Darum gehts
- Die israelische Armee erkennt erstmals 70'000 Tote in Gaza an
- Israel zweifelte lange die Zahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza an
- Studien schätzen bis zu 100'000 Tote im zweijährigen Konflikt
Die israelische Armee hat erstmals die Zahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza anerkannt. Rund 70'000 Menschen sollen im Verlauf des Gaza-Krieges seit Oktober 2023 getötet worden sein. Das Militär arbeitet laut dem «Spiegel» aktuell an einer Analyse, wie viele der Verstorbenen Kämpfer und wie viele Zivilisten gewesen sind.
Es handelt sich dabei um dieselbe Zahl, die das Gesundheitsministerium im Gazastreifen angibt. Dieses wird, mindestens teilweise, von der Terrorgruppe Hamas kontrolliert. Eine überraschende Wende, denn Israel hatte die Angaben dieser Behörde zuvor stets angezweifelt.
Noch höhere Opferzahl?
Seit Beginn des Krieges nach dem Hamas-Terrorangriff am 7. Oktober 2023 wird die Glaubwürdigkeit der gemeldeten Opferzahlen international heftig diskutiert. Organisationen wie die Uno und internationale Studien stützten laut dem «Spiegel» jedoch die Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza. Laut Experten könnten die tatsächlichen Opferzahlen des zweijährigen Konflikts sogar noch höher liegen. Eine Studie aus Rostock (D) geht beispielsweise von bis zu 100'000 Toten aus.
Die israelische Armee hatte sich bislang jedoch geweigert, offizielle Zahlen zu den zivilen Opfern zu veröffentlichen. Während Premierminister Benjamin Netanyahu 2024 behauptete, das Verhältnis von getöteten Zivilisten zu Hamas-Kämpfern sei in etwa gleich gross, widersprachen unabhängige Vereinigungen. Eine Nichtregierungsorganisation aus London etwa soll herausgefunden haben, dass auf jeden getöteten Kombattanten bis zu acht zivile Opfer kommen. Israelischen Investigativberichten zufolge soll die Armee die hohen Opferzahlen in Gaza bewusst in Kauf genommen haben.
Die Opferzahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza basieren laut dem «Spiegel» auf Leichenschauhaus-Daten, Angehörigenmeldungen und anderen Quellen, etwa Medienberichten. Über 90 Prozent der Toten konnten anhand von Namen und Ausweisnummern identifiziert werden.