Hacker-Experte über Sex-Alarm in Hollywood
«Es wirkt wie ein Bubenstreich»

Hernani Marques vom «Chaos Computer Club» (CCC) Schweiz spricht über die Berufsehre der Hacker und erklärt, warum es für den Nacktselfie-Dieb einfach war, an die pikanten Fotos zu kommen.
Publiziert: 02.09.2014 um 18:48 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 23:08 Uhr
Über 100 Hollywood-Promis sollen von der jüngsten Hackeraffäre betroffen sein.

Blick.ch: Herr Marques, wie schwierig ist es für einen Hacker, an persönliche Handydaten wie die gestern aufgetauchten Promi-Nacktfotos zu kommen?
Hernani Marques (29): Auf mich wirkt es wie ein Bubenstreich. So wie es für mich im Moment aussieht, hat jemand eine Sicherheitslücke eines Cloud-Anbieters ausgenutzt, der offensichtlich unzureichend gesichert war. Es klingt nicht nach einer unglaublich aufwendigen und koordinierten Attacke.

Im Fall der Schauspielerin Mary E. Winstead sollen die Bilder aber schon vor langer Zeit gelöscht worden sein. Deutet das nicht darauf hin, dass hier jemand einen grossen Aufwand betrieben hat?
Nein. Oft werden Daten, die wir auf einer Plattform «löschen», einfach nicht mehr angezeigt. Sie sind aber noch da. Auf Facebook funktioniert es zum Beispiel so. An sogenannt gelöschte Daten heranzukommen, ist darum nicht unbedingt schwieriger als an ungelöschte.

Also eine relativ einfache Aktion?
Es scheint so. Dazu passt, dass der Angreifer mit den Fotos nun anscheinend auch Geld verdienen will. Das ist für Hacker nicht unbedingt ein typisches Verhalten. Vor allem nicht für uns, die im CCC organisiert sind. Uns geht es darum, Missstände und Sicherheitslücken aufzudecken. Und nicht darum, Einzelpersonen blosszustellen und fertigzumachen. Auch wenn sie prominent sind.

Was sagen denn die «CCC»-Hacker zu dieser Aktion?
Sie entspricht nicht unserer Ethik. Was er gemacht hat, ist kriminell, eine Verletzung der Privatsphäre. Wir können uns nur mit den Betroffenen solidarisch erklären. Aber es ist ein interessanter Fall.

Inwiefern interessant?
Ich finde den Aufschrei der Empörung bemerkenswert. Den gibt es ja nur, weil es in diesem Fall um Promis geht. Bei einem Durchschnittsbürger würde sich niemand dafür interessieren. Und es würden sich auch nicht so viele darüber aufregen, dass da jemand in ein Sicherheitsleck gestossen ist. Es zeigt aber, dass sich viele Leute nicht bewusst sind, was sie alles überhaupt online stellen. Die betroffenen Promis haben die Bilder in den meisten Fällen ja wohl einfach über die Synchronisationsfunktion in die Cloud hochgeladen.

Jetzt gibt es auch beim «CCC» Hacker, die ein solches Leck ebenfalls ausnutzen könnten. Ist es schwierig, sich manchmal zu beherrschen?
Nein. Das ist ein destruktiver Ansatz. Wenn man gewisse Fähigkeiten hat, gehört auch die Verantwortung dazu, sie nicht anzuwenden. Die Informationen, die hier an die Öffentlichkeit gezerrt wurden, sind völlig belanglos und für die Gesellschaft irrelevant. Uns geht es ja gerade darum, private Daten zu schützen. Und den Leuten klar zu machen, dass alles, was ins Netz gestellt wird, gegen sie verwendet werden kann. Auf Facebook zum Beispiel. Oder auch bei der Vorratsdatenspeicherung des Bundes. (eg)

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