Darum gehts
- Portugal, Spanien und Marokko kämpfen mit Hochwasser und Erdrutschen nach Winterstürmen
- Mehr als 154'000 Menschen in Marokko wegen Überschwemmungen evakuiert
- Schäden in Infrastruktur und Landwirtschaft auf über sieben Milliarden Euro geschätzt
Flüsse mit hohem Pegelstand, Erdrutsche und Evakuierungen: In Portugal, Spanien und Marokko war die Lage in den Hochwassergebieten trotz einer Regenpause am Sonntag weiter sehr schwierig. Ganze Landstriche standen in Portugal und Südspanien nach einer ungewöhnlichen Serie heftiger Winterstürme unter Wasser, Tausende Evakuierte waren in Notunterkünften untergebracht und das Risiko von Erdrutschen blieb hoch, wie die staatlichen TV-Sender beider Länder, RTVE und RTP, berichteten.
Für die kommende Woche wurden weitere Regenfälle vorhergesagt, was angesichts gesättigter Böden, voller Stauseen und schon jetzt Hochwasser führender Flüsse neue Überschwemmungen auslösen könnte.
Über 150'000 evakuiert
Dramatisch war die Situation auch im benachbarten nordafrikanischen Marokko. Betroffen war vor allem der Norden, etwa der Ort Ksar al-Kebir nordöstlich der Hauptstadt Rabat. Dort wurde ein Grossteil der Anwohner wegen steigender Wasserpegel in Sicherheit gebracht. In den betroffenen Regionen wurden mehr als 154'000 Menschen evakuiert, wie das Innenministerium der staatlichen Nachrichtenagentur MAP mitteilte. Erst Mitte Dezember waren nach schweren Regenfällen und Überschwemmungen in Marokko 37 Menschen ums Leben gekommen.
Die gesamte Region war am Samstag von dem Sturmtief «Marta» getroffen worden. Es war bereits das siebte Sturmtief seit Jahresbeginn und hatte Portugal, Andalusien im Süden Spaniens und Marokko mit Starkregen, Orkanböen und hohen Wellen an den Küsten heimgesucht. Erst am Mittwoch und Donnerstag war der Sturm «Leonardo» über die drei Länder hinweggefegt. In Spanien kam dabei eine Frau in einem Fluss in der Region Málaga ums Leben. In Portugal gab es seit vergangener Woche insgesamt 13 Tote durch eine ganze Reihe von Stürmen und Hunderte Verletzte bei Aufräumarbeiten.
Wassermassen lösen erdbebenähnliche fErschütterungen aus
In Portugal und Spanien wurde das Militär zur Unterstützung der zivilen Katastrophenschutzkräfte hinzugezogen. Insgesamt wurden die Schäden an der Infrastruktur und der Landwirtschaft in beiden Ländern auf mehr als sieben Milliarden Euro geschätzt. Auch in Marokko wurden grosse Verluste in der Landwirtschaft befürchtet. Etwas Gutes hat der viele Regen jedoch auch. Im kommenden Sommer dürfte es trotz grosser Hitze und Trockenheit wegen der vollen Stauseen nicht zu dem sonst üblichen Wassermangel kommen.
In dem Gebirgsort Grazalema in Andalusien und weiteren Regionen wurden sogar Erschütterungen wie bei einem Erdbeben durch Wassermassen registriert, die im Untergrund aus höheren Lagen unter die Stadt flossen. Die gesamte Kleinstadt musste wegen Einsturzgefahr geräumt werden. In Medien war von einem seltenen Phänomen eines «Hidroseísmo» die Rede, was sich als Wasserbeben übersetzen liesse.