Kritiker sehen Menschenversuch bei Todesstrafe
Verurteilter Mörder soll durch Stickstoff sterben

Alabama will der erste Bundesstaat der USA werden, die neue Vollstreckungsmethode testet. Befürworter glauben, dass diese schmerzlos sei – man weiss es allerdings noch nicht. Der verurteilte Mörder wartet seit 1988 auf seine Todesstrafe.
Publiziert: 28.08.2023 um 19:43 Uhr
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Aktualisiert: 29.08.2023 um 13:37 Uhr
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Der 58-jährige Kenneth S. soll seit 1988 zum Tode verurteilt werden. Vergangenes Jahr scheiterte die Vollstreckung – weil man die Infusion nicht hinbekam.

Die Todesstrafe eines Häftlings in den USA könnte erstmals mit einer neuen Methode vollstreckt werden: durch das Einatmen von purem Stickstoff. Das Gas ist nicht giftig, aber weil Sauerstoff fehlt, kommt es zum Atemstillstand.

Kenneth S.* (58) heisst der zum Tode Verurteilte, der zum «Versuchskaninchen» auserkoren ist. Er war bereits 1988 wegen eines Auftragsmordes an der Frau eines Pfarrers zum Tode verurteilt worden – der verschuldete Geistliche hatte sich so Versicherungsgeld verdienen wollen.

Über die Tötung durch die Stickstoff-Methode weiss man bisher nicht viel. Befürworter vermuten, dass sie schmerzlos ist. Kritiker hingegen sehen eine Form von «Menschenversuch» in der Vollstreckung. Der betroffene Häftling wehrt sich gerichtlich dagegen.

Alabama ist der erste Bundesstaat, der diese Art der Exekution nutzen will. Hier wurde der gesetzliche Rahmen 2018 geschaffen, als Todesspritzen knapp waren.

Angewandt wurde die Stickstoff-Methode bisher noch nicht, genauso wenig in den Bundestaaten Mississippi und Oklahoma, wo sie ebenfalls eingeführt wurde.

«Kein Bundesstaat hat bisher einen Menschen mit Sauerstoffmangel mittels Stickstoff vollstreckt. Alabama ist nicht in der Position, um mit einer ungeprüften Methode zu experimentieren», sagt Angie Setzer von der Equal Justice Initiative zur «New York Post».

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Die Anwaltsgruppe, die sich für die Rechte zu Unrecht verurteilter Gefangener einsetzt, verweist auf mehrere gescheiterte und mangelhaft durchgeführte Exekutionen in Alabama.

Alabama scheitert immer wieder an der Todesstrafe

Kenneth S., der nun mit der Stickstoff-Methode getötet werden soll, hätte vergangenes Jahr mit einer Todesspritze getötet werden sollen. Doch die Beamten schafften es nicht, die Infusion richtig zu setzen.

Die damals dritte gescheiterte Vollstreckung seit 2018 war der Grund, warum Alabamas Gouverneur Kay Ivey Todesstrafen für einen Monat aussetzte. Erst vergangenen Monat wurden die Vollstreckungen wieder aufgenommen.

Genaue Details, wie die seit Jahren geplante Stickstoff-Methode durchgeführt wird, gab die Staatsanwaltschaft von Alabama noch nicht bekannt. Die Pläne wurden bekannt, weil der Justizminister des Bundesstaates forderte, ein endültiges Datum für die Todesstrafe anzusetzen. (dru)

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