Die albanischen Fans verunglimpften Nati-Star Granit Xhaka. Dieser wehrt sich nun mit einem offenen Brief.
Granit Xhaka (19) leidet beim 2:0-Sieg unserer Nati über Albanien. Er spielt gegen seine Heimat, wird von den rot-schwarzen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Logisch, dass es den gebürtigen Kosovo-Albaner schmerzt.
Nun hat Xhaka die Initiative ergriffen. Und wendet sich mit einem offenen Brief an das albanische Volk. BLICK druckt Auszüge daraus:
«Mit diesem offenen Brief wende ich mich an alle albanischen Sportfans. Anlass ist, dass vor und nach dem letzten Spiel, bei dem ich Gegner der Mannschaft meines Volkes war, gegen mich und einige meiner Mitspieler ein beispielloser Krieg von bestimmten Sportmedien und Kolumnisten geführt wurde. Insbesondere aber von Herrn Armando Duka (Präsident des albanischen Fussball-Verbandes, die Red.), der die Schuld für den Verlust zahlreicher Rot-Schwarz-Talente trägt. Darum will ich mich mit diesem offenen Brief an Sie alle wenden, welche die Wahrheit und Geschichte hinter meiner Person nicht kennen.»
«Der mangelnde Kontakt und die spätere mehrfache Ablehnung durch den albanischen Verband, mich die rot-schwarzen Farben tragen zu lassen, brachten mich zum Entschluss, mich der Schweizer Nationalmannschaft anzuschliessen, deren Vertreter immer wieder auf mich zukamen.»
«Wir waren, sind und werden auch in Zukunft immer stolz auf unsere Herkunft sein. Meinen Namen werde ich stets zu Diensten meines Vaterlandes nutzen. Ich habe stets erhobenen Hauptes und mit Stolz meine Herkunft preisgegeben und werde dies bis an mein Lebensende tun.»
«Albanien hat grosse Talente in aller Welt. Ich wünsche mir, dass diesen Jungs nicht dasselbe widerfährt wie mir, als mir der Verband meines Landes zu jener Zeit, als ich vom Schweizer Verband umworben wurde, unnötig und böswillig Steine in den Weg legte.»
«Nach der Ablehnung durch den albanischen Verband und dem Druck, eine Entscheidung treffen zu müssen, habe ich mich der Nationalmannschaft jenes Landes angeschlossen, in dem ich aufgewachsen und ausgebildet worden bin.»
«Das gesamte albanische Volk soll wissen, dass ich, Granit Xhaka, der als Verräter denunziert wird, Sohn eines politischen Häftlings bin. Der, getrieben von seinen Vorstellungen eines Gross-Albaniens, in serbischen Gefängnissen sass. Ich wurde geboren und von meinen Eltern mit dem Geist des Patriotismus und der Vaterlandsliebe für das albanische Volk erzogen. Mir wurde beigebracht, mein Volk, mein Blut und mein Vaterland zu respektieren, und ich bin stolz darauf, ein Albaner zu sein.»
«Ich verspreche, dass ich überall auf der Welt ein guter Botschafter des albanischen Volkes sein und für die Rechte meines Volkes immer eintreten werde.»
«Es erscheint mir als unangemessen, dass mein Name in den vergangenen Tagen von einigen Printmedien in den Schmutz gezogen wurde. Sollten einzelne Personen die Absicht gehabt haben, meine Gefühle gegenüber meinem rot-schwarzen Volk zu verletzen, so muss ich diese enttäuschen! Niemandem wird es gelingen, mich als Spalter zu benutzen.»
«Wo auch immer ich war und sein werde, ich werde mit Stolz die rot-schwarze Flagge sowie die des Kosovo tragen. Bei meiner Vorstellung in Deutschland, wo ich ein Lied singen musste, sang ich die Hymne der rot-schwarzen Nationalelf.»
«Wir sind ein Volk, haben eine Flagge, und ich, Granit Xhaka, versichere jedem Albaner, dass ich den Namen Albanien hochhalten und die Albaner immer unterstützen werde – egal, wo sich diese befinden.»
«Viele Grüsse an alle von Granit Xhaka und Familie!» BLICK fragte bei Granit Xhaka und seiner Familie nach. Sie wollen den Brief nicht kommentieren.
Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Valon Behrami gehören zu einem Kreis von Spielern, die sich für die Einbeziehung des Kosovo in den internationalen Fussball einsetzen. Sie unterzeichneten eine der Nachrichtenagentur Reuters vorliegende Deklaration, die an FIFA-Präsident Sepp Blatter geschickt wurde. «Wir unterstützen vollständig das Recht auf internationalen Fussball für Spieler und Clubs aus dem Kosovo», heisst es darin.
Der Kosovo hatte seine Unabhängigkeit von Serbien 2008 verkündet, gehört aber nicht den Vereinten Nationen an, weil Serbien dies ebenso blockiert wie die Mitgliedschaft in internationalen Sportorganisationen, darunter die Fifa. Diese hatte im Mai im Prinzip erlaubt, Freundschaftsspiele gegen Teams aus dem Kosovo auszutragen. Dagegen hatte der serbische Verband protestiert. Über die Umsetzung der Entscheidung will die Fifa am kommenden Donnerstag beraten. (Si)
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