SonntagsBlick trifft die Blatters zum exklusiven Interview: «Es war null Respekt gegenüber mir da»

Heftige Kritik prasselte ein auf den alten und neuen Fifa-Präsidenten. Die letzten Tage haben Sepp Blatter zugesetzt. SonntagsBlick traf den Walliser und seine Familie letzten Samstag zum Gespräch, das wir im Zuge seines Rücktritts nochmals publizieren.

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Sepp Blatter ist müde. Die letzten Tage haben ihn gezeichnet. Die Vorwürfe, mit denen ihn Journalisten aus der ganzen Welt konfrontiert haben, scheinen den 79-Jährigen mehr getroffen zu haben, als er je zugeben würde: Blatter habe die Fifa nicht im Griff, ermögliche eine Kultur der Korruption, lasse üble Machenschaften zu. Der Walliser habe den Moment verpasst, einen valablen Nachfolger aufzubauen. Und: zu gehen.

«Hau ab!», hat ihn die deutsche Zeitung «Bild» in riesigen Lettern aufgefordert. Harte Worte. Blatter will sie nicht gelesen haben. So wie er überhaupt kaum Nachrichten gesehen habe, letzte Woche. Weil es zu schmerzhaft gewesen wäre? «Nein», erwidert er trocken, «weil ich keine Zeit hatte.»

Fifa-Hauptsitz, gestern Mittag kurz nach zwei Uhr. Wir haben ein exklusives Rendezvous mit den Blatters. Zuerst treffen wir seine Tochter Corinne Blatter Andenmatten (54). Sie hat 1998 Blatters ersten Wahlkampf ums Fifa-Präsidium geleitet. Die beiden telefonieren jeden Tag. Sie ist seine Vertraute. Seine Freundin und Beraterin. Auf sie höre er, heisst es aus Fifa-Kreisen.

Mindestens einmal hat er es nicht getan: Als sie ihn vor vier Jahren bat, 2015 Schluss zu machen. Nicht mehr zur Präsidentenwahl anzutreten. Eigenhändig wolle sie ihn sonst aus dem Kongress holen, hatte sie damals gedroht.

Sie musste offenbar kapitulieren: Blatter wurde nach turbulenten Tagen am Freitagnachmittag als Präsident bestätigt. «Ich hatte keine Chance, ihn umzustimmen», sagt Tochter Corinne einen Tag später am Fifa-Hauptsitz in Zürich. Warum? «Alle sechs Konföderationen – auch viele Leute aus der Uefa, dem europäischen Fussballverband – baten ihn, nochmals anzutreten. Er hat sie nicht enttäuschen wollen. Das verstehe ich.»

Jetzt ist Blatter selber enttäuscht worden. «Von Michel Platini, dem Präsidenten der Uefa», sagt der mächtigste Mann im globalen Fussball. Er ist gegen Ende des exklusiven Gesprächs mit seiner Tochter Corinne ebenfalls in die «Präsidenten Lounge» gekommen, um sie mit seinem «Stärnli», Enkelin Selena, und Schwiegersohn Dominik abzuholen. Zu viert setzen sie sich auf das Ledersofa. Die Familienbande sind sichtlich stark.

Blatter, zweifellos einer der Mächtigsten dieses Planeten, ist nicht allein. In stürmischen Zeiten hat er seine Liebsten um sich. Das sei ihm wichtig, so Mr. Fussball. Er nimmt die Brille von der Nase, reibt sich die Augen. «Ja, ich bin wirklich ein wenig müde heute», sagt er und schiebt sofort nach: «Nur keine Sorge, ich bin sehr schnell wieder fit.» Eine klare Ansage. Auch an seine Gegner, die den Fight gegen Joseph S. Blatter einmal mehr verloren haben.

Herr Blatter, Sie sagen, am meisten habe Sie Michel Platinis Attacke getroffen.
Sepp Blatter:
Es war schon sehr enttäuschend, was mir in den letzten Tagen passiert ist. Platini hat in der Nacht vor der Wahl allen Verbänden ein E-Mail geschrieben, dass sie gegen mich und für Prinz Ali stimmen sollen. Und das, obwohl Europa nicht mal einen eigenen Kandidaten hinbekommt! Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte.

Platini, Ihr ehemaliger Freund, hat Sie öffentlich zum Rücktritt aufgefordert.
Er hat mich am Donnerstag um ein persönliches Gespräch gebeten. Also gingen wir in mein Büro. Er zog sein Jackett aus, streckte sich gemütlich aus und sagte: «Lass uns einen guten Whisky unter Freunden trinken.» Ich erwiderte: Nein, keinen Whisky, aber ich höre dir zu. Und dann meinte er allen Ernstes: «Sepp, du machst den Kongress und am Schluss gibst du bekannt, dass du zurücktrittst. Du bekommst ein gigantisches Fest und dein Büro hier bei der Fifa kannst du behalten.»

