Für Sie degustiert: Deutschschweiz-Reise, Teil 3: Zürich Die Zürirebe – von Goethe angehimmelt

Unglaublich, welche Lebensdauer die Zürcher Vorzeigerebe Räuschling hat. Im Weinland besticht Nadine Saxer durch eine Palette von aussergewöhnlichem Niveau. Dort landen wir via Umweg über den Aargau und die beste Kellerei des Kantons: Jene von Andreas Meier.

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Hier also endet unsere kleine Reise durch die Deutschschweiz. Gestartet im Kanton Zürich, gestrandet zum Ende auch dort. In Meilen. Haltestelle Feldmeilen. Hier steht die Reblaube, das Weingut der Schwarzenbachs, das 2012 sein 100-Jahr-Jubiläum feierte.

 

Hier ist das Epizentrum der sogenannten Zürirebe, des Räuschlings. Die Schwarzenbachs retteten diese vor dem Aussterben. Welch einen Verlust dies bedeutet hätte, wird einem erst bei der aussergewöhnlichen Räuschling-Vertikale so richtig bewusst. Doch die Schwarzenbachs sind mehr als bloss die Gralshüter des Räuschlings. Hermann IV. Stikel Schwarzenbach führt mit Sohn Alain und seiner umtriebigen Gattin Cécile ein kleines Weinimperium, in welchem sie Weine von kleinen Traubenproduzenten aus der ganzen Schweiz keltern. Und natürlich 25 eigene Weine aus 12 Rebsorten. Der frühe Unfalltod ihres Sohnes Roger zog den Schwarzenbach wohl den Boden unter den Füssen weg. Aber sie standen auf. Und sie stehen.

Die renommierten Weine aus der Schweiz: Räuschling und Blauburgunde play

Drittletzter Halt auf der Reise durch die Deutschschweiz: Obermeilen ZH.

Alain Kunz

Vertikale zurück bis 1935

Vorzeigewein ist der Räuschling. Ein einerseits zarter, andrerseits schmelziger Wein. Getragen von einer nie zu extremen Säure und Agrumenaromen. Man vermutet seine Herkunft in der Traminer-Familie, weil sein Blattwerk und die Eigenschaften der Walliser Sorte Heida ähnlich sind. Der Räuschling – der Name kommt übrigens nicht von Rausch... – ist der Wein des Zürisees. 12 der schweizweit – und gleichzeitig weltweit! – 20 Hektaren werden hier angebaut.

Vermutet wird, dass Johann Wolfgang von Goethe 1775 in seinem Gedicht «Auf dem See» mit den Worten «Und im See bespiegelt – sich die reifende Frucht» wohl den Räuschling gemeint hat.

Stikel Schwarzenbach zum Räuschling: «Das ist ein Wein mit Charakter. Sehr filigran. Feine Aromen. Und das Alterungspotenzial ist erstaunlich. Weil er von Natur aus eine hohe Säure und einen tiefen PH-Wert hat. Ich trinke den Räuschling, wenn er drei oder vier Jahre alt ist.»

Die renommierten Weine aus der Schweiz: Räuschling und Blauburgunde play

Hermann Stikel Schwarzenbach: «Ich trinke den Räuschling, wenn er drei oder vier Jahre alt ist.»

 

Was er sonst noch sagt und was der Tessiner Topwinzer Paolo Visini von den Weinen aus der Zürirebe hält – im Video.

Degustiert haben wir den Meilener Räuschling bis zurück zum Jahr 1935! Wow! Dazu Den Lagen-Räuschling Seehalden sowie den R3, eine Räuschling-Kreation von drei Winzern. Neben den Schwarzenbachs Monica Hasler Bürgi sowie Rico Lüthi. Aber auch den Meilener Pinot Noir Sélection.

  Alain Kunz

DIE GROSSE RÄUSCHLING-VERTIKALE

1935 (Foto): Bernstein-Gelb, massiv oxidiert. Lebkuchen, Port, Pilze, im Gaumen extrem bitter-vegetal, Benzin, Haarlack, Spargel, spitz, kurz. Das sind also die Aromen in einem 80-jährigen Weisswein, der gekeltert wurde, als mein Vater noch nicht mal geboren war! Wahnsinn! Trinkbar ist das nicht mehr. Ebenso wenig die Jahrgänge 1942 und 1964, weshalb ich auf eine detaillierte Vorstellung verzichte. Der erste der alten Jahrgänge, der nicht als reines Analyse-Objekt durchzugehen hat, ist 1967. Auch 1972. 1975 dann wieder nicht. 1981 und 1985 liegen irgendwo dazwischen. Danach wird es spannend...

