Diplomatische Krise
Irrer Streit um Friedensnobelpreis zwischen USA und Polen

Ein diplomatischer Eklat spaltet Polen und die USA: US-Botschafter Tom Rose hat die Beziehungen zu Polens Parlamentspräsident Wlodzimierz Czarzasty abgebrochen. Grund ist dessen Kritik an Donald Trump.
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«Verbündete sollten sich gegenseitig respektieren, nicht belehren», findet der polnische Ministerpräsident Donald Tusk.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Polens Sejm-Präsident kritisiert Trump, USA brechen diplomatische Kontakte ab
  • Donald Tusk unterstützt Czarzasty und fordert gegenseitigen Respekt unter Verbündeten
  • Am Freitag forderten prominente Stimmen die Abberufung von US-Botschafter Rose
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Die traditionell besonders engen Beziehungen zwischen Polen und den USA sind durch einen skurril anmutenden diplomatischen Streit belastet.

Am Donnerstag hatte US-Botschafter Tom Rose den sofortigen Abbruch aller Beziehungen zum polnischen Parlamentspräsidenten Wlodzimierz Czarzasty (65) verkündet. Der Vorsitzende des Sejm, wie das polnische Unterhaus offiziell heisst, hatte erklärt, er lehne die Verleihung des Friedensnobelpreises an US-Präsident Donald Trump ab. Bis Freitag solidarisierten sich immer mehr polnische Spitzenpolitiker, aber auch US-Diplomaten mit Czarzasty.

«Beziehungen schwer beschädigt»

Der zum polnischen Regierungslager gehörende Sejm-Präsident hatte Trump beschuldigt, durch seine Machtpolitik internationale Institutionen zu destabilisieren. Auch warf er ihm abfällige Äusserungen gegenüber polnischen Soldaten vor, weil Trump den Beitrag der europäischen Verbündeten am US-Krieg in Afghanistan heruntergespielt hatte.

Das wiederum veranlasste US-Botschafter Rose zu seinem Angriff auf Czarzasty: «Die ungeheuerlichen und ungerechtfertigten Beleidigungen gegen Präsident Donald Trump haben unsere ausgezeichneten Beziehungen zu Ministerpräsident Tusk und seiner Regierung schwer beschädigt», zitierte ihn die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Abberufung von Rose empfohlen

Der so angesprochene Donald Tusk (68) stellte sich jedoch auf die Seite seines Landsmannes: «Verbündete sollten sich gegenseitig respektieren, nicht belehren», schrieb Polens Ministerpräsident, an Rose gerichtet, auf X.

Es folgte ein weiterer Schlagabtausch auf Social-Media-Kanälen, im Zuge dessen ein Internetnutzer dem US-Botschafter empfahl, er solle «nach Hause gehen». Das quittierte Rose wiederum mit der drohenden Frage, ob er dann gleich auch «die US-Soldaten und ihre Ausrüstung mitnehmen» solle. Polnische Medien zitierten am Freitag sichtlich genussvoll Stimmen von prominenten US-Diplomaten und -Politikern, die die Abberufung von Rose empfahlen.

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