Sonderflug nach Norwegen Zug hat afghanische Familie ausgeschafft

ZÜRICH - Alle Kritik hat nichts genützt: Die Migrationsbehörden des Kantons Zug haben die afghanische Flüchtlingsfamilie gestern nach Norwegen ausgeschafft. Die Nachrichten von dort sind nicht ermutigend: Vor allem den Kindern gehe es schlecht.

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Nach Norwegen ausgeschafft und gar nicht glücklich: Kinder der Familie B. mit einer Verwandten. zVg

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Die afghanische Familie aus dem Kanton Zug, die sich gegen ihre Ausschaffung aus der Schweiz gewehrt hat, ist seit gestern in Norwegen. Sie wurde per Sonderflug ausgeschafft, wie der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger bestätigt: «Ja, ein extra für diese Rückführung gechartertes Flugzeug flog von Zürich nach Oslo.»

Damit geht ein Seilziehen zu Ende, das über mehre Wochen gedauert hatte. Die Migrationsbehörden im Kanton Zug hatten Kritik geerntet, weil sie die Familie unter Vorspiegelung von falschen Tatsachen auf die Ausschaffung vorbereiteten – dies nachdem das Asylgesuch in der Schweiz rechtskräftig abgelehnt worden war.

Wie BLICK Mitte Oktober berichtete, war Familie B.* nämlich erklärt worden, sie käme in eine andere Unterkunft. Statt Zügelhelfer kamen dann aber Polizisten. Ein erster Ausschaffungsversuch in Zürich-Kloten scheiterte. Die Eltern wehrten sich. Sie fürchteten, nach Afghanistan zurückgeschickt zu werden.

Denn auch Norwegen hatte ihr Asylgesuch abgelehnt und verfolgt eine sehr harte Ausschaffungspolitik. Bis Ende August wurden 246 Afghanen zurückgeschafft, darunter auch Familien, wie die norwegische Asylorganisation Noas bestätigt. Die Schweiz verzichtet hingegen darauf, Familien in das Bürgerkriegsland zu schicken.

Aufgrund der Weigerung trennten die Behörden die Familie: Der Vater kam in die Strafanstalt Zug, die Mutter musste mit dem vier Monate alten Baby Nila* im Flughafengefängnis Kloten bleiben. Die drei anderen Kinder – Amin* (3), Amira* (5) und Karim* (8) – wurden auf Geheiss der Zuger Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) in einem Heim fremdplatziert.

Seit Freitag vereint, jetzt in Norwegen getrennt

Am Freitag brachten die Behörden dann die Familie wieder zusammen und schafften sie gestern im Beisein von medizinischem Personal aus. Zusätzlich waren zwei Personen der Kommission zur Verhütung von Folter bei der gesamten Reise, vom Abholen der Eltern und Kinder, auf dem Flug und bis zur Übergabe in Oslo dabei, wie Villiger bestätigt. Zudem sei ein Dolmetscher von Beginn der Abholung bis zum Abflug in Zürich anwesend gewesen. Eine Fesselung der Eltern war laut Villiger nicht nötig: «Die Reise verlief ruhig und ohne Zwischenfälle.»

Für Villiger ist eines wichtig: «Die Kantons- und Bundesbehörden stehen im Austausch mit den zuständigen norwegischen Ämtern.» Die Schweizer Behörden hätte das in ihrer Macht Stehende unternommen, um die optimale Betreuung der Familie und ihre medizinische Versorgung, insbesondere der Kinder, in Norwegen sicherzustellen. «Die norwegischen Behörden wurden über alle Einzelheiten informiert. Sie sind dazu verpflichtet und auch bereit, die Betroffenen optimal zu versorgen», so Villiger.

Trotz all diesen Vorkehrungen der Zuger Behörden, das Ganze könnte noch ein Nachspiel haben: Die Schweizer Sektion von Amnesty International fordert nämlich eine unabhänigige Untersuchung dieses Falles und wird auch in Norwegen die Familie begleiten und Abklärungen einleiten.

Denn aus Oslo kommen keine guten Nachrichten. Laut einer Verwandten in der Schweiz geht es der Familie schlecht. Der Vater sei wieder von der Familie getrennt worden. Vor allem die Kinder haben keine guten Erinnerung an die Schweiz: «Als sie von den Eltern getrennt waren, hatten sie grosse Angst.»

*Namen von der Red. geändert

Publiziert am 26.10.2016 | Aktualisiert um 09:09 Uhr
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72 Kommentare
  • Christoph  Immoos aus Basel
    28.10.2016
    @DAN SWISS:Ein guter Beitrag. AI macht sich hier zum Sprachrohr von NGOs ohne zu wissen, warum der Antrag dieser Familie in N abgelehnt wurde. Und Schweizer Behörden sind so schlimm, dass die Folterkommission mitfliegen musste. Und ein Übersetzer. Alles mit Privatjet und zu Lasten Steuerzahler. Dieses Geld würde gescheiter für anständig eingerichtete Warteräume der LKW Fahrer an Gotthard und Grenzen verwendet. Diese für uns wichtigen Leute wurden schon immer schikaniert und wie Tiere behandelt.
  • Roger  Huber 27.10.2016
    Wer in Norwegen nicht glücklich ist, dem steht eine Rückkehr nach Afghanistan offen.
  • Gabor  Posch 27.10.2016
    Ich finds nicht nur legitim, sondern leider eine notwendige Pflicht, dass Behörden mit Mätzchen gegen die Mätzchen anderer vorgehen. Bravo Zug!
  • René  Müller 27.10.2016
    Und wann schafft der Kanton Zug die Steuerflüchtlinge aus? OK. die haben ja nur eine "schmutzige Weste." Im schlimmsten Fall auch "blutige Hände."
  • Conny  Sigg 27.10.2016
    Bevor die Familie in Norwegen Asyl beantragt hat, lebte sie gemäss den Zuger Behörden zehn Jahre lang in Russland! Flucht vor dem Bürgerkrieg? Wohl eher nicht!
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