«Jetzt bin ich ein Schmetterling»
Sie liess ihre Mutter töten, die sie jahrelang gequält hatte

Gypsy Rose Blanchard (32) ist nach acht Jahren Haft in Freiheit. Jetzt spricht sie über die Tat, die sie hinter Gitter brachte.
Publiziert: 03.01.2024 um 04:17 Uhr
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Aktualisiert: 03.01.2024 um 16:58 Uhr
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Gypsy Rose Blanchard betreibt nun einen Instagram-Account, hat bereits über 6 Millionen Follower.

Sie liess ihre Mutter von ihrem Freund ermorden, sass dafür über acht Jahre hinter Gittern. Gypsy Rose Blanchard (32) ist seit vergangenem Donnerstag frei.

«Am Anfang war ich wirklich wütend auf sie, sehr verwirrt. Und ich bin immer noch verwirrt», sagt sie zur Nachrichtenagentur AP. «Ich glaube nicht, dass sie böse war.»

Es ist einer der bizarrsten Fälle der US-Kriminalgeschichte: Deedee Blanchard (†48) täuschte vor, dass ihre Tochter Gypsy Rose an schweren Krankheiten litt. Sie sagte ihrem Umfeld damals, dass sie Leukämie und Muskeldystrophie habe. Die kleine Gypsy sass jahrelang im Rollstuhl, wurde künstlich ernährt – doch war eigentlich kerngesund.

«Sie hatte eine Menge psychischer Probleme»

Sie war unterernährt, lebte isoliert und ohne Schulbildung. Im Internet lernte sie schliesslich einen Mann kennen, den sie dazu anstiftete, ihre Mutter loszuwerden. Dieser erstach die Mutter und sitzt seither lebenslänglich im Gefängnis.

Blanchard sagt im Interview über ihre Mutter: «Ich weiss, dass sie eine Menge psychischer Probleme hatte. Ich glaube, das hat mich dazu gebracht, ihr zu vergeben, indem ich einfach versucht habe zu verstehen, woher das alles kam.» Ihre Mutter sei nicht böse, sondern einfach sehr krank gewesen. Dieser Prozess helfe ihr auch, sich selbst für die Tat zu vergeben.

«Ich war in einem Kokon»

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Mutter unter dem seltenen Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom litt. Betroffene des Syndroms fügen anderen absichtlich gesundheitliche Schäden zu, um die Fürsorge von Ärzten und Zuwendung für sich selbst zu erschleichen und sich als scheinbar aufopferungsvolle Pflegende zu inszenieren.

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Sie bereut, dass sie sich niemandem anvertraut habe, sagt sie im Interview. Zum Beispiel ihrem Vater – den sie nun als Erwachsene erst richtig kennenlerne. «Ich dachte, niemand würde mir glauben, wenn ich die Wahrheit sagen würde.»

Im Gefängnis habe sie vieles nachgeholt, was ihr unter der Tyrannei ihrer Mutter verwehrt geblieben war: Bildung, Freunde – und sogar eine Hochzeit. Sie freundete sich mit einem Mann per Briefkontakt an, heiratete ihn noch hinter Gittern. «Ich war in einem Kokon, jetzt bin ich frei und ein Schmetterling.» (neo)

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