Unterwegs auf der Grand Tour Mitten ins Herz der Schweiz

Bundespolitik in Bern, Rütlischwur in Uri und Freiheitskampf am Morgarten: Die letzte Runde auf der «Grand Tour of Switzerland» führt mitten hinein in die Seele der Schweiz. Wie passend in Zeiten der Fussball-EM.

Wurde die Schweiz auf dem Rütli geboren? Wohl eher nicht. play

Wurde die Schweiz auf dem Rütli geboren? Wohl eher nicht.

Christian Bauer

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Dieser Tage kämpfte die Schweizer Nationalmannschaft bei der EM in Frankreich um Ruhm und Ehre. Schweizer Fahnen und Schlachtgesänge wehten durchs Land. Noch sitzt der Schmerz über das Ausscheiden tief. Da passt es gut, dass unsere abschliessende Fahrt auf der Grand Tour of Switzerland (die 1600 Kilometer lange Rundtour zu den schönsten Ecken der Eidgenossenschaft) mitten hinein ins Herz unseres Landes führt – zum Ursprung, zur Identität der Schweiz.

Der schönste Ort der Schweiz

Eine Reise, um das Nationalgefühl zu pushen! Oder doch nicht? Von der Bundesstadt Bern geht es dieses Mal durch das Emmental, die Unesco-Biosphäre Entlebuch, durch Luzern und die Innerschweiz bis nach Zürich – genau genommen also 300 Kilometer Landweg voller Schweizer Geschichte und den Top-Sehenswürdigkeiten der Eidgenossenschaft (siehe Box).

«Das ist der schönste Ort der Schweiz», sagt ein älterer Herr stolz. «Von hier sehen Sie alles Wichtige.» Wir stehen in Seelisberg UR und blicken auf Rütliwiese, Urnersee, Altdorf, Tellsplatte, Schwyz und die zwei Mythen. Sprich, wir schauen auf Rütlischwur, Apfelschuss, Freiheitskampf. «Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern...», rezitiert der ältere Herr die Zeilen von Dramatiker Friedrich Schiller. Welch ein passendes Motto für die EM! Elf Brüder sollt ihr sein!

Der gute alte Tell - leider nur eine Erfindung. Aber die Geschichte vom Abpfelschuss ist Weltklasse. play
Der gute alte Tell - leider nur eine Erfindung. Aber die Geschichte vom Abpfelschuss ist Weltklasse. Christian Bauer

Nächster Halt auf unserer Tour zum Herzstück der Schweizer Seele ist das «Tell Museum» in Bürglen UR. Von hier soll der grosse Freiheitskämpfer stammen. Doch wer eine Armbrust, ein Gewand und einen Nachttopf des Schweizer Helden erwartet, der wird bitter enttäuscht: Wilhelm Tell ist eine Erfindung aus dem 15. Jahrhundert. Das ist bekannt, doch immer wieder ernüchternd. Die Geschichte vom einsamen Kämpfer, der eine Übermacht bezwingt, taugte bestens als Vorbild für die EM.

Ist der Bundesbrief ein Fake?

Und wie sieht es mit dem Bundesbrief aus, dem Gründungsdokument der Schweiz? Aufschluss gibt das Bundesbriefmuseum im nahen Städtchen Schwyz, das in den letzten Jahren rundum saniert wurde. Zu jedem Dokument aus den Anfangsjahren der Eidgenossenschaft liefert ein interaktiver Touchscreen Hintergrundinformationen und Erklärungen. Hier wird die Geschichte der Schweizer Eidgenossenschaft fassbar.

Zentrum der Ausstellung ist freilich die Abmachung von 1291, die erst im Jahr 1724 in einem Archiv in Schwyz entdeckt wurde. Doch was ist da zu lesen? Der Bund zwischen Uri, Schwyz und Unterwalden war nur eine von vielen Vereinbarungen jener Zeit und keineswegs DAS Gründungsdokument des Landes. Eine gewisse Wehmut macht sich breit. Alles nur Fake? Ist es also kein Wunder, dass die Hausberge «Mythen» heissen?

Tapfere Kämpfe in Morgarten

Siegreiche Eidgenossen in der Schlacht am Morgarten 1315. play
Siegreiche Eidgenossen in der Schlacht am Morgarten 1315. Christian Bauer

Wir geben den nationalen Legenden eine letzte Chance und fahren weiter bis nach Morgarten. Jener Ort, wo 1315 die erste historische Freiheitsschlacht der Schweizer Geschichte tobte. Die unterlegenen Schwyzer Bauern besiegten durch den Mut der Verzweifelten das übermächtige Heer der Habsburger. Seit dem Jubiläumsjahr 2015 gibt es dort ein kleines Besucherzentrum. Mit Vibrato-Stimme erzählt ein Lautsprecher die Heldengeschichten von einst. Stimmt nun endlich etwas, was man in Kindheitstagen in der Schule gelernt hat?

