Für Sie degustiert: Provins special Der teuerste Wein der Schweiz!

Die Walliser Genossenschaft Provins ist mit einem jährlichen Ausstoss von zehn Millionen Flaschen der Schweizer Weingigant. Jetzt bricht Provins auch alle Preisrekorde für eine Einzelflasche.

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Electus heisst der Wein. Der Auserwählte. Alles verschwenderisch. Alles Luxus. Deshalb erfolgt der Auftritt des Auserwählten auch nicht direkt über das Mutterhaus Provins, sondern hat eine eigene Dachgesellschaft erhalten, die unter der Leitung von Johanna Dayer steht: Valais mundi. Das Wallis der Welt. Und dann der Preis: 190 Franken kostet das Nobelgewächs bei der Weinhandlung Riegger. Klarer neuer Schweizer Rekord! Die Kardinalsfrage: Ist der Wein diesen Preis wert? Antwort später.

Messen mit der Weltspitze

Zuerst zur Idee. Samuel Panchard, einer der verantwortlichen Önologen, legt sie dar: «Es existieren grosse Schweizer Weine. Pinot Noirs und Tessiner Merlots. Aber einer, der sich mit der Weltspitze messen kann? Nein, der fehlte. Diesen Traum wollten wir mit dem Electus wahrmachen.» Das Wallis sah man als Knotenpunkt der grossen Weinregionen Europas als prädestiniert an. «Eine Weinregion, die ein regelrechtes Mosaik an Parzellen ist, weshalb für uns klar war: Es würde eine Assemblage werden», so Panchard weiter.

Zehn Jahre gab man sich, um die bestmöglichen Rebparzellen ausfindig zu machen – und auch deren Besitzer. Dann gings los mit den Experimenten. Am Ende entschied man sich für die Rebsorten Humagne Rouge, Cornalin, Diolinoir, Cabernet Sauvignon und Merlot. 2011 werden Cabernet Franc und Syrah dazukommen.

Kein technologischer Wein

2008 wird der erste Jahrgang gekeltert. «Das war gut», erinnert sich Panchard, «Aber nicht gross. Dasselbe galt für 2009. Erst 2010 konnten wir sagen: Voilà! Das ist es, was wir wollten.» Vier Önologen brüteten das Ei des Wallis aus. Unter ihnen mit Nicolas Vivas auch ein Konsultent, ein sogenannter Flying Winemaker aus dem Bordelaiser Weinmekka, der überdies Professor für Önologie an der Uni Bordeaux ist. «Dennoch ist der Electus kein technologischer Wein», ist Panchard überzeugt. Alle Traubensorten werden einzeln vergoren. 18 Monate reift der kostbare Saft nach einer langen Kaltstandzeit in Barriques vier verschiedener Holztypen. 90% sind neu. Filtriert wird minimal. 2013 wird der Electus abgefüllt. Und 2014 auf den Markt gebracht.

Die Electus-Macher warfen ihr Baby gleich ins kalte Wasser. So bei einer Degu mit Weinen des Kalibers Ornellaia, Romanée-Conti, Sassicaia und Bordeaux-Grössen. «Die internationalen Degustatoren waren perplex, als sie erfuhren, dass dieser Wein, den sie so mochten, aus der Schweiz kommt», sagt Panchard, der «sonst» verantwortlich ist für die Rebberge von Provins.

17 Punkte von Jancis Robinson

In London verkostete ihn auch unter anderem Jancis Robinson, eine der weltweit führenden Weinkritikerinnen. Sie gab ihm 17 Punkte (gleich viele wie dem Solaia 2010 zum Beispiel) und ehrlich zu: «Hätte ich ihn blind verkostet, wäre ich wahrscheinlich völlig verloren gewesen: Ein offensichtlicher Bezug zu anderen Weinen fehlt.» Auch Falstaff bewertete ihn hoch: Mit 93 von 100 Punkten.

«Electus war immer unter den Top drei», sagt Verwaltungsrat Maurice Zufferey. «Somit scheint unser Ziel einigermassen erreicht. Dieser Wein gehört nun zur Familie der grossen Weine. Der Durchbruch ist geschafft. Wir sind stolz, den grossen Schritt gemacht zu haben. Dennoch heisst das nun nicht, dass der Wein nun so ist, wie er sein soll. Es geht weiter!»

