Knatsch um Abdi FCZ oder Abdi? Einer lügt!

Seit 15 Jahren spielt Almen Abdi für den FCZ. Jetzt kündigt er seinem Stammklub die Liebe — und sorgt für viel zerbrochenes Geschirr.

  • Publiziert: 29.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Thomas Renggli

Almen Abdi hat Gold in den Füssen. Mit 19 Toren und elf Assists trug er entscheidend zum Titelgewinn des FCZ bei. Seit der Meisterfeier sind vier Monate ins Land gezogen. Und nichts ist mehr, wie es war. Eine Mischung aus Transfer-Wirren, Verletzungspech und Formschwäche haben den 22-jährigen Offensivspieler zum Edelreservisten degradiert.

Gestern nun der Befreiungsschlag des Spielers – zunächst vom FCZ kommuniziert: «Abdi und sein Berater Dino Lamberti haben den Klub darüber orientiert, dass sie das Angebot für eine Vertragsverlängerung ablehnen. Gemäss Lamberti soll sich Abdi mit Udinese Calcio für die Saison 2010/11 geeinigt haben.» Der Berater widerspricht umgehend: «Von einer Einigung kann keine Rede sein.» Klar ist: Jemand sagt hier nicht die Wahrheit.

Abdi zu keiner selbständigen Stellungnahme fähig

Der Spieler, der seit Wochen mit apathischem Blick durch die Gegend trottet und bei Fragen nach seiner Zukunft auf Lamberti verweist, ist auch im Moment der Entscheidung zu keiner selbständigen Stellungnahme fähig. Am Abend tritt er unter der Obhut seines Beraters vor die Medien – im Hotel «Hyatt», wo vor zwei Wochen
Real Madrid Quartier bezogen hat.

Doch Abdi ist nicht Ronaldo. Nur sechs Journalisten sind der Einladung gefolgt. Und der Druckfehler auf dem Namensschildchen («Almend Abdi») deutet eher auf eine Provinzposse als auf grosses Kino hin.

Während Abdi mit leiser Stimme verspricht, «für den FCZ bis zum letzten Tag alles zu geben», definiert Lamberti seine Rolle. «Es ist meine Aufgabe, für Abdi einen Klub zu finden, bei dem er den Stellenwert erhält, den er verdient. Das Angebot des FCZ hat weder sportlich noch finanziell seinen Fähigkeiten entsprochen.»

Gleichzeitig ortet er in der vagen Vertragssituation einen Grund, dass sein Klient auf der Ersatzbank sitzt: «Ich denke, dass es einen gewissen Einfluss hat.»

FCZ-Präsident Ancillo Canepa schüttelt den Kopf: «Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Fragen Sie den Trainer.»

«Almen spielt seit den E-Junioren beim FCZ»

Gleichzeitig kann er seine persönliche Enttäuschung nicht verbergen: «Almen spielt seit den E-Junioren beim FCZ. Er hat dem Klub einiges zu verdanken. Unsere Gespräche mit ihm basierten immer auf Ehrlichkeit und Vertrauen. Das Gleiche hätten wir auch von seinem Berater erwartet.» Der Spieler selbst, der konsequent in Wir Form spricht und Lamberti stets einbezieht, ist sich keines Fehlers bewusst: «Es ist nie unser Ziel gewesen, dass wir ablösefrei wechseln können. Aber letztlich hat auch der FCZ seinen Teil dazu beigetragen, dass der Transfer im Sommer nicht geklappt hat.»

Canepa dementiert vehement: «Wir haben zwar vor der Champions-League-Qualifikation einen Verhandlungs-Stopp verhängt. Doch Almen besass immer die Freigabe.»

Was passiert jetzt mit Abdi?

Spielt Almen Abdi in den Überlegungen des FCZ noch eine Rolle? Canepa: «Almen steht weiterhin im Kader – auch für das Champions-League-Spiel in Mailand. Es liegt an ihm, sich aufzudrängen.» Für einen anderen lässt Canepa dagegen keine Hintertür offen: «Mit Lamberti arbeiten wir sicher nicht mehr zusammen. Diese Personalie hat sich erledigt.» 

Video

Abdi über seine missliche Situation am letzten Donnerstag.
play FCZ-Präsident Canepa. (Killian Kessler)

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