Europol sprengt Schleuserbande und deckt deren ausbeuterisches Finanzsystem auf
Flüchtlinge zahlen so viel wie für ein Luxusauto

Für die Flucht nach Europa zahlen viele Vietnamesen jeden Preis. Das nützen Schleuser schamlos aus. Die Polizei in Europa hat mehreren von ihnen in einer koordinierten Aktion das Handwerk gelegt. Dabei kamen erschreckende Fakten ans Licht.
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Die europäischen Polizeikorps haben den Kampf gegen die Schleuser aufgenommen. (Bild von 2022 in Berlin)
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 19 Personen wegen Schleusersystem zwischen Vietnam und Grossbritannien verhaftet
  • Kosten pro Person bis zu 50’000 Euro für Transport
  • Netzwerk beförderte über 1000 Migranten und verdiente 50 Millionen Euro
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Guido FelderAusland-Redaktor

Im Rahmen einer koordinierten Aktion der europäischen Polizeibehörden sind insgesamt 19 Verdächtige festgenommen worden, die ein grossangelegtes Schleusersystem zwischen Vietnam und Grossbritannien betrieben haben sollen. Die Ermittlungen von Europol und Eurojust gewähren detaillierte Einblicke in die Preisstruktur und die Finanzströme der organisierten Kriminalität.

Nach Angaben der Behörden agierte das Netzwerk auf einer Route, die Migranten von Vietnam über Transitpunkte in Europa bis nach Nordfrankreich und schliesslich per LKW oder Boot über den Ärmelkanal führte. Insgesamt wurden 16 Personen in Frankreich und drei weitere in Grossbritannien verhaftet.

Kostenstruktur des illegalen Transports

Zentraler Aspekt der Ermittlungen ist das finanzielle Volumen der Schleuseraktivitäten. Für die vollständige Passage von Vietnam nach Grossbritannien forderten die Hintermänner Beträge von bis zu 50’000 Euro pro Person. Es ist eine Summe, mit der man sich ein Luxusauto wie etwa einen BMW X1 oder einen Volvo XC 40 kaufen könnte.

Im Betrag inbegriffen sind in der Regel:

  • Visa-Beantragung und Flug nach Europa

  • Unterbringung in Transitländern

  • Weitertransport innerhalb der EU, unter anderem durch lokale Taxifahrer für bis zu 700 Euro pro Fahrt

  • Die abschliessende Überquerung des Ärmelkanals (8000 bis 10'000 Euro)

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Netzwerk über 1000 Personen in rund 200 Transporten befördert hat. Total sollen sie rund 50 Millionen Euro kassiert haben.

Ein wesentliches Merkmal dieses Geschäftsmodells ist die verzögerte Zahlung: Da viele Migranten die Summe von 50'000 Euro nicht vorab leisten können, verschulden sie sich. Die Folgen sind schlimm: Dies führt laut Europol in der Folge häufig zu Arbeitsausbeutung oder sexueller Nötigung im Zielland, um die ausstehenden Beträge abzugelten.

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