Jardins des Iris in Vullierens VD Dieser Garten ist wie hingemalt

Manche öffentliche Gärten sind so kunstvoll komponiert wie impressionistische Gemälde. Dazu zählt auch der schönste: der Schlossgarten Jardins des Iris in Vullierens VD.

Natur trifft Kunst: Der Schlossgarten «Jardins des Iris» in Vullierens VD ist ein Bijou. play

Natur trifft Kunst: Der Schlossgarten «Jardins des Iris» in Vullierens VD ist ein Bijou.

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Das Waadtländer Dörfchen Vullierens bei Morges erstrahlt bald regenbogenbunt. Im Garten des Château de Vullierens brechen dieser Tage die ersten Schwertlilien-Knospen aus ihrem grünen Mantel, in rund zwei Wochen werden hier mehr als 50'000 Blüten in allen erdenklichen Farben blühen: eine Farbenwucht, die jährlich etwa 15'000 Gartenliebhaber und Hobby-Floristen anlockt.

Der Jardin des Iris, der Iris-Garten, ist der meistbesuchte private Schlossgarten der Schweiz. Das Château, seit 700 Jahren in Familienbesitz, hat im Hinterland des Genfersees einen Logenplatz mit Sicht auf das Alpenpanorama und den Mont Blanc. In unmittelbarer Nähe liegen noch jungfräulich die Getreidefelder und Weinterrassen, und der Raps verströmt seinen Duft.

Iris, auch Schwertlilien genannt, waren die Lieblingsblumen der ehemaligen Schlossherrin Doreen Bovet. play

Iris, auch Schwertlilien genannt, waren die Lieblingsblumen der ehemaligen Schlossherrin Doreen Bovet.

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Das Gebiet um Vullierens mit seinen (gefühlten) drei Bauernhöfen bietet Besuchern einen erholsamen Kontrast zum zersiedelten Genferseeufer und ist ein entsprechend beliebter Zufluchtsort für Städter, eine Oase der Ruhe. Mittendrin thront das kleine Barockschloss mit seinem ramponierten Charme – an manchen Ecken blättert der Putz.

Gemüseacker wird zu Traumgarten

Doch vor dem Gemäuer regiert neues Leben, liegt der drei Hektar grosse Garten. Er wurde 1950 von Doreen Bovet angelegt, der Mutter des heutigen Besitzers. Ihr Eingriff war radikal. Wo jetzt Irisfelder blühen, befand sich einst der Kraut-und Gemüsegarten des Schlosses. Darin liess sie 13 Irissorten pflanzen – die Lieblingsblumen der gebürtigen Amerikanerin. Diese bezog sie aus ihrer Heimat, von der bekannten Züchterdynastie Schreiner. 1955 wurde das Gelände für Besucher geöffnet. Mittlerweile blühen hier 400 Irisarten in allen erdenklichen Farbschattierungen – manche Sorten wurden eigens gezüchtet.

Der Schlossgarten wird stetig erweitert. Sieben Mini-Biotope mit unterschiedlicher Bepflanzung sind über die Jahre dazugekommen, mit Rosen, Rhododendren, Azaleen oder spät blühenden Tulpen. Treibende Kraft hinter dem Konzept und der Gestaltung ist der Brite John Ruttledge (61), er berät den heutigen Schlossbesitzer bei der Weiterentwicklung der Gartenanlagen.

Hier wogt ein Meer aus Farben

«Ein Gartendesigner ist ein Künstler, der mit Blumenfarben malt», erklärt der Chef-Gärtner. «Nur müssen wir, anders als ein Maler, mit Krankheiten, Wetter und den Launen der Natur kämpfen.» Auf diese Launen verweist aktuell ein leeres Tulpenfeld. «Da sollten eigentlich weisse Tulpen wachsen, aber der Maulwurf war schneller», sagt Ruttledge. Mehr Glück hatte er in der 500 Meter langen Baumallee, wo 6000 Bluebells unter schattenspenden Bäumen gedeihen. «In ein paar Jahren wird der blaue Teppich atemberaubend aussehen», sagt der Gartengestalter stolz.

Der Brite John Ruttledge (61) ist der Kopf hinter dem Gartendesign. play

Der Brite John Ruttledge (61) ist der Kopf hinter dem Gartendesign.

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Im Zentrum seiner Anlage liegt der mit Buchsbaumhecken gestaltete Chaterlain’s Garden mit seiner dezent barocken Klarheit. Darin blühen Schwertlilien, Tulpen, Goldregen, Clematis und später im Jahr Rosen. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlossgärten ist der Jardin des Iris nicht durch hohe Mauern von der Umgebung getrennt, er öffnet sich vielmehr zum umliegenden Land. «Dadurch wird der gestaltete Garten Teil der Kulturlandschaft der Region», so Ruttledge.

