Alice-im-Wunderland-Syndrom
Für diese Britin wächst und schrumpft die Welt plötzlich

Eine Frau aus Grossbritannien leidet an einer seltenen und ungewöhnlichen Krankheit: Ihre Wahrnehmung ist manchmal verzerrt. Dinge erscheinen plötzlich grösser zu werden oder zu schrumpfen.
Publiziert: 21.06.2024 um 13:03 Uhr
|
Aktualisiert: 23.06.2024 um 15:59 Uhr
1/5
Die Britin Layla Chester leidet an einer seltenen Krankheit. Manchmal täuschen sie ihre Sinne.
RMS_Portrait_AUTOR_519.JPG
Johannes HilligRedaktor News

Wenn Layla Chester (46) aus Hereford in Grossbritannien einen Anfall hat, sieht sie die Welt plötzlich mit anderen Augen. Dinge werden auf einmal grösser oder kleiner. Oder fühlen sich kleiner an, als sie tatsächlich sind. Manchmal glaubt sie zu wachsen, während die Welt um sie herum schrumpft. «Es ist wirklich schwer zu erklären, aber wenn eine Attacke ausgelöst wird, ist es furchtbar», sagt das zweifache Mami zur «Sun».

Die Britin leidet am Todd-Syndrom, auch bekannt als Alice-im-Wunderland-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die beunruhigende Seh-, Tast- und Zeitempfindungen hervorruft.

«Ich kann nicht mehr laufen»

Bei Layla Chester kamen die Symptome zum ersten Mal während der Pandemie, im Juli 2020. An einem Abend hatte sie starke Kopfschmerzen, als sie ins Bett ging. Beim Aufstehen am nächsten Morgen hatte sie plötzlich diese Sinnestäuschungen. Es war so, als ob sie «rückwärts durch ein Teleskop schauen» würde. Solche Anfälle können manchmal mehrere Stunden andauern. Vorboten von solchen Attacken seien bei ihr Migräne oder starke Müdigkeit.

Das Syndrom hat ihr Leben auf den Kopf gestellt. Sie musste ihr Auto verkaufen, weil sie Angst hat, während der Fahrt einen Anfall zu bekommen. Sie nimmt pro Tag drei Tabletten, um die Störung in den Griff zu bekommen. Trotzdem lebt sie mit der Angst, dass es jederzeit losgehen kann. «Es fühlt sich buchstäblich so an, als würde mein Körper wachsen und ich kann nichts tun, um es aufzuhalten. Ich kann keine Entfernungen mehr wahrnehmen, also kann ich nicht mehr laufen.»

Die Krankheit sorgt nicht nur für optische Illusionen. «Manchmal habe ich Geruchshalluzinationen, das heisst, ich kann etwas riechen, das nicht da ist.» Einmal sei sie aufgewacht und habe gedacht, dass es brennen würde. «Aber da war nichts.»

Sie dachte zuerst an einen Hirntumor

Manchmal sei es so, dass es sich während eines Gesprächs plötzlich so anfühle, als ob die Zeit langsamer ablaufe oder gar ganz still steht. Layla Chester: «Es ist, als gäbe es eine Verzögerung am Telefon, und ich beantworte Fragen mit Verzögerung.»

Werbung

Es sei wirklich beängstigend und bizarr. Als sie die ersten Anfälle hatte, dachte Layla Chester zunächst, dass sie einen Hirntumor haben könnte. Sie ging sofort zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen. Doch ihr Hausarzt konnte ihr nicht helfen.

Aufklärung über Tiktok

Sie wurde an einen Neurologen überwiesen, der schliesslich mit einem Gehirnscan die Diagnose stellte: Alice-im-Wunderland-Syndrom. Die Krankheit ist nach der berühmten Kindergeschichte von Lewis Carroll (1832–1898) benannt. Darin folgt Alice einem weissen Kaninchen und fällt in dessen Bau. Am Ende landet Alice in einem Wunderland voller kurioser Figuren.

Layla Chester will über ihre Krankheit aufklären und hat deswegen einen Account auf Tiktok eingerichtet. Sie erhalte viel Feedback von ihren Zuschauenden. Das tue ihr gut. Inzwischen hat sie über 2000 Follower. Einige Videos haben mehr als eine halbe Million Aufrufe.

Fehler gefunden? Jetzt melden
Alle Kommentare