Yasamin (33) und ihren Kindern droht die Ausschaffung nach Afghanistan Auf diese Familie wartet der Krieg

OSLO (NORWEGEN) - Flüchtlingsfamilie R.* wurde von Zug nach Norwegen ausgeschafft. Nun droht ihr die Wegweisung in die Heimat, wo Bürgerkrieg und Taliban herrschen.

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Ein Schrank, zwei Stühle, drei Betten, ein karges Zimmer: So lebt Yasamin R. mit ihren Kindern Amin* (3), Amira* (5), Karmin* (8) und dem vier Monate alten Baby Nila*. «Es geht uns sehr schlecht», sagt die 33-Jährige. Das Kämmerchen im Asylheim von Oslo sei noch das geringste Problem: «Meine Kinder sind verängstigt und verstört, sie weinen den ganzen Tag.»

R. floh 1996 mit ihrem Mann aus Afghanistan, als die Taliban dort an die Macht kamen. Zehn Jahre lang lebten sie in Russland, drei der Kinder kamen dort zur Welt. 2015 reiste die fünf weiter nach Norwegen und stellten ein Asylgesuch – die Behörden lehnten es ab.

Mit Schleppern in die Schweiz

Zurück nach Afghanistan konnte die Familie nicht. Yasamin war dort ursprünglich einem anderen Mann versprochen worden, der sich den Taliban anschloss. Dass sie ihn damals sitzen liess, könnte sie jetzt das Leben kosten.

Mit Mann und Kindern liess sie sich von Schleppern in die Schweiz schleusen, wo viele ihrer Verwandten leben, und beantragte Asyl. Das Staatssekretariat für Migration trat nicht auf das Gesuch ein, sondern verfügte die Wegweisung – die Familie war ja bereits in Norwegen ­registriert.

Die dortige Regierung verfolgt eine strikte Ausschaffungspolitik. Per Zeitungsinserat wandte sie sich direkt an Flüchtlinge: «Wenn Sie das Land nicht freiwillig verlassen, werden Sie mit Gewalt zurückgebracht.» Laut norwegischem Aussenministerium werden 90 Prozent der afghanischen Flüchtlinge zurück in ihr Heimatland gebracht. Im Unterschied zu anderen EU-Staaten gilt das auch für Familien.

Familie auseinandergerissen, Kinder fremdplatziert

Bevor Familie R. den Sonderflug nach Norwegen antrat, wurde der Vater (30) in die Strafanstalt Zug gebracht, die Mutter samt Baby ins Flughafengefängnis Kloten ZH. Die drei Kinder wurden fremdplatziert, wie BLICK publik machte.

Die zuständige Zuger Sicherheitsdirektion liess vor drei Wochen wissen: «Die bisherigen Vollzugshandlungen sind rechtsstaatlich korrekt abgelaufen.» Das Verwaltungsgericht habe die Haft als «rechtmässig und angemessen» beurteilt. Wichtig sei gewesen, dass die Familie im Rahmen der Rückführung «rasch wieder zusammengebracht werden konnte».

Vor zehn Tagen landete sie in Oslo. «Jetzt sind die Mutter und die Kinder schon wieder vom Vater getrennt», sagt Yasamins Cousine Mirjam Klöti (32), die in der Schweiz lebt und die Familie besucht hat.

Kinder verzweifelt

Den Kindern gehe die Trennung nahe. «Amira weint ständig und fragt nach ihrem Vater», so Klöti. «Karmin, der sonst ein fröhlicher Bub ist, hat seit Tagen kein Wort gesagt. Er ist stark traumatisiert.»

Die Mutter sei auf sich allein gestellt, im Heim sei tagelang kein Betreuer gewesen. Auch die medizinische Versorgung sei schlecht. Bei Amira hatten Ärzte schon in der Schweiz einen akuten Abszess im Mund festgestellt, der dringend behandelt werden müsste. «Trotzdem wurde sie bis jetzt nicht operiert.»

Am schlimmsten aber sei die Angst. «Die norwegische Behörde hat den Asylantrag abgelehnt und ging nicht auf die anschliessende Beschwerde ein.» Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Ausschaffung nach Afghanistan erfolgt.

Vorwürfe gegen Schweiz Behörden

«Unsere einzige Hoffnung ist, dass ein Anwalt oder Politiker den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringt», sagt Klöti. Sie macht den Schweizer Behörden Vorwürfe. «Diese wissen genau, wie strikt Norwegen Afghanen ausschafft. Und hat die Familie trotzdem in den Flieger gesetzt.»