Wie gehen Sie mit der harten Kritik der letzten Tage um?
Lassen Sie es mich so sagen: Es war null Respekt gegenüber meiner Person da.

Sepp Blatters Tochter Corinne ist die Ruhe selbst an diesem Samstagmittag. Es ist ihr nicht anzumerken, dass die letzten Tage sie belastet haben. Während des Gesprächs lacht sie immer wieder, ist freundlich und offen. «Ich habe keine Medien konsumiert», sagt sie. Ihre 14-jährige Tochter hingegen schon. Und so habe sie Selena erklären müssen, dass nichts stimme, was geschrieben und gesagt werde über ihren Opa.

Ihr Vater wird seit Jahren mit Korruption in Verbindung gebracht.
Corinne Blatter:
Schauen Sie, er würde nie ein Couvert mit Geld übergeben. Er ist nicht korrupt. Das ist einfach so.

Wie haben Sie ihn in den letzten Tagen erlebt?
Er war hoch konzentriert, machte seine Arbeit. Er war wie immer.

Die harsche Kritik hat ihn sicher sehr getroffen.
Wenn er persönlich angegriffen wird, dann tut ihm das sehr weh. Die bösen Worte von Herrn Platini haben ihn besonders getroffen.

Und dennoch wird er künftig wieder mit ihm zusammenarbeiten müssen. Wie soll das gehen?
Er wird anständig sein und respektvoll. Und was ich noch sagen möchte: Mein Vater hat nie, nie, nie nur ein böses Wort gegen einen anderen Kandidaten gesagt.

Wie muss man sich Sepp Blatter vorstellen, wenn er richtig wütend ist?
Er wird dann ganz ruhig und nachdenklich.

Ist er immer so beherrscht? Sind ihm nie die Tränen gekommen?
Nicht wegen seinem Amt. Aber bei der Geburt von Selena, als er Opa wurde – da habe ich ihn weinen sehen.

Und in emotionalen Zeiten wie diesen: Spricht er über seine Gefühle?
Eher weniger. Aber wir wissen immer genau, wie der andere denkt und fühlt. Wir haben ein inniges Verhältnis.

Sie haben ihn vor vier Jahren gebeten aufzuhören. Wir denken, dass er das gar nicht will und kann!
Da täuschen Sie sich. Es wird kein Problem sein. Gut, am Anfang vielleicht, wenn er nicht mehr um sechs aufstehen und ins Büro gehen kann. Aber er hat ja jetzt Linda, seine wunderbare Lebenspartnerin …

… die jünger ist als Sie.
Ach, wegen dem einen Jahr (lacht). Linda ist die Richtige für ihn. Sie tut ihm wirklich gut.

Zurück zur Fifa: In einem Interview sagte Ihr Vater, er werde vergeben, aber nicht vergessen. Was wird er als Nächstes tun?
Das kann ich Ihnen sagen: Er wird jetzt mit uns und Selena shoppen gehen.

Publiziert am 31.05.2015 | Aktualisiert am 02.06.2015
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39 Kommentare
  • marcel  meuler aus Regensdorf
    01.06.2015
    Ich habe den obigen Text nicht gelesen weil es mir einfach zuwider ist. ein 79 jähriger, der seinen Verein nicht unter Kontrolle hat, seine beiden Fäuste mit Mühe in die Höhe heben und lets go FIFA rufen kann wollen wir nicht. Wir schämen uns für Blatter, für die Schweiz.
  • Samuel  Küchler 01.06.2015
    Unglaublich was für Kommentare man hier liest. Ich glaube nicht das diese im Interesse der Öffentlikeit sind. Und wie es scheint fehlen jegliche Beweise.
    1. Ehrverletzungen. Üble Nachrede.
    Wer jemanden bei einem andern eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen, die geeignet sind, seinen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt,
    wer eine solche Beschuldigung oder Verdächtigung weiterverbreitet,
    wird, auf Antrag, mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft.
  • Von Büren  Yves , via Facebook 31.05.2015
    Interessant das Blatter die die im soviel zu Stimmen geholfen hatten und im den Rücken frei halten jetzt von im so wie Teflon fallengelassen werden. Das ist der echte Pate!
  • Jürg  Villard aus Winterthu
    31.05.2015
    apropos Respekt:
    Wie gross ist eigentlich der Respekt gegenüber den 6 oder 7 gefangenen Delegierten? Angeblich haben 209 am Kongress teilgenommen ohne die vorgängig erwähnten. Ist das ri chtig so?
  • Martin  Andres , via Facebook 31.05.2015
    Dieser Artikel inkl. Bild erinnert mich irgendwie an die Schweizer Illustrierte oder die Glückspost - und dorthin würde er auch gehören..