 

ELECTUS 2010

Hoch komplexe, wunderbare Nase: Frucht, Röstaromen, Pflaumen, Chriesi, Leder, leicht animalisch und würzig; im Gaumen elegant, viel Finesse, feinkörnige Tannine, minim konfitürig, leicht grüne Noten, Mineralik, Kraft, mundfüllendes, langes Finish. Quintessenz: ein fraglos toller Wein, der nicht der Walliser General-Krankheit zu starker Süssebetonung anheim fällt. Allerdings: Auf absolutem Weltklasse-Niveau bewegt er sich noch nicht. Dazu braucht es schon 18,5 bis 19 Punkte. Wäre mit dem allerersten Jahrgang auch erstaunlich gewesen. So freuen wir uns bereits auf den 2011er. Score: 17,5/20 (CHF 190.--. www.riegger.ch

 

WEITERE ABSOLUTE PROVINS-TOPWEINE

Petite Arvine Maître de Chais Réserve Spéciale 2013: Sehr frische Nase, exotische Aromen, im Gaumen knackige Säure, floral, enorme Frische, Mineralität, das Terroir widerspiegelnd, Ananas, leicht vegetales, mittleres Finish. Eine Petite Arvine im Sauvignon-Stil, die grossen Spass macht. Score: 17/20 (CHF 31.90)

Domaine du Chapitre 2012 (Assemblage aus Humagne Blanche, Petite Arvine und Amigne, Foto): Extrem ausladende Nase, sehr reife Früchte, Vanille, Butter, Röstaromen, im Gaumen Rauch, Frische, enorme Power, dennoch erstaunlich schlank, Super-Länge! Score: 17,5/20 (CHF 49.--)

Heida Maître de Chais 2013: Süsse Nase, mineralisch, kräftig, Ananas, leicht buttrig-vanillig, viel Power, Holznoten, leichte Restsüsse, die von der nötigen Säure gestützt wird, Schmelz, enorme Power. Score: 16,5/20 (CHF 27.90)

Pinot Noir de Beuble Ardon, Maître de Chais Réserve Spéciale 2012: Wunderschöne, kirschige Nase, Erdbeeren, ultratypisch, floral, nur dezente Röstaromatik; im Gaumen feingliedrig, süss, würzig, leichtfüssig, nochmals kräuterig gegen Ende, schönes Finish. Score: 17,5/20 (CHF 31.90)

Domaine Clos de Corbassières 2010 (Assemblage aus einer ganz speziellen Lage aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cornalin, Humagne Rouge, Syrah): Recht vanillig-parfümierte Nase, viel Frucht auch, ausladend, Kirschen, im Gaumen Wärme, Power, dennoch frisch, feinkörnige Tannine, mundfüllend, würziges Finish mit Zwetschgennoten, tolle Länge. Score: 17,5/20 (CHF 59.--)

Cornalin Maître de Chais Réserve Spéciale 2012: Ausladende Nase, leichtes Parfüm, würzig, im Gaumen noch klar präsente, leicht austrocknende Tannine, Frucht schimmert durch, erstaunlich. Etwas Süssemangel, eukalyptisches, mittleres Finale. Score: 16,5/20 (CHF 31.90)

WEITERE GUTE PROVINS-WEINE

  • Petite Arvine Maître de Chais 2013: 16/20 (CHF 27.90)
  • Petite Arvine Maître de Chais 2014: 15/20 (CHF 27.90)
  • Petite Arvine Grand Métral 2014: 15/20 (CHF 21.90)
  • Ermitage Grain Noble Domaine Tourbillon 2011: 16/20 (CHF 79.--)
  • Pinot Noir Grand Métral 2012: 16/20 (CHF 21.90)
  • Pinot Noir Saint Guérin Charte d’excellence 2012: 16/20 (CHF 16.50)
  • Pinot Noir Maître de Chais 2009: 15,5/20 (CHF 24.90)
  • Humagne Rouge Maître de Chais 2011: 15/20 (CHF 27.90)
  • Cornalin Maître de Chais 2011: 15/20 (CHF 29.90)
  • Cornalin Maître de Chais 2012: 15/20 (CHF 29.90)
  • Cornalin Grand Métral 2013: 15,5/20 (CHF 21.90)

 

 

LES TITANS: WEINE AUS DER STAUMAUER GRANDE-DIXENCE

Sehr speziell: Aus Trauben, deren Aroma-Palette als alpin deklariert wird, keltert Luc Sermier fünf Weine, die eine ganz spezielle Reifung durchmachen: Les Titans. Die Titanen. Bis und mit Kelterung ist alles einigermassen normal. Dann nicht mehr. Dann beginnt das Abenteuer für die Weine. Auf steilen, kurvigen Strässchen werden sie auf 1500 Meter gekarrt und im Inneren des Gebirges ihrem Schicksal überlassen. Dorthin, wo es konstant, jahraus, jahrein, sieben Grad kalt ist und die Luftfeuchtigkeit 100 Prozent beträgt. Keine Vibrationen. Völlige Stille. Wissenschaftliche Analysen wiesen die Weine als zweijährig aus – obwohl sie bereits vier Jahre in ihrem Stollen am Lac de Moiry im Val d’Anniviers lagerten.

