Darum gehts
- Russland griff Ukraine am Freitag mit Oreschnik-Mittelstreckenraketen an
- Raketen trafen kritische Infrastruktur nahe Lwiw, 100 Kilometer von EU-Grenze
- Ukrainische Luftwaffe löste kurz vor Mitternacht Luftalarm aus
Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, flog Moskau in der Nacht auf Freitag einen Angriff mit Mittelstreckenraketen Oreschnik auf die Ukraine. Diese sollen keine 100 Kilometer von der EU-Grenze in Lwiw eingeschlagen sein. Es ist erst der zweite Angriff mit der Rakete.
«Die russischen Streitkräfte haben einen massiven Schlag mit boden- und seebasierten Hochpräzisionswaffen grosser Reichweite gegen kritische Objekte auf dem Gebiet der Ukraine geführt, darunter auch mit dem Mittelstreckenkomplex Oreschnik und Drohnen», heisst es in der Mitteilung der Behörde.
Vergeltung für angeblichen Residenz-Angriff
Nach Angaben des Ministeriums ist der Einsatz eine Vergeltungsaktion für die angebliche Attacke auf die Residenz von Kremlchef Wladimir Putin im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel. Der Kreml hatte damals von einem versuchten Terroranschlag gesprochen, auch US-Präsident Donald Trump hatte – von Putin per Telefon informiert – einen solchen Schlag kritisiert. Die Ukraine ihrerseits hat dementiert, dass sie überhaupt einen Angriff auf die Residenz lanciert hat. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen.
Die ukrainische Luftwaffe verkündete kurz vor Mitternacht, es sei Luftalarm ausgelöst worden. Die Rakete soll bereits am Kaspischen Meer entdeckt worden sein, wie die ukrainischen Streitkräfte am frühen Freitagmorgen mitteilten. Videos zeigen angeblich den Angriff auf die Stadt nahe der polnischen Grenze. Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj gab auf Telegram bekannt, «Objekte der kritischen Infrastruktur» seien zum Ziel der Raketen geworden.
In Kiew starben bei Drohnen-Angriffen mindestens vier Menschen. Auf X berichtet der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski von den Angriffen auf sein Land. Auch die Botschaft Katars wurde getroffen, wie der 47-Jährige schreibt.
In Russland verglich man den Einsatz der Drohnen mit einer Beruhigungsspritze. «Gefährliche Psychopathen brauchen eine Zwangsjacke oder eine Rettungsspritze mit Haloperidol», schrieb Dmitri Medwedew, der als Vizechef des nationalen Sicherheitsrats in Moskau. So sei es in der vergangenen Nacht im Westen der Ukraine passiert. Haloperidol ist ein Medikament zur Behandlung von Schizophrenie.
Rakete war einst verboten
Zum ersten Mal wurde die Oreschnik im November 2024 benutzt. Kremlchef Wladimir Putin erklärte damals, er habe die nuklearfähige Rakete als Vergeltungsmassnahme abgefeuert, um auf die Freigabe von mehr westlichen Waffen für die Ukraine zu reagieren.
Durch das INF (Indermediate-Range Nuclear Forces Treaty), einer Abmachung zwischen den USA und Russland, wurde der Einsatz atomarer Mittelstrecken-Raketen 1987 verboten. Im August 2019 wurde das Abkommen schliesslich wieder gekündigt.