Der letzte Tag im Leben von Crossair-Captain Hans Lutz (57). Am Samstag 24. November fährt er am Morgen früh zum Flughafen Zürich. Bei der Flugschule Horizon in Bülach ist er nebenberuflich seit 1979 Instruktor. Mit einer Piper Seneca III starten er und ein Flugschüler um 10.55 Uhr zu einem Ausbildungsflug nach Donaueschingen (D). Flugdauer 27 Minuten. Über Friedrichshafen kehrt die Piper nach Zürich zurück, landet um 13.20 Uhr. Auswertung, Pause, Vorbereitung auf den Einsatz als Linienpilot.
Um 18.20 Uhr sitzt Lutz mit Co-Pilot Stephan Löhrer (25) im Cockpit eines Crossair-Jumbolinos nach Berlin – die Todesmaschine, die um 22.08 Uhr beim Anflug auf Piste 28 in Zürich abstürzt.
Ein Pilot könne um 22 Uhr nicht mehr fit sein, wenn er morgens Unterricht gebe, sagen einige Piloten: «Dieses Verhalten ist für einen Linienpiloten, der zu hundert Prozent angestellt ist, unprofessionell.» Es komme darauf an, was Lutz neben der Instruktion noch gemacht habe, sagt Jean Overney, Chef des Büros für Flugunfalluntersuchungen. «Den Flug alleine finde ich noch nicht aussergewöhnlich.»
«Ich kenne ihn seit 25 Jahren», sagt Bruno Dobler, VR-Präsident der Horizon Flugschule. «Er ist ein guter und erfahrener Instruktor.» Als er in den Tod flog, hatte Lutz 19 305 Flugstunden hinter sich. Seit 1979 arbeitete er als Pilot und Fluglehrer bei der Crossair. Zu einem Zwischenfall kam es im Februar 1990 – auf dem Flughafen Zürich fiel eine Saab 340 der Crossair mit dem Rumpf auf den Boden, weil ein Flugschüler auf Anraten von Lutz das Fahrwerk einfuhr. Totalschaden an der Maschine, die Versicherung zahlte. Crossair-Sprecher Andreas Schwander: «Laut Dokumentation hätte das wegen einer Fahrwerk-Sperre nicht passieren dürfen.» 1996 musste Lutz einen Umschulungskurs auf die MD-80 abbrechen, weil er den Check zweimal nicht bestand.
«Er war technisch sehr begabt, ein Perfektionist», verteidigen ihn Kollegen vom Modellflugverband Stetten. 20 Jahre war Hans Lutz Mitglied. Seine inzwischen erwachsenen Söhne haben seine Begeisterung für den Modellflug geerbt. «Fliegen war sein Leben», sagt ein Kollege. «Ein kooperativer, hingebungsvoller Pilot, der spürte, wo Defizite sind.»
Ob Hans Lutz am Samstag vor einer Woche korrekt handelte oder nicht, wird die Untersuchung zeigen. Auf das Ergebnis wartet auch seine Frau Irène: «Am Schlimmsten sind die Spekulationen, die jetzt angestellt werden.» Mehr mag sie nicht sagen, ihre Stimme versagt.