Darum gehts
- Russland reaktiviert jahrzehntealte Flugzeuge wegen Sanktionen und fehlender Ersatzteile
- Boeing 747 und Tupolew Tu-204 Jets werden bis 2027 wieder eingesetzt
- 67 Prozent der 1135 russischen Flugzeuge westlich, 230 droht Ausfall bis 2030
Um den Passagierverkehr trotz Sanktionen am Laufen zu halten, werden in Russland stillgelegte Maschinen wieder reaktiviert – viele davon stammen aus den 1990er-Jahren und früher.
Ob alte Tupelows, Illuschins oder Antonows: Flugzeugtypen, die im Westen längst als Auslaufmodelle gelten, sollen nun wieder abheben, wie die russische Zeitung «Iswestija» berichtet.
Der Grund ist simpel: Ersatzteile fehlen, neue Maschinen sind kaum zu beschaffen, westliche Flugzeuge können nur noch eingeschränkt gewartet werden.
Jumbojets zurück im Einsatz
Der staatliche russische Technologiekonzern Rostec, der unter anderem die heimische Luftfahrtindustrie kontrolliert, reaktiviert jetzt jahrzehntealte Flugklassiker. Im Rahmen eines bereits 2022 gestarteten Programms sollen zwölf Passagier- und Frachtflugzeuge wieder startklar gemacht werden – neun Tupolew Tu-214, eine Antonow An-148 und zwei Illushin Il-96.
Airlines setzen zehn Maschinen aus dieser Liste schon ein, bis 2027 kommen noch zwei Tupolew Tu-204 dazu. Gleichzeitig verdoppelt sich die Zahl der Boeing 747: Zwei 24 Jahre alte, seit der Corona-Pandemie abgestellte Jumbojets sollen bis 2027 folgen – inklusive neuem Interieur mit teils importierten Teilen.
Sanktionszwang treibt Oldtimer-Offensive
Die Flugzeuge waren eigentlich schon abgeschrieben. Technisch flugtauglich, ja. Wirtschaftlich effizient oder zeitgemäss? Kaum. Der Treibstoffverbrauch ist hoch, die Technik überholt, der Komfort begrenzt. Aber es gibt Ersatzteile. Alle verfügbaren Flugzeugkomponenten werden, wie es heisst, speziell gelagert oder sogar mit Konservierungsmitteln geschützt.
Die Jets fliegen – aber wie aus einer anderen Ära. Was als pragmatische Übergangslösung verkauft wird, ist in Wahrheit ein sichtbares Zeichen für den Zustand der russischen Zivilluftfahrt.
Sanktionen dezimieren die Flotten russischer Airlines. Von 1135 Maschinen sind 67 Prozent aus dem Westen, Neuzugänge hat es nicht gegeben. Ohne Reaktivierung droht bis 2030 die Aussortierung von 230 Jets. Ein Zurück in die 90er-Jahre «ist der einzig machbare Weg, um Passagierkapazitäten zu sichern», zitiert die Zeitung einen russischen Luftfahrtexperten.