Schiesserei in Ohio: Hier flüchten die Menschen vor dem Amokläufer(01:03)

Amokläufer von El Paso und Christchurch posteten dort ihre Manifeste
Gründer will Hass-Forum «8chan» löschen lassen

Fredrick Brennan gründete das Internet-Forum «8chan», eine unmoderierte Seite, wo Massenmörder wie der von El Paso ihre Manifeste veröffentlichten. Er selbst will nun, dass die Seite offline genommen wird.
Publiziert: 05.08.2019 um 10:57 Uhr
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Aktualisiert: 10.08.2019 um 12:03 Uhr
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Crusius outet sich mit einem online veröffentlichten Manifest als weisser Suprematist.

Er nannte sie «Brüder», forderte sie auf, seine Gedanken weiterzuverbreiten: Bevor Amokläufer Patrick Crusius (21) in El Paso Dutzende Menschen abschlachtete, postete er sein vierseitiges Manifest auf dem Internet-Forum «8chan». Das ist kein Zufall.

Sein Vorbild, Christchurch-Massenmörder Brenton Tarrant (28), ging genau gleich vor. Auch er veröffentlichte auf dem Forum seine rechtsextremen Ergüsse, bevor er in einer Moschee seine blutigen Fantasien in die Tat umsetzte. Dass beide Terroristen «8chan» auswählten, hat einen guten Grund: Hier herrscht Anarchie, die Nutzer sind anonym. Jeder kann veröffentlichen, was er will – Rassismus, Hass, Hetze.

Tummelplatz rechtsextremer Nationalisten

Der amerikanische Software-Entwickler Fredrick Brennan (24) ist der Gründer der Seite, die sich selbst «die dunkelsten Tiefen des Internets» bezeichnet. Als er vom Massaker in El Paso hörte, ging er mit einer dunklen Vorahnung zuhause auf den Philippinen sofort online und auf sein altes Forum «8chan» – und wurde fündig, wieder einmal.

Jetzt sagt er zur «New York Times»: «Schaltet die Seite ab. Sie bringt der Welt nichts Gutes.» Er hatte die Seite 2013 gegründet, wollte damit die freie Meinungsäusserung unterstützen. Geworden ist daraus ein Tummelplatz für rechtsextreme Nationalisten, die ungehindert ihren Hass verbreiten können. 

«Würde nicht mehr jeden Monat passieren» 

Brennan, der an der Glasknochenkrankheit leidet und im Rollstuhl sitzt, hat sich bereits vor einem Jahr von der Seite distanziert. Seither warnt er in Interviews, dass das Forum eine Kultur befördere, die zu noch mehr Amokläufen und Massakern führen könnten. Der derzeitige Betreiber der Seite will jedoch nichts von einer Abschaltung wissen.

Für Gründer Brennan unverständlich. «Ich versuche schon lange zu verstehen, warum er sie weiterlaufen lässt, aber ich kapiers einfach nicht», sagt er zur Zeitung. «Nach Christchurch, nach der «Tree of Life»-Schiesserei und nun nach diesem Massaker denken die Leute auf der Seite immer noch, dass das alles lustig ist.» Er glaube zwar nicht, dass mit der Schliessung der Seite solche Massaker gestoppt werden könnten – «aber es würde nicht jeden Monat passieren». 

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Allerdings kommt nun Bewegung in die Sache: Der Internetdienst Cloudfare, der «8chan» vor DDOS-Attacken schützte, beendet seine Dienste. Solche Attacken können Webseiten innert kürzester Zeit überlasten und deren Server so in die Knie zwingen. Das geschah bereits am Montagmorgen – «8chan» ist offline. Wie lange, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. (neo)

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