1987 Meilener Räuschling Mariafeld: Hefe in der Nase, leichtes CO2-Prickeln, knackige Säure im Gaumen, wirkt durchaus lebhaft und ist ganz okay.

1992 Meilener Räuschling: Sehr metallische Nase, Mineralität, keine klassischen Tertiäraromen mehr, medizinal, im Gaumen feingliedrig, sogar noch ein Hint Frucht, relativ langes, kräuteriges Finale.

1995 Meilener Räuschling Mariafeld: Mineralisch-metallische Nase, Ananas, Eleganz und Stringenz, schlank, schönes Finish.

2003 Meilener Räuschling Mariafeld: Relativ verschlossene Nase, dezente Spargelnoten, im Gaumen auch vegetal, schlank, Mango, schönes mittellanges Finish. So, und ab jetzt gehts weiter mit Wertungen!

2009 Meilener Räuschling Seehalden: Dezente Nase, wohl immer noch zu jung, vegetal, im Gaumen etwas flach, nennen wir es filigran, null Altersaromen, frisches Finish. Score: 15,5/20

2010 Meilener Räuschling Seehalden: Honignoten, Marzipan, Ananas, Pfirsich, prickelt leicht, Volumen, Säure, Bitternoten, gegen Ende vegetal, spitz, frisch. Score: 16/20

2012 Meilener Räuschling Auslese (Restzucker): Fruchtige Nase, Ananas, vegetale Noten, Fenchel, im Gaumen wohl viel Fruchtsüsse, aber stützende Säure, Schmelz, Eleganz, mittleres aromatisch-kräuteriges Finale. Score: 16,5/20

2013 Meilener Räuschling Seehalden: Fruchtige Nase, Ananas, dezent mineralisch, im Gaumen Schmelz, Eleganz, angenehm knackige Säure, klar, sauber, frisches, mittleres Finish. Score: 16,5/20 (CHF 18.50 für Jahrgang 2014)

R3 – Räuschling AOC Zürichsee:

2008: Tolle Nase, Honig, mineralisch, Lychees, knackige Säure, enorm frisch, wie frisch abgefüllt, kräuteriges Finale, das recht lang ist. Score: 16,5/20

2013: Dezent fruchtige Nase, leicht vegetal, toller Schmelz im Gaumen, filigran, knackige Säure, frische, mittellanges Finish. Score: 16,5/20 (CHF 28.— für Jahrgang 2014)

Riesling-Silvaner 2013: Verhaltene fruchtige Nase, Pfirsich, im Gaumen etwas Schmelz, dezente Säure, schöner Trinkfluss, aromatisch, sauber, mittleres Finish. Score: 16/20 (CHF 13.50 für Jahrgang 2014)

  Alain Kunz

PINOT NOIR VON SCHWARZENBACH

Blauburgunder 2012: Rotchriesige Nase, viel Frucht, dezente Vanille, leicht teerig, im Gaumen schöner Fluss, elegant, extrem sauber, trinkig, mittleres Finish. Score: 16,5/20 (CHF 18.—für Jahrgang 2013)

Pinot Noir Sélection 2008: Zurückhaltende, dezent fruchtige Nase, Eleganz, im Gaumen Wärme ausstrahlend, Power und doch Feingliedrigkeit, rund, geradlinig, frisch, schöne Länge. Score: 17,5/20

Pinot Noir Sélection 2009: Rechte Holzaromatik, chriesig, minim kräuterig, im Gaumen viel Eleganz, Wärme, Fülle, Parfüm, leicht teerig, schöne Länge. Score: 17,5/20

Pinot Noir Sélection 2011: Teerige Noten, dunkel, erdig, im Gaumen kräuterig, rund, weich, recht grün gegen Ende, mittleres Finish. Score: 16/20 (CHF 28.—für Jahrgang 2013)

(Alle Weine gibts unter www.reblaube.ch)

Burgundische Böden im Aargau

Zwischenhalt Aargau. Weingut zum Sternen in Würenlingen. Ein Lagen-Gut, geprägt durch die Entstehung der dortigen Landschaft, dem Tafeljura und dem Aarelauf. Allgegenwärtig ist der Kalk in verschiedensten Formen. Die Lagen sind wohl tief, aber gegen Süden bis hin leicht zum Westen ausgerichtet. Der Tätschmeister im traditionsreichen Sternen im unteren Aaretal heisst Andreas Meier. Keiner weiss in der Schweiz mehr über Rebsorten als er. Denn der Winzer ist auch Besitzer der Rebschule Meier, die auf das Jahr 1921 zurückgeht. Mittlerweile bietet Meier quasi alle Rebensorten an, die man in der Schweiz und dem benachbarten Ausland findet. Meier züchtet auch eigene Klone und bietet sogar die richtigen Unterlagen für eine erfolgreiche Züchtung an.

