-Status als masernfrei verlieren. In den USA drohe dies, wenn das Land nicht nachweisen könne, Ausbrüche rasch unter Kontrolle zu bringen, warnt der Infektiologe Demetre Daskalakis.

Von Anfang 2025 bis Mitte Januar 2026 wurden in Mexiko nach WHO-Angaben mehr als 7000 Fälle registriert, 24 Menschen starben. In einigen Gemeinden gilt deshalb wieder Maskenpflicht an Schulen.

In Kanada wurden bislang über 5500 Erkrankungen und zwei Todesfälle gemeldet. In den USA erkrankten mehr als 2400 Menschen, drei von ihnen starben.

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