Nein, neue Erkenntnisse zeigen: Die Schlacht war kein Freiheitskampf. Unsere Grand Tour zur Seele der Schweiz wird zum Fiasko. Oder doch nicht? Ein paar Stunden zuvor fuhren wir mit der ersten Fähre von Gersau nach Beckenried über den Vierwaldstättersee. Türkis lag der See zwischen den Bergflanken, weisse Schleier stiegen aus den dunkelgrünen Wäldern. Trotz Sauwetter standen wir an der Reling und bestaunten das Setting der Urschweizer Landschaft. Und wir waren uns sicher: «Ja, die Schweiz ist das schönste Land der Welt»! Etwas zu emotional? Von wegen, gerade in Zeiten der EM-Euphorie mag das erlaubt sein.

Eines der schönsten Erlebnisse der Tour: mit der Fähre über den Vierwaldstättersee. play
Eines der schönsten Erlebnisse der Tour: mit der Fähre über den Vierwaldstättersee. Christian Bauer

 

Durch das Zentrum der Schweiz

 Bern
Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten ist besonders das Museum für Kommunikation zu empfehlen, das sich als einziges Museum der Schweiz dem Thema Informationsaustausch widmet. Tipp: Am 12. bis 14.8. findet ein Museumsfest statt. www.mfk.ch

Burgdorf
Mittelalterfans finden hier die am besten erhaltene zähringsche Burganlage. Ein Geheimtipp ist das Goldmuseum. www.helvetisches-goldmuseum.ch

Affoltern
In einem Stöckli aus dem Jahr 1741 (Emmentaler Schaukäserei) kann man seinen eigenen Käse herstellen. www.emmentaler-schaukaeserei.ch

 Langnau i. E.
Das Regionalmuseum Chüechlihus widmet sich der Geschichte und Kultur des schönen Emmentals. www.regionalmuseum-langnau.ch

Trubschachen
Das kulinarische Highlight der Tour: Das Besucherzentrum vom Guetsli-Hersteller Kambly. Tipp: In der Sommerzeit bietet Kambly tägliche Workshops für Kinder an. www.kambly.com

Entlebuch
Die Unesco-Biosphäre Entlebuch besitzt das grösste Moorgebiet der Schweiz. Kinder erleben die Moorwelt auf dem Erlebnisspielplatz Mooraculum, dem grössten Moor-Erlebnispark der Alpen. www.biosphaere.ch

Sempach
Die Schweizer Vogelwarte, die kürzlich neu saniert wurde, widmet sich der heimischen Vogelwelt. www.vogelwarte.ch

Beromünster
Auf dem Radioweg kann man die Geschichte und die Highlights des ehemaligen Landessenders erkunden. www.kklb.ch

Baldeggersee
Auf Schloss Heidegg geniesst man nicht nur die Weitsicht und das Museum, sondern auch Wein. www.heidegg.ch

Luzern
In der Kantonshauptstadt gibt es viel zu sehen. Etwas übersehen wird dabei jedoch oft der Gletschergarten mit den Gletscherformen. www.gletschergarten.ch

Rigi Kulm
Vor 200 Jahren wurde das Berghotel auf der Rigi Kulm eröffnet. Zum Geburtstag gibt es viele spannende Sonderaktionen. www.200jahre-rigikulm.ch

Urnersee
Der «Weg der Schweiz» von Brunnen zum Rütli feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. www.weg-der-schweiz.ch

Brunnen
Im Victorinox-Besucherzentrum ein (rotes) Stück Schweizer Präzisionshandwerk bewundern. www.victorinox.com

Schwyz
Das «Forum der Schweizer Geschichte» zeigt noch bis zum 2. Oktober 2016 eine Sonderschau zu den drei Gotthard- Tunneln. www.nationalmuseum.ch

Sattel
Von der Talstation zum Aussichtsberg Hochstuckli pendelt die erste Drehgondel der Welt. Ein tolles und einmaliges Erlebnis. www.sattel-hochstuckli.ch

Rapperswil
Eines der aussergewöhnlichsten Museen der Schweiz ist das Baummuseum von Gartengestalter und Bäumesammler Enzo Enea. www.enea.ch

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Publiziert am 05.07.2016 | Aktualisiert am 18.01.2017
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