Die Zuger Sicherheitsdirektion entgegnet: «Weder die Zuger Behörden noch das Staatssekretariat für Migration haben Kenntnis vom Stand des norwegischen Asylverfahrens oder eines allfälligen Asylentscheides und dessen Konsequenzen.»

Dass die Familie von Norwegen nach Afghanistan ausgeschafft werde, könne man nicht bestätigen. «Nach den vorhandenen Informationen verbrachte die Familie die letzten zehn Jahre in Russland.» Das norwegische Direktorat für Immigration liess Fragen von SonntagsBlick unbeantwortet.

* Namen bekannt

Publiziert am 06.11.2016 | Aktualisiert am 18.11.2016
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23 Kommentare
  • Tea  Caba 07.11.2016
    Warum sind sie - wohlgemerkt nach 10 Jahren - aus Russland weggezogen? Weshalb erhielten sie in Norwegen kein Asyl? Woher hatten sie das Geld für einen Schlepper um in die Schweiz zu gelangen? Wieso ist der Vater nicht bei der Familie? Und zu alldem werden auf der "Flucht" noch laufend Kinderlein produziert. Wenns nicht Tschetschenen sind dann sind es Afghanen oder sonst welche Exoten. Langsam sind wir hier in der Schweiz auch "traumatisiert" ob solcher Geschichten!
  •   Reto Markwalder aus Schwyz
    07.11.2016
    Ich wiederhole mich.
    Die Familie, bzw. die Eltern sind ganz allein Schuld an dieser Lage.
    1. Sind sie nach 10 Jahren aus Russland illegal nach Europa gekommen.
    2. Haben sie nach dem Negativentscheid von Norwegen widerrechtlich ein Gesuch in der Schweiz gestellt
    3. Wenn sie in Russland 3 Kinder auf die Welt stellen, kann es dort nicht so schlimm gewesen sein.
    4. Kann ich dieses Gejammere und diese auf Tränendrüsen drückende Berichterstattung nicht mehr hören.
  • Anna  Rusch 07.11.2016
    Warum muss man innerhalb weniger Jahre so viele Kinder zeugen, haben die Frau und ihr Mann nicht andere Prioritäten im Leben! Unverantwortlich überall Kinder zu zeugen, die dann hinterher geschleppt oder vor die Linsen der Kameras gezerrt werden um Mitleid zu erhaschen!
    • Susanne  Reich 07.11.2016
      Viele Paare scheinen darauf zu setzen, dass man mit Familien gnädiger umgeht. Ich finde es gut, wenn kein Unterschied gemacht wird, selbstverständlich nach Berücksichtigung der jeweiligen tatsächlichen Umstände.
    • Beat  Wenger 07.11.2016
      Das warum ist sehr simpel. In vielen Ländern werden Familien mit Kindern nicht ausgeschafft. Es ist eine Art Versicherung nicht ausgeschafft zu werden. Als weiteres kommt hinzu, wenn die Familie dann eine Aufenthaltsbewilligung bekommt, und vom Sozialamt lebt, es eine grössere Wohnung gibt und pro Kind weitere Zulagen.
  • Albin  Pfister 07.11.2016
    Ist die Rechtslage in diesem Falle unklar? Nein - also was soll diese Berichterstattung. Es gibt nun kein Asyl in der Schweiz in diesen Fällen.
  • zenti  mario aus winterthur
    07.11.2016
    Ich würde gerne wissen, warum die Kommentaroren hier derart herzlos sind. Was musss passiert sein, dass man bei einer solchen Geschichte kein Mitgefühl empfindet? Ich würde der Familie sofort Asyl geben. Das Eltern und Kinder getrennt wurden ist ein ziemlich unmenschliches Verhalten. Offenbar sitzen dort gleiche Charakteren an den Schalthebeln, wie sie hier kommentieren. Also auf eine solche Schweiz bin ich gar nicht stolz!
    • Beat  Wenger 07.11.2016
      Das hat nichts mit herzlos zutun. Die Familie lebte 10 Jahre in Russland und waren in Sicherheit. Aus dem Wunsch heraus ein besseres Leben zuhaben wollte man weg von Russland in ein Land wo Milch und Honig fliesst. Hier Mitleid zuhaben ist absolut fehl am Platz. Sie haben hoch gepokert und verloren.
    • Conny  Sigg 07.11.2016
      Auch die Schweiz kann aus "Mitgefühl" nicht alle aufnehmen. Den Schweizer Behörden Vorwürfe zu machen ist völlig daneben. Es gibt Gesetze, an die haben sich auch Flüchtlinge zu halten. Zehn Jahre hat die Familie in Russland gelebt, wollte vermutlich mit ihrer Kinderschar ein besseres Leben im goldenen Westen bekommen. Ich kann die ganzen Geschichten nicht mehr hören!