Sporthändler Reto Stamm (54) nimmts mit Otto’s auf Bei ihm gehen die Preise in die Hocke

WEINFELDEN TG - Der Ostschweizer Sporthändler Reto Stamm sagt, dass er die Preise von Otto's unterbietet. Das lässt sich der Warenpostenverkäufer nicht gefallen.

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Starker Franken, Einkaufstourismus und teure Einkaufspreise für Schweizer Händler machen den Betreibern Schweizer Wintersport-Läden zu schaffen. Der Konkurrenzkampf ist pickelhart.

Mit Billigpreisen mischen nun auch branchenfremde Anbieter wie Otto's mit, wie BLICK in den letzten Wochen berichtete. Die Branche ist in Aufruhr.

«Alle müssen sich warm anziehen»

Reto Stamm (54), Inhaber der Firma Sportliquidation.ch mit Sitz in Weinfelden TG, ist seit 1979 im Sporthandel tätig. «Unsere Branche ist eh schon im Umbruch», sagt er im Gespräch mit BLICK. «Und jetzt kommt auch noch der französische Gigant Decathlon in die Schweiz. Da müssen sich alle warm anziehen.»

Noch macht ihm aber vor allem Warenpostenverkäufer Otto's zu schaffen. Chef Mark Ineichen (45) versucht, den Skimarkt zu erobern. Mit Parallelimporten und massiven Rabatten.

Stamm fuchst es, dass sich Ineichen als grosser Billiganbieter aufspielt. «Dabei sind wir billiger als Otto's», behauptet er keck.

Stamm nennt ein paar Beispiele aus dem Ski-Bereich: Head Supershape i.Speed. Offizieller Preis für die Ski: 949 Franken. Bei Otto's kosten sie 679, bei Stamm 599 Franken. Oder der Atomic Redster Doubledeck 3.0 SL: 1099 Franken offiziell, bei Otto's 749 und bei ihm 699 Franken. Oder der Fischer RC4 Worldcup SC Powerrail: Statt 899 Franken verlangt er 599 Franken (Otto's 649 Fr.).

Kritik an die Adresse von Otto's-Chef

Was Stamm und weitere befragte Händler massiv stört, aber niemand Ineichen laut vorwerfen will: Der Otto's-Chef unterhält neben seinen 19 Sherpa-Läden auch zwei Outlets für diese Outdoormarke. Die Outlets hänge er aber nicht an die grosse Glocke. Und sowieso schliesse er für Sherpa bewusst Billigpreise aus.

Der Otto's-Chef weist die Kritik zurück: «Natürlich mache ich in den Regionen meiner Outlets Werbung für Sherpa. Und in meinen Warenpostenläden gibt es die Outdoor-Marke günstiger als in den Sherpa-Läden», sagt Ineichen.

Und was die Skipreise des Händlers anbelange, seien das einzelne Produkte, die ein paar Franken günstiger als bei ihm angeboten würden. «Über unser ganzes Wintersportsortiment gesehen, sind unsere Preise unschlagbar», sagt Ineichen.

1000 Paar Ski pro Jahr

Stamm behauptet, er verkaufe pro Jahr so viele Ski wie Otto’s mit einem seiner sechs Outlets. Wenn dem so ist, wären es gegen 1000 Paar Ski. Sein Geschäft wächst jährlich um 15 Prozent. 

Stamm deckt sich bei konkursiten Firmen in der Schweiz ein, kauft Restposten bei befreundeten Händlern. Namen will er keine nennen. Oder er bezieht gewisse Marken in Deutschland, Österreich, Italien oder im Osten. «Pro Paar kann ich so 90 Franken günstiger einkaufen», erklärt er. In der Schweiz zahle er «im Schnitt 20 Prozent mehr, als wenn ich meine Ski im Ausland beziehe», sagt er.

Kunden schauen nur auf den Preis

Denn: «Die Preise sind im Keller!» Kinderski führt Stamm deshalb gar keine mehr. Zumal die Margen ständig sinken würden. «Wer heute im Laden nicht 15 bis 20 Rabatt gewährt, bleibt auf seiner Ware sitzen», weiss er.

