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Ohne Braida, ohne Giacomo Bologna, hätte es die Renaissance einer Traube kaum gegeben, die einst völlig am Boden lag: Barbera! Anfang der 80er-Jahre fanden 22 Menschen wegen dem mit dem Nervengift Methanol gepanschten Billigwein den Tod. Zwei Abfüller wollten den schwachen Barbera-Jahrgang 1983 dadurch üppiger wirken lassen. In der Folge wurden die Rebflächen halbiert.
Von kurativ zu präventiv
Bologna entdeckte den Barbera neu. Er liess den Wein erstmals in Barriques ausbauen. Eine Erfolgsstory! Das Vermächtnis des früh verstorbenen Vaters verwalten Sohn Beppe und Tochter Raffaella, beides ausgebildete Önologen, und Raffaellas Mann Norbert Reinisch als Export-Manager meisterhaft. Reinisch, studierter Facharzt, entschloss sich einst, «von der kurativen Seite der Medizin auf die präventive zu wechseln», wie er sagt. Sein Credo: «Jeder Tag ohne Wein ist ein Risiko für die Gesundheit!»
Männer mit Eiern
Er bringt uns die verschiedenen Barbera von Braida näher, insbesondere den Bricco dell‘Uccellone: «Giacomo war der erste, der bedingungslos an die Qualität des Barbera glaubte. Er war der Verrückte, der diesen vermeintlichen Billigwein in teures französisches Holz legte. Es dauerte nicht lange, und der Bricco wurde zu einem der ersten Kultweine Italiens.» Den wegen der Säureintensität der Rebsorte perfekten Essensbegleiter bezeichnet Reinisch als «Viagra des Piemont». Warum? «Weil Uccellone einerseits die Bedeutung grosser Vogel hat. So wurde eine alte Frau aus der Nachbarschaft bezeichnet, die stets schwarz gekleidet war. Als Uccellone gilt aber auch ein Mann mit Eiern...»
Der Wein-Viagra-Test
Machen wir uns an die Vertikaldegustation. 12x Bricco. Übrigens die letzte dieser Art, also ein durchaus historischer Akt, dem Blick.ch bei einem wunderbaren Fünfgänger im Zürcher Ristornier Conti beiwohnen durfte. Reinisch erklärt: «Es ist die fünfte Degustation, die ich solchermassen durchführe – und die letzte. Weil es die alten Jahrgänge im hauseigenen Keller schlicht nicht mehr gibt.»