Kunst ist in diesem Paradies stark verwurzelt

Publikumsmagnete aber sind noch immer die insgesamt zwei Hektar grossen Irisfelder, auf denen einmal jährlich ein riesiges Meer von Farben wogt. Sie erinnern an Bilder des impressionistischen Malers Claude Monet. Und Kunst hat im Garten durchaus einen festen Platz: Auf dem Areal finden sich 50 kolossale Skulpturen, sie bilden einen schönen Kontrast zu der wuchernden Farbenpracht der Pflanzen. Da ein Labyrinth aus Holzlatten, dort ein Konstrukt aus rostigem Stahl, hier meterhohe schwarze Figuren. Übrigens: Die Schwertlilie leitet ihren wissenschaftlichen Namen von der griechischen Göttin Iris ab – ihres Zeichens Herrin des Regenbogens.

Schöner Kontrast: Blumenmeer und schwarze Figuren. play

Schöner Kontrast: Blumenmeer und schwarze Figuren.

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Informationen

Wo
Les Jardins du Château de Vullierens, Vullierens VD

Wann
Geöffnet vom 30. April bis 12. Juni, jeweils von 9 bis 18 Uhr.

Eintritt
Erwachsene 15 Franken, Kinder 5 Franken.

Infos
www.jardinsdesiris.ch

Andere Kleinode: Wo die Rosen blühen

1. Rosengarten, Kartause Ittingen Die Kartause Ittingen bei Weiningen TG ist nicht nur ein eindrückliches Zeugnis der Historie, sie beherbergt auch einen der schönsten Rosengärten. Im und ums mittelalterliche Gemäuer spriessen 250 historische Sorten, das ist Schweizer Rekord. Auch sehenswert sind der Barock- und Heilkräutergarten sowie das Thymian-Labyrinth mit 20 Sorten. www.kartause.ch

Auch hübsch: Der Rosengarten der Stadt Bern mit 220 Rosenarten; die drei Rosengärten von Rapperswil SG und der 300-jährige Schloss- und Rosengarten von Schloss Heidegg LU.

2. Schlosspark Arenenberg Hoch über dem Untersee bei Salenstein TG thront Schloss Arenenberg. Berühmt wurde es wegen seines Bewohners: Hier lebte eine Zeit lang der spätere Kaiser von Frankreich, Napoléon III. Seine Mutter errichtete ab 1817 eine grosszügige Parkanlage. Seit 2014 können Besucher im Patriziergarten die Garten-Geschichte bis ins Mittelalter zurückverfolgen. www.napoleonmuseum.tg.ch

Auch hübsch: Schloss Wildegg AG mit seinem historischen Barockgarten; der Barockgarten mit Aussicht von Schloss Waldegg bei Solothurn. Der Wenkenpark beim Wenkenhof in Riehen BS.

3. Seleger Moor Das Gebiet um den Park Seleger Moor ist ein aussergewöhnliches Biotop: Die letzte Eiszeit hat hier ein Hochmoor entstehen lassen. In den 1950er-Jahren entdeckte Gärtnermeister Robert Seleger das Gebiet bei Rifferswil ZH und pflanzte erste Rhododendren. Durch die Kreuzung von fremden und heimischen Arten entstanden 200 Sorten, die auch winterhart sind. www.selegermoor.ch

Auch hübsch: Der Park San Grato bei Lugano TI ist ebenfalls für Rhododendren bekannt; sehenswert ist auch der Biologische Garten in Zürich mit seinen exotischen Pflanzen.

4. Parco Scherrer Der Parco Scherrer schmiegt sich an die steilen Hänge Morcotes am Luganersee TI. Das mediterrane Klima begünstigt das Wachstum exotischer Pflanzen – entsprechend wurde die Architektur des Gartens an ferne Länder angepasst. Hier finden sich ein ägyptischer Tempel, dort ein asiatisches Teehaus. Besonders schön ist der mediterrane Garten im Renaissance-Stil. www.morcoteturismo.ch

Auch hübsch: In ferne Welten entführt auch der Chinagarten in Zürich; einen Blick nach Japan bietet der Zen Garten in Aigle VD; und die Ermitage in Arlesheim BL ist der grösste Englische Garten der Schweiz.

 

 

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Publiziert am 25.04.2016 | Aktualisiert am 18.01.2017
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2 Kommentare
  • Urs  Hagen 26.04.2016
    «Da sollten eigentlich weisse Tulpen wachsen, aber der Maulwurf war schneller», sagt Ruttledge. War wohl die Wühlmaus, der Maulwurf frist keine zwiebeln, er ist der Fleischfresser und macht sich über die Schädlinge her. Die Hügel die er macht, wie die Wühlmaus auch, kann man natürlich nicht gebrauchen.
  • Beat  Meier aus Lausanne
    25.04.2016
    Tulpen-Fest in Morges noch bis zum 08.05.2016, aber auch fast das ganze Jahr einen Besuch wert. Immer gratis. Mich wundert, dass man einen solchen Schlosspark einfach weglässt !