Iran droht Israel mit «nie zuvor eingesetzten Waffen»
Welche Geheimwaffe haben die Mullahs noch im Arsenal?

Im Nahen Osten stehen die Zeichen auf Sturm. Israel und der Iran schaukeln sich mit Drohungen gegenseitig so hoch, dass Teheran «nie zuvor eingesetzte Waffen» einsetzen will. Experten erklären, welche Waffe damit gemeint sein dürfte.
Publiziert: 17.04.2024 um 18:53 Uhr
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Aktualisiert: 17.04.2024 um 18:56 Uhr
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Am Mittwoch führte der Iran am jährlichen Armeetag sein Waffenarsenal vor.
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Guido FelderAusland-Redaktor

Nach dem Schlag der Israelis gegen das iranische Konsulat in Damaskus und dem Vergeltungsschlag der Iraner mit über 300 Raketen und Drohnen herrscht im Nahen Osten grosse Kriegsgefahr. Sollte Israel wie angekündigt seinerseits mit Vergeltung reagieren, würde Teheran «nie zuvor eingesetzte Waffen» sprechen lassen. Was meint Iran damit?

Natürlich denkt man bei «nie zuvor eingesetzten Waffen» zuerst an nukleare, biologische und chemische Kriegsführung. Das ziehen Experten aber zurzeit nicht in Betracht. Thomas Jäger (63), Professor für internationale Politik an der Uni Köln: «Sicher ist, dass der Iran über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, unsicher ist aber, ob er schon Atomwaffen besitzt.» Jäger meint, dass es sich bei der Aussage eher um eine rhetorische Warnung handle.

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Iranische Soldaten marschierten in einer Parade am Regime vorbei.

Raketen schlagen Haken

Eine neue Wunderwaffe kann man vom Iran laut Experten nicht erwarten, dafür eine raffiniert abgeänderte bestehende Waffe: So könnten es ballistische Raketen sein, die Haken schlagen – also Geschosse, die in der Anflugphase auf ihr Ziel die Richtung ändern und so Abwehrraketen ausweichen können. Das jedenfalls meint Ralph D. Thiele (70), Vorsitzender der deutschen Politisch-Militärischen Gesellschaft und Präsident von EuroDefense Deutschland.

Thiele erklärt: «Die Abwehr Israels und seiner Verbündeten hat zwar den grössten Teil der Geschosse abfangen können, aber ausgerechnet jene nicht, die den Stützpunkt Nevatim anpeilten.» Auf diesem Flugplatz stehen hochmoderne F-35, die Israel für Angriffe auf den Iran einsetzen würde. «Mich würde es sehr nervös machen, wenn gerade hier die Abwehr nicht funktionierte», sagt Thiele.

Raketen in Massen

Kommt dazu, dass der Iran über ein grosses Arsenal an Raketen verfügt. Der Angriff mit rund 300 Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern in der Nacht auf Sonntag könnte ein Test gewesen sein, um herauszufinden, wie die Abwehrstellungen Israels und seiner Verbündeten platziert sind und reagieren.

Es wird geschätzt, dass die Abwehr in dieser Nacht rund eine Milliarde Dollar gekostet hat. Thiele: «Das Lager der israelischen Abwehrraketen ist nicht mehr voll. Irgendeinmal kommen die Iraner mit ihren Massen von Raketen sicher durch.»

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Wer ist stärker?

Käme es zu einem Krieg zwischen den beiden Ländern, wäre der Ausgang ungewiss. Die Erzfeinde liegen im Global Firepower Index, der Armeen vergleicht, mit den Plätzen 14 (Iran) und 17 (Israel) nahe beieinander.

Für Israel sprechen die hochmoderne, gut trainierte Armee sowie die Unterstützung durch die USA. Für den Iran sprechen die Masse an Geschossen, die verbündeten Terrororganisationen an Israels Grenze sowie das flächenmässig kleine gegnerische Land, in dem die Ziele dicht beieinanderliegen und somit ein einziger Schlag grossen Schaden anrichten kann.

Kommts zum Krieg?

Ob es tatsächlich zu einem direkten Krieg zwischen Israel und dem Iran kommt, darüber herrschen unterschiedliche Meinungen. Thomas Jäger: «Weder Israel noch der Iran haben ein Interesse an einem direkten Krieg.» Auch der ETH-Militärexperte Michel Wyss (36) meint: «Derzeit scheinen weder Israel noch der Iran gewillt, einen offenen Krieg zu provozieren.»

Anders denkt Ali Safavi (70) vom iranischen Widerstand, dem in Paris ansässigen National Council of Resistance of Iran (NCRI). Gegenüber Blick sagt er, dass das Regime ungeachtet des grossen Waffenarsenals viel schwächer sei, als es sich selber darstellte. Aber genau das mache es gefährlich. Safavi: «Dieses Regime hat in den vergangenen 45 Jahren bewiesen, dass es vor nichts zurückschreckt, um seine Macht zu erhalten, einschliesslich der Hinrichtung von 120’000 politischen Gefangenen.»

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