Albert Bunjaku (32) ist die Vorfreude anzusehen. Was noch vor wenigen Monaten ein eher kühner Traum war, ist rasant Wirklichkeit geworden. Der St. Gallen-Stürmer spielt mit der Nati vom Kosovo in der WM-Qualifikation. «Das ist für das ganze Land eine grosse Sache, nicht nur für mich», sagt Bunjaku. Nächsten Montag kommts in Turku zur grossen Premiere gegen Finnland (20.45 Uhr). «Eine geile Sache, dass ich gegen Ende meiner Karriere WM-Quali spielen kann», sagt er.
Es wird Bunjakus erster Einsatz in einer Quali überhaupt. In der Schweizer Nati setzte ihn Ottmar Hitzfeld 2009 und 2010 in fünf Testspielen und als Höhepunkt einmal bei der WM 2010 in Südafrika ein.
Damals war Bunjaku Ergänzungsspieler. Jetzt beim Kosovo ist er als ehemaliger Bundesliga-Captain einer der Stars. Und auch sonst ist vieles anders.
Bunjaku: «In der Schweizer Nati war alles viel professioneller. Beim Kosovo merkt man, dass noch alles in den Kinderschuhen steckt. Es gibt Trainingsplätze, da hat jeder Schweizer 5.-Liga-Klub den besseren. Jetzt wird aber in die Infrastruktur investiert.»
Stars wie Xhaka oder Shaqiri sind nicht dabei. Was meint der St. Galler zu einem Wechsel der Top-Stars?
«Jeder muss für sich entscheiden. Aber ich an ihrer Stelle würde es nicht machen, sie spielen ja eine wichtige Rolle bei der Schweiz. Unser Team ist auch so stark genug.» Die meisten Kosovo-Spieler sind Profis in Deutschland, Italien oder beim albanischen Topklub Skenderbeu Korce.
Bunjaku: «Und es kommen ein paar gute Talente nach. Ich bin der Spieler mit der meisten Erfahrung, ich freue mich auf meine Rolle, den jungen Spieler etwas mitgeben zu können. Eine wirklich coole Sache.»
Zwei Talente von ManCity
Zwei Talente stehen bei Manchester City unter Vertrag. Sinan Bytyqi (21), der auch für Österreich hätte spielen können, und der für diese Saison an Twente Enschede ausgeliehene Norwegen-Kosovare Bersant Celina (19).
Was ist mit diesem Team in der starken Quali-Gruppe gegen Island, Kroatien, Ukraine, Türkei und Finnland möglich? «Wir müssen realistisch bleiben und nicht zuviel erwarten. Aber am Montag gegen Finnland wollen wir mit einem Sieg starten! Das ist machbar», sagt Bunjaku, der im ersten Spiel nach der Aufnahme als 210. Fifa-Mitglied beim 2:0 gegen die Färöer das historische erste Tor schoss.
Kosovo trainiert in Finnland
Die Bedingungen haben Nati-Trainer Albert Bunjaku – ein nicht verwandter Namensvetter des St. Gallers – dazu bewogen, den Zusammenzug gleich komplett in Finnland abzuhalten. Der Kosovo trainiert ab Donnerstag im Norden. So geht die Mannschaft auch dem Wirbel in der euphorischen Heimat aus dem Weg. «So können wir in Ruhe arbeiten. Im Kosovo herrscht ein Riesen-Hype», sagt Stürmer Bunjaku.
Wer effektiv einrückt, ist noch nicht ganz klar. Einige Spieler wollen in letzter Sekunde noch ihre Nationenwechsel fix machen. Sicher dabei sind Luzerns Hekuran Kryeziu sowie die Hoppers Mergim Brahimi und Alban Pnishi. Aus der albanischen Nati kommen mit Amir Rrahmani, Alban Meha, Herolind Shala und Milot Rashica solche Spieler, die es nicht ins EM-Kader geschafft haben. Albanien-Trainer Gianni De Biasi sieht die Abgänge gelassen.
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