Wie viele scharfe Worte sind im Brexit-Streit im britischen Unterhaus schon gefallen! Nun, wenige Tage vor dem drohenden harten EU-Austritt, kommen den enttäuschten Abgeordneten zusätzlich die Emotionen hoch.
Dem konservativen Abgeordneten Nick Boles (53) verschlug es am Montag fast die Sprache, als er mit seiner Partei abrechnete und den Austritt bekannt gab. Den Tränen nahe sagte er: «Ich habe alles gegeben, um einen Kompromiss zu finden, der dieses Land aus der EU führt und gleichzeitig unsere wirtschaftliche Stärke und unseren politischen Zusammenhalt aufrecht erhält.»
Und weiter sagte er stockend: «Ich gebe zu, dass ich versagt habe. Ich habe versagt, weil meine Partei keinen Kompromiss eingeht. Ich bedauere daher mitteilen zu müssen, dass ich nicht mehr länger in dieser Partei bleiben kann.»
Verzicht auf «konservative Peitsche»
Kaum hatte er es gesagt, wandte sich der Politiker ab und verliess unter dem Applaus der Mitglieder der Labour und der Schottischen Nationalpartei den Saal. Selbst der Zuruf «Oh Nick, komm schon, geh nicht!» eines Parteikollegen konnte ihn nicht mehr zurückhalten.
Boles entschied sich zu diesem drastischen Schritt, nachdem das Unterhaus am Montag erneut mehrere Optionen für den Brexit ausgeschlagen hatte. Später kündigte er an, dass er nun als «unabhängiger progressiver Konservativer» politisieren wolle. Er twitterte: «Ich verzichte mit sofortiger Wirkung auf die konservative Peitsche.»
Abgang auch bei Labour
Boles ist nicht der Erste im Unterhaus, der seine Partei wegen des Brexit verlässt. Vor wenigen Tagen sind drei Politikerinnen aus der Partei ausgetreten, um sich mit acht Labour-Abgeordneten, die ihre Partei ebenfalls verlassen hatten, zur «Unabhängigen Gruppe» zusammenzuschliessen. Boles will dieser Gruppe nicht beitreten.
Der harte Brexit am 12. April um Mitternacht (Schweizer Zeit) wird nun immer wahrscheinlicher. Nur noch eine Zustimmung zu Premierministerin Theresa Mays (62) Austrittsdeal oder eine Verlängerung der Frist könnte noch die Möglichkeit eines geregelten Brexit offen halten. (gf)
Am 23. Juni 2016 stimmten 51,9 Prozent der Briten für den Austritt aus der EU. Seit diesem Zeitpunkt fand zwischen der EU und Grossbritannien aber auch innerhalb des Vereinigten Königreichs ein langwieriger politischer Prozess der Kompromissfindung statt. Mehrere Abgeordnete und sogar Premierminister traten aufgrund der Vertragsverhandlungen zurück. Am 31. Januar 2020 trat Grossbritannien schliesslich aus der EU aus.
BLICK zeigt die wichtigsten Stationen des chaotischen Prozesses seit dem Austrittsvotum der Briten auf.
Am 23. Juni 2016 stimmten 51,9 Prozent der Briten für den Austritt aus der EU. Seit diesem Zeitpunkt fand zwischen der EU und Grossbritannien aber auch innerhalb des Vereinigten Königreichs ein langwieriger politischer Prozess der Kompromissfindung statt. Mehrere Abgeordnete und sogar Premierminister traten aufgrund der Vertragsverhandlungen zurück. Am 31. Januar 2020 trat Grossbritannien schliesslich aus der EU aus.
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