Die renommierten Weine aus der Schweiz: Räuschling und Blauburgunde play

Kantonsübergreifender Schwatz unter Top-Pinot-Noir-Winzern: Der Aargauer Andreas Meier vom Weingut zum Sternen (rechts) und der Neuenburger Louis-Philippe Burgat von der Domaine de Chambleau.

Alain Kunz

 

Zurück zum Wein. Das Parade-Gewächs des Tausendsassas ist der Pinot Noir Kloster Sion Réserve Klingnau. Eine spezielle Lage mit einem vorzüglichen Lokalklima wie die Nähe zum Stausee, der Bisenschutz, die Südwestlage und der burgund-ähnliche schwere Muschelkalk-Boden lässt die kapriziöse Pinot-Noir-Traube perfekt reifen. Überdies gilt das spezielle Augenmerk von Meister Meier dieser Traube. Kein Wunder vertritt er mit diesem Wein den Kanton Aarau in der honorigen Mémoire des Vins Suisses, der Schatzkammer des Schweizer Weins. Wir haben fünf Jahrgänge degustiert.

DIE KLEINE KLOSTER-SION-RESERVE-VERTIKALE

2002: Dezente Nase, sehr frisch-fruchtig, Würze, im Gaumen elegant, dennoch Power, schöne Tannine, mittlere Länge. Score: 16,5/20

2005: Leichte Tertiäraromen wie Pilz- und Stallnoten, welche die Frucht kaschieren, im Gaumen filigran, lebhafte Tannine, gute Länge. Score: 16/20

2008: Tolle, minim parfümierte Nase, viel Fruchtaromen wie Chriesi, feingliedriger Gaumen, viel Kraft, knackig-frische Tannine, tolle Länge. Superb! Score: 18/20

2011: Dezente Nase mit etwas Holznoten, Frucht-Hints, im Gaumen burgundische Struktur mit viel Eleganz und Finesse, Schmelz, etwas grüne Tannine, aber stoffig, mittleres Finish, leichte Adstringenz zum Schluss. Score: 17/20 (CHF 32.--. www.weingut-sternen.ch)

2012: Leichte Röstaromen, Würze, frisch, sauber und finessenreich, hohe Pinot-Typizität von der Aromatik her, Kirschen, mittleres Finale. Unter dem Strich: ein elegantes Versprechen. Score: 17,5/20 (CHF 32.--. www.weingut-sternen.ch)

La Saxer brilliert im Zürcher Weinland

Das Zürcher Weinland ist mit 220 Hektaren das grösste Weinbaugebiet des Kantons. Viele der dort selbstkelternden 25 Betriebe spielen mittlerweile in der Topliga. Beim Grand Prix du Vin Suisse schafften es gleich drei Riesling-Silvaner unter die besten sechs: Jene von Ueli Kilchperger, Rolf Schenk und Nadine Saxer.

Die renommierten Weine aus der Schweiz: Räuschling und Blauburgunde play

Nadine Saxer: Hoch professioneller Auftritt – und tolle Weine.

Alain Kunz

 

Äusserst spannend ist, was bei Madame Saxer abgeht. Dort ist der Generationenwechsel von Jürg zu Tochter Nadine mit der Einführung von neuen Etiketten komplettiert worden. Der Herr Papa gründete das Gut im Winterthurer Weinland in den 90er-Jahren. Schon 2002 steigt Nadine nach einer KV-Lehre, Stages im In- und Ausland und dem Önologie-Studium in Wädenswil ins Familiengut in Neftenbach ein. 2011 übernimmt sie es. Sie wusste genau, was das bedeutet, denn sie sagt: «Als Winzerin ist man nicht nur fürs Gedeihen der Reben und den Ausbau des Weines verantwortlich, sondern auch für Degustationen, Marketing und Verkauf, Logistik und Transport sowie Administration und Buchhaltung.» Entsprechend wirkt der Auftritt des Gutes hoch professionell. Vom Rebranding mit den neuen Etiketten bis zur herausragenden Homepage.

