Als digitaler Nomade
Deutscher (17) lebt in Zügen statt zu Hause

Lasse Stolley lebt als digitaler Nomade in ICE-Zügen und reist als Programmierer ohne festen Wohnsitz durch Deutschland.
Publiziert: 04.03.2024 um 16:47 Uhr
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Lasse Stolley reist als digitaler Nomade durch ganz Deutschland. Er ist Programmierer und arbeitet auch bei einem Kölner IT-Start-up.

Immer auf Achse: Lasse Stolley (17) aus Schleswig-Holstein lebt in den ICE-Zügen Deutschlands. Mit seiner Bahncard 100 hat er bereits 500'000 Kilometer Weg zurückgelegt. Das entspricht zwölf Erdumrundungen. 

Als digitaler Nomade reist er ohne festen Wohnsitz durch Deutschland und arbeitet als Programmierer dort, wo es ihn gerade hin verschlägt. «Ich habe extrem grosse Freiheiten und kann jeden Tag entscheiden, wohin ich möchte, ob in die Alpen, in eine Grossstadt oder ans Meer. Da bin ich voll flexibel», sagt der Jugendliche dem «Business Insider». 

«Privatsphäre gibt es keine»

Er führt in der Deutschen Bahn einen sehr minimalistischen Lebensstil: Er schläft in Zügen der Deutschen Bahn und bedient sich kostenlos in grösseren Bahnhöfen an den Buffets der DB-Lounges oder geht in den Supermarkt. Er duscht in öffentlichen Bädern und lebt mit vier T-Shirts, zwei Hosen, einem Nackenkissen und einer Reisedecke. Das alles verstaut er in einem 36-Liter-Rucksack.

So viele Vorteile Stolley in seiner Lebensweise auch sieht, muss er auch einräumen, dass so etwas wie Privatsphäre beim Leben im Zug nicht existiert. «Das Wichtigste sind mein Laptop und meine Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, die mir in der Bahn zumindest ein bisschen Privatsphäre geben.» Ausserdem würde in den Nachtzügen sehr viel geklaut.

Im Jahr kostet ihn sein Leben rund 10'000 Euro. Am meisten Geld muss er für die Bahncard 100 Erste Klasse berappen. Diese hat er für einen Jugendpreis von 5888 Euro gekauft, rund 5600 Franken. Mit der Bahncard 100 Erste Klasse darf er zwölf Monate kostenlos durch Deutschland fahren. Zudem unterstützen ihn seine Eltern weiterhin, zum Beispiel bei der Krankenversicherung. Stolley arbeitet ausserdem bei einem Kölner IT-Start-up und entwickelt auf selbständiger Basis Apps.

Nomadenleben selbst finanzieren

Den Entschluss, als digitaler Nomade durch die Welt zu ziehen, fasste Stolley mit 16. Damals war seine versprochene Lehre als Fachinformatiker nach dem Abiabschluss kurzfristig abgesagt worden und er musste sich neu orientieren. Ein Youtube-Video brachte ihn auf die Idee mit der Bahncard 100. Seine Eltern waren zuerst wenig begeistert, berichtet der Teenager: «Ich musste einiges an Überzeugungsarbeit leisten.»

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Sein grösster Traum ist es, sich das Nomadenleben selbst zu finanzieren. Dafür hat er sich einen konkreten Plan zurechtgelegt: «Mein Wunsch wäre, Feedback an die Verkehrsunternehmen zu geben, beispielsweise die Deutsche Bahn oder die Hersteller der Züge, und das vergütet zu bekommen.» Zwar hätten Linienmanagements bereits um seine Erfahrung und Auskunft gebeten, aber ein konkretes Angebot habe er noch nicht erhalten. (mgf)

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