Darum gehts
- GreenKing testet Bienenstiche gegen Haarausfall in viralem Video mit 760'000 Aufrufen
- Die Theorie basiert auf einem Enzym, das weniger Haarverlust verursachen könnte
- Eine Studie 2024 zeigte bei Mäusen Haarwachstum durch verdünntes Bienenvenom
Eine Biene krabbelt über seinen Haaransatz, sticht zu – und dann isst er sie. Klingt absurd, oder? Genau diese Szene zeigt ein virales Video von GreenKing, einem Fitness-Influencer auf Instagram mit rund 10'000 Followern. Unter dem Motto «Working on becoming the best version of myself» testet er extreme Methoden, die Körper und Geist angeblich optimieren sollen.
Auf X erreichte der Clip innerhalb von 24 Stunden über 760'000 Aufrufe. Die Reaktionen reichen von Faszination bis hin zu Kopfschütteln. Die zentrale Frage: Was soll das bringen?
GreenKing behauptet, Bienenstiche würden auf das Enzym 5α-Reduktase wirken. Dieses Enzym wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um, einen der Hauptverursacher von erblich bedingtem Haarausfall. Weniger DHT, so die Logik, könnte also weniger Haarverlust bedeuten.
Gibt es bald neben Botox auch Beetox?
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht. Eine 2024 im Fachjournal «MDPI Toxins» veröffentlichte Studie mit dem Titel «Bee Venom Stimulates Growth Factor Release from Adipose-Derived Stem Cells to Promote Hair Growth» untersuchte die Wirkung von verdünntem Bienenvenom.
Die Forschenden konnten zeigen, dass das Gift Stammzellen aktiviert, die wiederum Haarwachstumsfaktoren freisetzen. Bei Mäusen beschleunigte es die Wachstumsphase. Klingt nach einem natürlichen Super-Shot für Haare. Beim Menschen ist der Effekt bisher unbewiesen.
Und genau hier liegt das Problem: GreenKings Feld-Experiment fehlt die wissenschaftliche Grundlage. Er appliziert das Venom direkt auf den Kopf, ohne Verdünnung oder wissenschaftliche Kontrolle. Bienenstiche können zudem allergische Reaktionen auslösen – von starkem Juckreiz bis hin zu einem lebensgefährlichen Schock.
Bienenvenom findet sich neben Haarwuchsmitteln auch in Cremes gegen Falten. Auch hier ist die Wirkung bislang noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht. Meist werden die Substanzen stark verdünnt.