Doch damit nicht genug. Auch ihr Mann Stefan Gysel Saxer ist Winzer. Er führt seit 2008 das Weingut aagne in Hallau SH. Eine toughe Familie!

Wir haben uns durch Saxers Portfolio von 14 Weinen degustiert und stellen fest: Gleich acht von ihnen sind weit überdurchschnittlich. Eine schlicht überragende Zahl. Hier sind sie:

BEST OF NADINE SAXER

Sylvie 2014 Riesling-Silvaner (Foto, Kategoriensieger am GP du Vin Suisse): Dezente Nase, leicht floral, im Gaumen Schmelz. wunderbar richtig getimte Säure, weshalb die Balance perfekt ist, schönes herbales Finish. Score: 17/20 (CHF 14.50)

Nobler Weisser 2014 (Riesling-Silvaner Auslese): Dezente Nase, leicht floral, im Gaumen viel Frische, leichtes Prickeln von CO2, Schmelz, knackige, eher zurückhaltende Säure, mittleres Finale. Score: 16,5/20 (CHF 16.--)

Sauvignon Blanc 2014: Nasses Gras, viel Limone, Grapefruits, Feuerstein-Mineralik, im Gaumen Schmelz, dennoch recht schlank, wieder viel Frucht, tolles, frisches mittellanges Finale. Wunderbar! Score: 17/20 (CHF 19.--)

Chardonnay 2014: Stachelbeeren, Mango, Exotik, im Gaumen viel Schmelz, Power ohne fett zu sein, dezente Säure, süffig, enorm frisch und rechte Länge. Score: 17/20 (CHF 19.--)

Nobler Blauer 2014 (Pinot Noir Spätlese): Teerig-dunkle Nase, Chriesi, ein Hauch Erdbeere, im Gaumen viel Schmelz, üppige Struktur, trinkig, kirschiges Finale mit erstaunlicher Länge. Score: 17/20 (CHF 18.--)

Tête de Cuvée 2013 (Pinot Noir Barrique): Leicht parfümierte Nase, Veilchen, rote Kirschen, im Gaumen Holzkohle, Teer, viel Schmelz, Druck, breit und ziemlich langes Finale.  Score: 17/20 (CHF 25.--)

Cabernet/Pinot 2013: Kräuter und Cassis, Kirschen, Minze, im Gaumen etwas Parfüm, Edelhölzer, Schmelz, geschliffene Tannine, schöne Länge. Score: 16,5/20 (CHF 25.--)

Oro Dolce 2013 (Süsswein aus Riesling-Silvaner): Metallische Nase, recht kräuterig, Ricola, aber auch Ramazzotti-Aromen, im Gaumen ein ähnlicher Mix. Schmelz und Eleganz, genau dosierte Fülle, Power, herbales recht langes Finish. Score: 17/20 (CHF 25.— für 37,5 cl)

(Alle Weine gibts unter www.nadinesaxer.ch)

WO GIBTS WAS ZU DEGUSTIEREN?

  • 4. bia 6. Dezember.  Freitag 15-20h. Samstag 10-17h, Sonntag 11-15h. Adventsanlass «Felicità» von CantaVino. Das gesamte Angebot – so auch die Weine von Al Bano, der am Sonntag persönlich anwesend ist – kann degustiert werden. Dazu gibts Bündner Fleischspezialitäten von Bischoffberger. Gratis. Enoteca CantaVino, Alte Landstrasse 186, Thalwil. www.cantavino.ch.
  • 4. bia 6. Dezember.  Freitag 14-20h. Samstag 10-18h, Sonntag 13-18h. Grosse Weihnachtsdegustation Bei Baur au Lac Männedorf. Pünktlich zum Samichlaus lädt Baur au Lac zur grossen Geschenk-Degu. Gratis. Baur au Lac Vins Filiale Männedorf. www.bauraulacvins.ch.
  • 5. Dezember. 10-16 Uhr. Weihnachts-Apéro von Kapweine. Fokus: Schaum- und Süssweine. Aber auch hochstehende Weiss-. und Rotweine. 10% Abhol-Barzahl-Rabatt. Kapweine, Rütibüelstrasse 17, Wädenswil. www.kapweine.ch.
  • 12. Dezember. 10-17 Uhr. Caves ouvertes in Vétroz. Den ganzen Tag kutschiert Sie ein Mini-Zug von Keller zu Keller. Mit 2,7 Kilometer langem Amigne-Lehrpfad rund ums Bienenwein-Dorf. Gratis. www.amigne.ch.
Publiziert am 04.12.2015 | Aktualisiert am 12.01.2017
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