Für Sie degustiert Vega Sicilia – Der Wein, den man vererbt

  • Publiziert: 22.04.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Alain Kunz

Der Name ist Mythos. Die Geschichte auch. Vega Sicilia ist Spaniens Kultwein. BLICK schaute hinter die Kulissen.

Preislich mögen ihn zwar die neureichen Pingus und L’Ermita überholt haben – doch Vega Sicilia ist der Sympathieträger unter den Bonzen. Dafür bürgt nur schon die teils unglaubliche Geschichte des Weinguts aus dem Ribera del Duero.

Im Restaurant Schönegg in Wädenswil erzählt Puri Mancebo, die Export-Managerin der Vega-Sicilia-Group, die Geschichte. Sie klingt wie ein Märchen.

Alles beginnt 1848, als der baskische Landeigner Don Toribio Lecanda vom bankrotten Marques de Valbuena 2000 Hektaren erwirbt. Zuerst betreibt der Don bloss Ackerbau, bis sein Sohn 1864 Reben aus dem Bordeaux anpflanzt. Zuerst fast nur für die Brandy-Produktion. Später werden Weine produziert, die aber bloss fassweise verkauft werden. Erst 1915 wird der erste Vega Sicilia gekeltert – der Name ist die Kurzform des Guts und steht für die heilige Cäcilia, die Schutzpatronin der Kirchenmusik. Schon die Jahrgänge 1917 und 1918 werden prämiert – was heute noch auf der Etikette nachzulesen ist. Die Erfolgsstory ist lanciert!

50% der Korken ausgeschieden

Mancebo führt diese vor allem auf einen Faktor zurück: «Die Menschen! Sie sind es, die ihr Herzblut hergeben. Vega Sicilia war früher ein richtiges Dorf der Mitarbeiter, mit Kapelle und Schule. Um die Jahrtausendwende herum verschwanden die Wohnhäuser, die Menschen aber blieben. Seit nun vier Generationen arbeiten dieselben Familien auf dem Gut.» Einzigartig!

Ebenso wie die Versessenheit für Details. Ein eigener Küffer (in der dritten Generation…) setzt die Eichenhölzer zu Fässern zusammen. Vor allem jene aus den USA werden auf dem Betrieb getrocknet.

Und die Korken werden drei Kontrollen unterzogen. Puri: «Die Verkäufer übernehmen die Erstkontrolle, dann sind wir dran, und zuletzt ein Labor in Bordeaux. Die Hälfte der Korken bleibt auf der Strecke. Das finanzielle Risiko teilen wir mit den Verkäufern. Aber das Absatzrisiko haben wir alleine. Wir laufen oft in Kork-Engpässe und müssen die Abfüllung verschieben.» Dafür weiss jeder Käufer, der gegen 400 für eine Flasche hinblättert: Das Zapfen-Risiko geht gleich null!

5500 auf der Kunden-Warteliste

In die vor-binäre Zeit fühlt man sich in der Verkaufsstrategie zurückversetzt. In Spanien können nur diejenigen einen Unico kaufen, die Eingang gefunden haben auf der Kundenliste. 90 Jahre ist sie alt, 4300 Namen stehen drauf, 5500 auf der Warteliste. Neukunden kommen nur dann zum Handkuss, wenn einer zwei Jahre lang nichts gekauft hat. «Das passiert aber selten», schmunzelt Mancebo. Denn das Recht, Vega Sicilia kaufen zu dürfen, kann vererbt werden.

Auch schon älter sind die Weine, wenn sie auf den Markt kommen. Mindestens elf Jahre seines «Lebens» muss sich ein Unico auf dem Weingut gedulden. Zuletzt wurde der 99er auf den Markt gebracht. Der Jahrgang 1970 zum Beispiel wurde erst 1995 verkauft. Gar 14 bis 15 Jahre zurückgehalten wird die Reserva Especial, ein Verschnitt aus verschiedenen besonders guten Jahrgängen.

Diese Langstreckenläufer-Eigenschaften bestimmen auch die Degustation. Ein Vega kommt erst mit den Jahren und nach einigen Stunden Luftkontakt in die Gänge. Gut möglich, dass der von mir hart bewertete 98er in zehn Jahren ein anderes Score erhält. Ein Beispiel: 1942 ist nach wie vor top zu trinken!

Alion - Weltklasse aus der Dépendance

Neben den beiden Vega Sicilia produziert die Gruppe den Zweitwein Valbuena, der aber kein klassischer Zweitwein ist, sondern ein Verschnitt aus den jüngeren Reben. 10 Kilometer von Vega Sicilia entfernt liegt das 1992 erworbene Gut Alion. Heute steht der Name für mich für einen der weltbesten Weine, der aber preislich in einer anderen Liga als der Vega spielt! Zu der Gruppe gehört zudem die Bodega Alquiriz im Toro, wo seit dem Jahrgang 2001 der rustikale Pintia produziert wird. Und last but not least das Gut Oremus in Ungarn, das einen weissen trockenen Furmint und natürlich süsse Tokajer im Angebot hat.

Tokaji Furmint Dry Mandolas 2006

Nase im Chardonnay-Stil, Bananen, Lychees. Eichennoten, kräftig, Säure dezent, grüne Aromen, vegetal. Länge mittel.
Score: 15,5/20
(Mövenpick CHF 18.50)

Pintia Toro 2005

Dezente Aromabombe. Saftig, denoch unaufdringlich, Gemüse, tanninig, eukalyptisch, wirkt etwas unharmonisch. Tolle Länge. Ein Bauer im Smoking…
Score: 16.5/20
(Mövenpick Aktion CHF 54.-- statt 62.--)

Alion 2005

Samtene Nase, aristokratische Eleganz, ausladend, Heidelbeeren. Sanfter Verführer, perfekte Balance zwischen extremer Frucht, Säure und nie übordender Power. Eine unendliche Geschichte im Abgang. Die Essenz des Weins!
Score: 19/20
(Mövenpick CHF 75.--)

Valbuena 5° Año Reserva 2004

Extrem konzentriert, leicht alkoholisch. Spargeln, Minze, präsente Tannine, Eukalyptus. Extreme Länge! Insgesamt ein rechter wilder Wein.
Score: 17,5/20
(Mövenpick Aktion CHF 128.-- statt 142.--)

Vega Sicilia Unico Gran Reserva 1998

Eine unglaubliche Aromenexplosion in der Nase! Unendlich! Altersreife, Alkohol, dunkle Früchte. Muss man den trinken – oder schnüffelnd sterben? Perfekte Harmonie im Gaumen, dann leicht grünlich und vegetal. Extrem frisch. Parker 98/100.
Score: Nase 20/20. Insgesamt 18/20
(Mövenpick, Jahrgang 1999 CHF 365.--)

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