«Der Preisdruck ist enorm.» Von den Herstellern fordert er ein Entgegenkommen. «Sonst müssen in der Schweiz Dutzende Sporthändler ihr Geschäft aufgeben.»

Die Kunden seien in den letzten Jahren preissensitiver geworden. «Sie schauen nur noch auf den Preis. Und vergessen, dass auch Beratung, Service, Versicherung und ein Rückgaberecht im Sportgeschäft etwas kosten.»

Sportliquidation.ch setzt 90 Prozent online um. Zehn Prozent im Laden in Weinfelden. 300 bis 400 Paar Ski sind an Lager. Zwei Drittel davon aktuelle Ware, der Rest Artikel aus dem Vorjahr. Im Internet sind fast nur Ski und Snowboards erhältlich. «Da haben wir praktisch keine Retouren.»

«Wollen keinen Zalando-Effekt»

Auf den Onlineverkauf von Kleidern, Skibrillen oder Schuhen verzichtet Stamm bewusst. «Wir wollen keinen Zalando-Effekt. Bei Kleidern kommt über die Hälfte zurück. Das bereitet uns nur Aufwand und kostet Geld», sagt er.

Zudem würden der Branche zunehmend auch Discounter wie Aldi und Lidl Konkurrenz machen. «Sie bieten Skihosen und -jacken zu Preisen an, mit denen wir schlicht nicht mithalten können.» 

Trotz allem Ärger über Otto's und die Hersteller: Die Geschäfte laufen gut. «Im Oktober haben wir online 50 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr.» 

Publiziert am 07.11.2016 | Aktualisiert am 05.01.2017
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13 Kommentare
  • Tinu  Sado aus Baar
    07.11.2016
    ernsthaft? Da interviewt man denjenigen, der noch billiger sein will als Ottos, selber 90 Prozent online verkauft aber moniert dass der Fachhandel kaputt geht? Da wird der Saulus wohl zum Paulus, ist er ja genau die Person, die absolut massgebend am Zerfall der Margen mitwirkt und dies im Interview ja auch noch gross propagiert. Fachberatung im Internet ist derweil ein Märchen, der Beratungsklau ist ja total normal und niemand begreift, dass es so bald gar keine mehr geben wird ...
  • Paul  Meier 07.11.2016
    Deshalb habe ich heute den Newsletter von Ottos abgemeldet. Dieser Herr Mark Ineichen macht alle Sportgeschäfte mit diesen Preisen kaputt. Der Vater würde sich im Grabe umdrehen wenn er diese Preispolitik sehen würde. Der Vater war ein fairer Partner und nicht so ein Ladenvernichter wie der Junior. Deshalb brauche ich den Ottos nicht mehr. Es gibt genügend Schweizer Unternehmen die eine saubere Preispolitik führen.
  • Hans  Meier aus F-Auriol
    07.11.2016
    Der Konsument will es billig. Dann müssen sich Unternehmen anpassen. Die teuren CH-Arbeitskräfte durch günstigeres EU-Personal ersetzen. Ganz einfach.
  • Gabor  Posch 07.11.2016
    Ja, preissensitiv sind sie in den letzten Jahren geworden, die Menschen in der Schweiz. Und deshalb müssen zwangsläufig auch die Unternehmen preissensitiver werden und günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland holen. Beratung, also Know-how, brauchts ja scheinbar in den Läden nicht mehr, nur noch Kassierer und Aufsichtspersonal, damit sich der Kunde nicht allzu unbeaufsichtigt vorkommt.
  • Marcel  Ruf aus Moskau
    07.11.2016
    Beschaffen und anbieten zum besten Preis fuer den Kunden, so gewinnt man heute und danke Reto, bei dir habe ich die Wahl, Sportgeschaeft mit professioneller Beratung, Liquidationslaeden, wenn ich beim Kaufen noch Sozialkontakt haben will und Online zum besten Preis!!!