Neuerdings gehts gar auf fast 2300 Meter, direkt in die Mauern der Grande-Dixence, der beeindruckendsten und majestätischsten Staumauer des Wallis mit einer Höhe von 285 Metern, einer Basislänge von 200 Metern und 15 Millionen Tonnen Gewicht. Dort geschieht nun Wundersames mit den Barriques, die in einem 300 Meter tiefen Stollen lagern. «Die Weine unterscheiden sich total von jenen, die in der Ebene reifen», sagt Sermier, der angefressene Alpinist, der an der Patrouille des Glaciers auch schon Zweiter geworden ist.Der Défi Blanc (80% Muscat, 20% Pinot gris) wurde schon zweimal zur besten weissen Assemblage am GP des Vins Suisses gekürt.

Spannend: Die innerhalb eines Jahres nach der Marktlancierung degustierten Weine wirken allesamt jugendlich. Der erst Mitte dieses Jahres verkostete Merlot 2010 hingegen wirkt alt und verbraucht. Altern die Weine – wissenschaftliche Analysen hin oder her – in der Realität schneller, kaum sind sie draussen aus dem Stollen?

Petite Arvine 2010: Kräftige Nase, floral, buttrig, Melonen, auch leichte Banane, im Gaumen Power, rechte Süsse, salzig, viel Mineralität, Frucht, schönes Finish. Toll! Score: 17,5/20

Petite Arvine 2012: Sehr mineralische Nase, ausladend, relativ wenig Frucht, wenn, dann Pfirsich, etwas Honig, im Gaumen gräuliche Aromen, Spargel, vegetal, aber auch Rauchnoten, Schmelz, Power, viel Frische, mundfüllend, tolle Länge. Score: 16,5/20

Défi Blanc 2011 (80% Muscat, 20% Pinot gris): Würzige Nase, Vanille, Rauch, Butter, im Gaumen höchst aromatisch, dominiert von würziger Kräuterigkeit, florale Noten, Minelarik, etwas viel Holz, gute Länge. Kühl trinken! Score: 16,5/20

Pinot Noir 2010 (Foto): Tolle Nase von Chriesi, Marroni, Röstaromen, Gewürznelken, floral, im Gaumen stoffig, nussig, wieder viel Würze, leicht  grün, Schoggi, gegen Ende etwas fahl, aber schöne Länge. Score: 17/20

Merlot 2010: Tertiäraromen: Pilze, Stall, Leder, balsamisch, Port. Im Gaumen reife dunkle Früchte, rau, viel Säure, Würze, wirkt wie ein alter Amarone, kräuteriges, langes Finish. Viel zu starke Tertiäraromen für einen 2010er. Offenbar geht die Alterung schneller vonstatten, kaum sind die Weine aus dem Berg... Score: 16/20

Défi Noir 2010 (Syrah, Cornalin, Merlot): Ausladend, extrem fruchtig-würzige Nase, Kirschen, leichte Schoggi, im im Gaumen viel Würze, leicht vegetale Noten, herb-rau, hat Ecken und Kanten und dennoch Eleganz, dezente Power, dunkel-teerig, schönes frisches Finish. Score: 17/20

(Alle Weine kosten CHF 36.90. Aktuell sind die Jahrgänge 2011 bis 2013 auf dem Markt. www.provins.ch)

 

 

PROVINS – DIE STORY

Weil sich in der Weinkrise der 20er-Jahre private Kellereien weigerten, die Trauben der vier Winzer-Genossenschaften zu vermarkten, gründeten diese ihre eigene Verkaufsorganisation: Den Verband der Winzereigenossenschaften des Wallis: Provins. Neun Geschäftsstellen entstehen, über das ganze Wallis verteilt. Jede eigene nahm Trauben an und produzierte daraus teils auch selbst Wein. Erst 2009 wird alles in Sion zentralisiert.

