Flugverkehr wegen Sanktionen unter Druck
Russland muss alte Flugzeuge aus den 90er-Jahren reaktivieren

Wegen westlicher Sanktionen greift Russland zur Notlösung: Stillgelegte Tupolews, Iljuschins und Antonows aus den 1990er-Jahren kehren in den Liniendienst zurück. Manche Jets sind über 30 Jahre alt – doch Alternativen fehlen.
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Wegen westlichem Sanktionsdruck kommen in Russland seit 1989 gebaute, eigentlich stillgelegte Tupolew Tu-204 wieder zum Einsatz.
Foto: Iswestija

Darum gehts

  • Russland reaktiviert jahrzehntealte Flugzeuge wegen Sanktionen und fehlender Ersatzteile
  • Boeing 747 und Tupolew Tu-204 Jets werden bis 2027 wieder eingesetzt
  • 67 Prozent der 1135 russischen Flugzeuge westlich, 230 droht Ausfall bis 2030
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Um den Passagierverkehr trotz Sanktionen am Laufen zu halten, werden in Russland stillgelegte Maschinen wieder reaktiviert – viele davon stammen aus den 1990er-Jahren oder früher.

Ob alte Tupelows, Illuschins oder Antonows: Flugzeugtypen, die im Westen längst als Auslaufmodelle gelten, sollen nun wieder abheben, wie die russische Zeitung «Iswestija» berichtet. Manche Jets sind 25 bis über 30 Jahre alt.

Der Grund ist simpel: Ersatzteile fehlen, neue Maschinen sind kaum zu beschaffen, westliche Flugzeuge können nur noch eingeschränkt gewartet werden.

Jumbojets zurück im Einsatz

Der staatliche russische Technologiekonzern Rostec, der unter anderem die heimische Luftfahrtindustrie kontrolliert, reaktiviert jetzt jahrzehntealte Flugklassiker. Im Rahmen eines bereits 2022 gestarteten Programms wurden bereits 10 von 12 geplanten Passagier- und Frachtflugzeugen wieder flugklar gemacht – darunter neun Tupolew Tu-214, eine Antonow An-148 und zwei Illushin Il-96, die bis zu 30 Jahre alt sind.

Airlines setzen die Maschinen schon ein, bis 2027 kommen noch zwei Tupolew Tu-204 dazu. Gleichzeitig verdoppelt sich die Zahl der Boeing 747: Zwei 24 Jahre alte, seit der Corona-Pandemie abgestellte Jumbojets sollen bis 2027 folgen – inklusive neuem Interieur mit teils importierten Teilen.

Sanktionszwang treibt Oldtimer-Offensive

Die Flugzeuge waren eigentlich schon abgeschrieben. Technisch flugtauglich, ja. Wirtschaftlich effizient oder zeitgemäss? Kaum. Der Treibstoffverbrauch ist hoch, die Technik überholt, der Komfort begrenzt. Aber es gibt Ersatzteile. Alle verfügbaren Flugzeugkomponenten werden, wie es heisst, speziell gelagert oder sogar mit Konservierungsmitteln geschützt.

Die Jets fliegen – aber sie fliegen aus einer anderen Ära. Was als pragmatische Übergangslösung verkauft wird, ist in Wahrheit ein sichtbares Symptom dafür, wie sehr die russische Zivilluftfahrt unter Druck steht.

Sanktionen dezimieren die Flotte russischer Airlines. Von 1135 Maschinen sind 67 Prozent westlich, Neuzugänge gibt es nicht. Ohne Reaktivierung droht bis 2030 der Ausstieg von 230 Jets. Ein Zurück in die 90er-Jahre «ist der einzig machbare Weg, um Passagierkapazitäten zu sichern», zitiert die Zeitung einen russischen Luftfahrtexperten.

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