Wandern auf La Gomera Sprung ins Paradies

Kühne Vulkanlandschaften, dichter Nebelwald und das ganze Jahr über Frühling: Die Kanarische Insel La Gomera ist der ideale Spot für entspannte Wanderferien.

Die Kanarische Insel La Gomera: Ein ideales Reiseziel für Wandern play

Wandern mit Aussicht: Der Mirador de Abrante bei Agulo bietet einen Rundblick auf die Insel und über den Atlantik bis nach Teneriffa.

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La Gomera ist das wichtigste Fleckchen Erde der Menschheitsgeschichte – sagen die Inselbewohner. Das kleine Eiland war 1492 immerhin die letzte Station von Seefahrer Christoph Kolumbus, bevor dieser in neue Welten aufbrach und dabei Amerika entdeckte. Der Entdecker betete im Hauptort San Sebastián um göttlichen Beistand und liess seine drei Schi!e mit Essen und Wasser beladen, während er sich mit der Inselprinzessin vergnügte. Später haben sich dort die Spanier jahrhundertelang für die Überfahrt zu ihren amerikanischen Kolonien mit Nahrungsmitteln eingedeckt.

Auch wir sind zum Auftanken auf die Kanareninsel gekommen: Wir suchen aber nicht nach Proviant,  sondern nach neuer Power für Körper und Seele. Der kleine Spot mitten im Atlantik ist dafür ideal: La Gomera liegt rund 1300 Kilometer vom spanischen und 300 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt. Sie ist eine Insel für Individualisten und Entdecker geblieben, hier lautet die Devise: Touristen ja, aber bitte nicht zu viele. Statt Hotelmonstern, Vergnügungsparks und Partyexzessen findet man hier verführerische Ruhe, ungebändigte Natur und ein Wanderparadies,das seinesgleichen sucht.

La Gomera ist die wohl beste Wanderinsel der Welt. Uralte Verbindungswege und Tierpfade wurden instand gesetzt und mit einem vorbildhaften Markierungssystem ausgestattet. Zudem finden sich hier auf kleinstem Raum unterschiedlichste Vegetationen: Immergrün sind die Höhen, grün und fruchtbar ist der Norden, wüsten ähnlich und trocken der Süden. Die meisten Treks sind leicht – vorausgesetzt, man bringt etwas Kondition mit.

Dieser kreisrunde Flecken Erde (Durchmesser etwa 25 Kilometer) ist eine zerfurchte Vulkaninsel, in der Landschaft kla!en 1000 Meter tiefe Täler – ein eindrückliches Relief. Für einen ersten Überblick wandern wir zum höchsten Punkt der Insel, dem 1487 Meter hohen Hausvulkan Garajonay. Von hier hat man einen Blick auf den Teide, Teneriffas Bilderbuch-Vulkan, und die Nachbarinseln Las Palmas und El Hierro. Einer der schönsten Ausblicke der Kanarischen Inseln – theoretisch, denn heute versinkt der Gipfel im Nebel.

Was bei Besuchern für enttäuschte Gesichter sorgt, ist für die Insel ein Segen. Denn auf 600 bis 1500 Meter zieht der Nordostpassat über die Kanaren und bringt viel Feuchtigkeit mit. Diese lässt an der Nordseite einen dichten Urwald spriessen, den die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt hat. Die knorzigen Bäume filtern das Wasser aus den Wolken und füllen die Trinkwasserspeicher der Menschen – die einzige Wasserquelle für Bewohner, Touristen und die Besitzer der Bananenplantagen. «Die Bäume sind unsere Melkmaschinen», sagen die Heimischen.

 

Unsere Wanderung führt hinein in diesen Märchenwald. Es tropft und blubbert, knarzt und quietscht, als ob die uralten Bäume miteinander redeten. Und grinsen uns da im Nebel Gnome und Feen an? Nein, es sind nur Bäume, an denen Bartflechten herunterhängen. Eine mystische Stimmung.

Zwicken unterwegs Hungergefühle den Magen, kann man sich in urchigen Beizen mit deftiger Hausmannskost stärken. Das berühmteste Restaurant der Insel ist das El Montaña, im Weiler Las Hayas. Hausherrin Efigenia ist ein Urgestein. «Ich bin seit 15 Jahren 75», grinst sie und zeigt stolz eine Schweizer Fahne, ein Maler hat sie  ihr einst geschenkt. Zu essen gibt es bei Efigenia seit Urzeiten nur ein Menü: zur Vorspeise einen angemachten Ziegenkäse (Almogrote) und als Hauptgericht «Escaldon de Gofio», Gemüse mit einem Brei aus geräuchertem Maismehl – das traditionelle Armeleuteessen, das einem Kraft zum Arbeiten und Wandern gibt. Und weil die Hausherrin Freude am Gast aus der Schweiz hat, zeigt sie ihm gleich noch einen alten Brauch: Sie schiebt ihm den ersten Lö!el voller Maisbrei in den Mund.

Überhaupt pflegt man auf La Gomera die Tradition. Noch immer ist hie und da die Pfeifsprache «El Silbo» zu hören, und im Dorf El Cercado werden Tonwaren noch wie vor der Eroberung durch die Spanier hergestellt: ohne Töpferscheibe. Auch auf dem Tafelberg weht noch immer ein Hauch Historie. Der Vulkanschlot La Fortaleza war spirituelles Zentrum der Urbevölkerung, hier opferte sie ihren Geistern und Göttern Tiere. Göttlich ist heute auch die Sicht auf den fernen Nebelwald, den Inselsüden mit Palmen, haushohe Kakteen und Terrassenfeldern. Von hier aus sieht man bis nach Amerika – fast.

Gut zu wissen

Hinkommen

Mit Edelweiss Air von Zürich Kloten nach Teneriffa (Flugzeit: ca. vier Stunden), dann im Taxi zum Fährhafen, und weiter mit der Fähre (ca. eine Stunde) nach La Gomera. Mehr Infos: www.flyedelweiss.com

Übernachten

Von den Dörfern Las Hayas, El Cercado und Chipude aus erreicht man die verschiedenen Regionen am besten. Allerdings: Im Winter kanns dort recht frisch werden. Wärmere Alternativen: Vale Gran Rey oder Playa de Santiago.

Touren

Auf La Gomera gibts viele Wandertouren. Mit Führer und Wanderkarte lassen sich diese individuell organisieren. Aber: Der ÖV für die An- oder Rückreise ist beschränkt! Geführte, deutschsprachige Touren gibts bei www.timah.net

Informationen

Rother Wanderführer «La Gomera» beschreibt 62 Touren: Darunter viele Rundtouren, bei denen man mit einem Mietwagen zum Ausgangspunkt fahren kann. Infos: www.rother.de.

Allgemeine Informationen: www.lagomera.travel

 

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Publiziert am 08.03.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
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