«Wir sind die Bewahrer der Tradition, dass jeder Walliser seinen eigenen Weinberg hat. Oder fast…», sagt Damien Carruzzo (Foto), einer der Provins-Önologen, der verantwortlich zeichnet für die beiden Maître-de-Chais-Linien, die Crus des Domaines und den Electus. Denn Provins hat nicht weniger als 3400 Mitglieder, die allesamt ihre Trauben von Hand lesen. Allerdings leben nur 100 zu mindestens fünfzig Prozent vom Weinbau. Total werden 850 000 Hektaren bewirtschaftet und acht bis neun Millionen Liter abgefüllt. Das macht dann die stolze Zahl von 10 Millionen Flaschen, was 65% der Gesamtproduktion entspricht. Vor dem Jahr 2000 war das Verhältnis umgekehrt. Früher wurden auch nur 2% Spezialitäten angepflanzt, also alles ausser Gamay, Chasselas, Johannisberg und Pinot Noir. Heute sind es 20%.

«In den 30er-Jahren war der Keller mit Betontanks ganz klar auf Massenproduktion ausgerichtet», erklärt Carruzzo. Die sagenhafte Zahl von 25 Millionen Litern wurde ausgestossen! «Damit gehörten wir zu den Top Ten der grössten Genossenschaften Europas», sagt Carruzzo.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Und doch beeindrucken gewisse Zahlen immer noch. So jene, dass an einem Spitzen-Erntetag nicht weniger als 700 000 kg Trauben in 24 Stunden angeliefert werden. Oder dann sind da diese Gewaltstanks. Die grössten sind 14 Meter hoch! Sie wurden eigens für Provins nach Mass geschweisst. Zwei Reihen mit je 20 Tanks à 250-Hektoliter erschlagen den geneigten Besucher fast. «Insgesamt produzieren wir 120 bis 130 Weine. Wieviele genau kann ich Dir nicht mal sagen», sagt Carruzzo, der Önologe. «Wir machen die Weine. Danach streichen wir sie von der Liste der zu machenden Weine. Wie sagt man auch: Liebe zählt sich nicht.»

Dafür, dass die Weine mittlerweile mit derart viel Liebe gemacht werden, steht ein Name: Madeleine Gay. Sie ist die Urheberin der Qualitätsoffensive und Mutter der Maître-de-Chais-Linien. Die Bestätigung für diese Arbeit erhielt die zurückhaltende Grande Dame des Walliser Weins spätestens beim GP des Vins Suisses: 2008 wurde sie – stellvertretend für Provins selbstredend – Winzerin des Jahres. 2013 dann die gesamte Kellerei.

Ein grosses Problem kennt Provins trotz allem. «Wir dürfen keine Reben selber kaufen», erläutert Carruzzo. «Was bedeutet: Gute Lagen, die Erben nicht weiterführen wollen und nicht privat verkauft werden, gehen an die Konkurrenz, obwohl wir die Parzelle vielleicht jahrzehntelang gehätschelt haben. Und wir können nur zähneknirschend zuschauen.»

Heute stehen fünf grosse Linien für die Weine von Provins – Electus mal ausgenommen:

  1. Les Titans: Grosse Cru-Lagen, gereift in der Staumauer Grand-Dixence
  2. Maître de Chais Réserve Spéciale: Grosse Cru-Lagen, nur stehen mehrere Crus zur Auswahl. Carruzzo: «Und wenn uns einer in einem Jahr nicht genügt, wird er durch den nächstunteren ersetzt.»
  3. Maître de Chais: Auch da sind es mehrere Top-Lagen, die zur Auswahl stehen.
  4. Grand Métral: Einerseits kommt Traubenmaterial herein mit mindestens 90 Oechslegraden, sofern der Winzer einen Vertrag (charte d’excellence) hat. Oder die Qualität ist auch ohne Vertrag bestechend.
  5. Spécialités du Valais: Der grosse Rest.

 

Publiziert am 14.08.2015 | Aktualisiert am 14.11.2016
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3 Kommentare
  • Annemarie  Schwab , via Facebook 14.08.2015
    Für mich gibt es klar eine obere Grenze, was Wein anbelangt. 190 Franken für eine Flasche würde ich nie ausgeben!
  • Crisiov  Lafleur 14.08.2015
    17/20 Punktn ist eine höchst durchschnittliche Bewertung für etwas, was ein "Spitzenwein" für chf 190 sein will. Zudem sieht die Etikette alles andere als edel aus, das würde ich Gästen niemals auftischen – und mir selber auch nicht.
  • Pietro  Secreto aus Kölliken
    14.08.2015
    Ohne Subventionen wäre der edle Tropfen wohl noch teurer, wir bezahlen also indirekt doppelt.