Nahe Schweizer Grenze: Hier läuft der Mann mit dem Gewehr durch die Gegend(00:44)

Feuerwehr muss Neonazi Günther S.* (31) von der Mauer holen
Thurgauer Amokfahrer versucht, aus Turiner Knast zu fliehen

Im Oktober wird Günther S.* (31) aus Frauenfeld TG am Lago Maggiore festgenommen. Er hatte verschiedene Autos gerammt und Menschen mit einem Gewehr bedroht. Seitdem sitzt er in Italien im Gefängnis.
Publiziert: 19.01.2023 um 18:33 Uhr
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Aktualisiert: 22.01.2023 um 22:06 Uhr
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Die Überwachungskamera schaute zu: Auf einer Tankstelle nördlich von Arona (I) bedroht am 8. Oktober 2022 ein Mann mit freiem Oberkörper Passanten und Autofahrer. Am Anschlag hält er ein Militärgewehr mit aufgestecktem Bajonette.
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Myrte MüllerAussenreporterin News

Günther S.* (31) ist nicht zu bremsen. Erst fährt der Frauenfelder auf der italienischen Seite des Lago Maggiore Amok. Dann randaliert er in U-Haft. Jetzt macht der rabiate Neonazi erneut Schlagzeilen. Beim Versuch, aus dem Gefängnis zu fliehen, bleibt er an der Mauer hängen und muss von der Feuerwehr gerettet werden.

Alles beginnt am Nachmittag des 8. Oktober 2022. Günther S. macht einen Wochenendausflug nach Italien. Er passiert mit dem Auto die Grenze in Brissago TI. Auf der Seeuferstrasse von Arona (I) in Richtung Norden flippt der Schweizer aus. Er rammt 15 Autos. Vier Fahrer werden dabei verletzt. Dann hält er an einer Tankstelle, zieht einen Karabiner der Marke Schmidt Rubin K31 mit aufgestecktem Bajonett aus dem Auto. Die Überwachungskamera hält die Szene fest: Man sieht Günther S. mit nacktem Oberkörper, wie er die Waffe auf Passanten und Autofahrer richtet. Bei Bavona (I) wird der Amokfahrer von der Polizei verhaftet.

Ein Carabiniere erinnert sich an die Festnahme. «Der Mann hielt das Gewehr in der Hand. Ich habe mich auf sieben Meter genähert. Er blieb regungslos, starrte mir in die Augen. Ich sagte, er solle die Waffe fallenlassen», erzählt Salvatore Moscato (34), «dann sah ich den Kindersitz, der aus dem Auto geschleudert worden war.»

Im Auto des Neonazis: Reichsadler und Hakenkreuz

Günther S. legt schliesslich das Gewehr auf den Boden, fällt auf die Knie und lässt sich festnehmen. «Ein Projektil lag neben dem Gewehr, andere waren auf der Strasse verteilt, einige steckten in seinen Hosentaschen», erinnert sich der Carabiniere.

Im Auto finden die Polizisten ein Banner mit Reichsadler und Hakenkreuz, 45 Patronen des Kalibers 223 und weitere Nummernschilder mit Schweizer Kennzeichen. Schnell ist klar: Der Neonazi ist bei den Schweizer Behörden aktenkundig und mehrfach vorbestraft. Das Fahrzeug gehört ihm nicht, die Kennzeichen wurden als gestohlen gemeldet. Bei der Verhaftung hat Günther S. Kokain im Blut.

Günther S. landet in einem Turiner Gefängnis

In U-Haft geht die Randale weiter. Der Thurgauer Neonazi greift fünf Vollzugsbeamte an, verletzt sie derart, dass sie im Spital behandelt werden müssen, wie «La Stampa» berichtet. Der Mann habe Kampferfahrung, so die Vermutung der Ermittler. Günther S. wird noch am selben Tag von Verbania (I) in ein Gefängnis nach Turin (I) überwiesen, das über eine psychiatrische Abteilung verfügt. Im Verhör tischt der Amokfahrer dem Untersuchungsrichter eine irre Räuberpistole auf: Er sei ein Drogenbaron und müsse jetzt sofort nach Zypern reisen, um einen Deal zu erledigen.

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Nun sorgt der Thurgauer erneut für Schlagzeilen bei «La Stampa». Am vergangenen Dienstag klettert Günther S. mit blossen Händen die Mauer des Durchgangshofs in Trakt A hoch. Er erreicht Trakt C und steigt die Fassade des Gefängnisgebäudes bis zum dritten Stock hoch. Dort endet die Flucht. Der Thurgauer hängt hilflos an den Gittern eines Fensters und schreit um Hilfe. Die italienische Feuerwehr rückt mit einem Leiterwagen an und holt den renitenten Schweizer von der Wand.

*Name geändert

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