Gut fürs Gehirn Lithium lässt die grauen Zellen richtig ticken

Schon minimale Mengen Lithium können das Risiko psychischer Krankheiten wie Alzheimer deutlich senken und die Stimmung heben.

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Braucht unser Körper Lithium? Lithiumtherapie in verschieden Bereichen play

Lithium hilft dem Hirn, in Schuss zu bleiben.

Thinkstock

 

Dass ein Mangel an Lithium – ein natürlich vorkommenden Alkalimetall - gefährlich sein kann, ist gut belegt. So hat man etwa in Japan, Österreich und in Texas den Lithiumgehalt im örtlichen Trinkwasser mit der Häufigkeit von psychischen Störungen, Suiziden und Gewaltverbrechen abgeglichen und kam überall zum gleichen Ergebnis: Je niedriger der Lithiumgehalt, desto störungsanfälliger die Psyche. Auch die Gesamtsterblichkeit nahm mit sinkendem Lithiumgehalt zu. Der Lithiumgehalt der untersuchten Trinkwasser schwankte zwischen 0,07 und 0,17 Milligramm pro Liter. Offenbar haben also schon geringste Mengen grosse Wirkung (Studie hier). In einer anderen Studie hat man festgestellt, dass der Lithiumgehalt in den Haaren von Schwerverbrechern 70% unter dem der Normalbürger lag.

Weniger Amyloid-Ablagerungen

Nach amerikanischen Quellen nehmen wir täglich etwa 0,7 Milligramm Lithium zu uns. Das meiste davon im Trinkwasser. Getreide und Gemüse enthalten je nach Bodenbeschaffenheit zwischen 0,5 und 3,4 Milligramm pro Kilo. Lithium wirkt vor allem auf die Hirnzellen (Buch). Im Labor- und Tierversuch verhindert und vermindert es die Bildung von Amyloid-Ablagerungen, die für Alzheimer verantwortlich gemacht werden. Es unterstützt die Bildung der Myelin-Schicht, deren Fehlen bei Multipler Sklerose und Parkinson eine entscheidende Rolle spielt. Ferner begünstigt Lithium die Bildung von grauen Zellen, unterstützt die Autophagie (Selbstreinigung der Zellen), hilft bei Insulinresistenz und hat eine antientzündliche Wirkung.

Bisher wird Lithium (in Dosen von rund 1 Gramm täglich) vor allem gegen Depressionen und bipolaren Störungen (manisch-depressiv) eingesetzt. Studien zeigen, dass damit Selbstmorde deutlich wirksamer und mit weniger Nebenwirkungen verhindert werden als mit den meistverschriebenen Pharmaprodukten. Zu den positiven Nebenwirkungen der Lithium-Therapie gehört ein deutlich vermindertes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. In einer Studie hat man zwei Gruppen von Leuten verfolgt. Von 66 ehemaligen bipolaren Patienten sind nur 3% an Alzheimer erkrankt gegenüber 33% bei der Vergleichsgruppe. Eine spätere Studie mit 21'000 ehemaligen Lithium-Patienten zeigte ebenfalls ein deutlich vermindertes Risiko.

Gut bei bipolaren Störungen

In einem anderen Versuch hat man Patienten in einem frühen Stadium der Demenz 12 Monate lang täglich zwischen 150 und 600 Milligramm Lithium verabreicht (etwa ein Drittel der bei bipolaren Störungen üblichen Dosen). Nach 12 Monaten zeigt sich bei der Lithium-Gruppe ein Rückgang der (Alzheimer verursachenden) Amyloid-Ablagerungen, während diese in der Kontrollgruppe weiter zugenommen hatten. Auch die Gedächtnisleistung verbesserte sich. Eine analoge Studie brachte bereits mit einer deutlich niedrigeren Dosierung von 0,3 Milligramm täglich vergleichbare Ergebnisse. Bei Patienten mit Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium hingegen brachte Lithium keine Besserung mehr.

In der Praxis von Dr. Ulrich Strunz wird der Lithium-Gehalt des Blutes routinemässig gemessen und notfalls korrigiert. Nach seinen Beobachtungen und Recherchen steigert Lithium den Bewegungsdrang, während uns Mangel faul und passiv macht. Doch Strunz ist (noch?) eine Ausnahme. Weder in den Lebensmitteln noch in den üblichen Blutanalysen wird Lithium regelmässig gemessen und deklariert. Auch ein offizieller Mindestbedarf existiert nicht. Inoffiziell wird 1 Milligramm täglich empfohlen, was bedeuten würde, dass zumindest in den USA die meisten  Menschen unterversorgt sind. Eindeutige Mangelsymptome sind nicht bekannt. Geistige Aussetzer können auf einen Mangel hindeuten, müssen aber nicht.

Andererseits ist es weder teuer noch riskant, ein wenig nachzuhelfen, zumal mehr einen entscheidenden Unterschied ausmachen kann. So viel Lithium ist beispielsweise schon in 3 Deziliter Zurzacher oder in einem Liter Rhäzünser enthalten (Tabelle). Strunz berichtet von einer «beeindruckenden Aufheiterung» nach 4 Kästen Schillerquelle (0,82 mg/l Lithium). Die Erkenntnis ist nicht neu: 1929 wurde 7 Up mit Lithium angereichert und als Stimmungsaufheller und Anti-Kater-Getränk angepriesen.

Fühlte mich klarer, ruhiger, gegenwärtiger

Im Internet kann man für rund 25 Rappen eine Tagesdosis von 5 Milligramm Lithium (bzw. 125 Milligramm Lithiumorotat) kaufen. Das liegt etwa um das Hundertfache unter der pharmakologischen Dosierung. Laut Berichten aus der Blogger-Szene kann man mit 5 Milligramm täglich schon eine unmittelbare Wirkung spüren. «Ich fühlte mich ruhiger, klarer und gegenwärtiger», heisst es da zum Beispiel. Für die vorbeugende Wirkung genügen vermutlich 5 Milligramm alle zwei oder drei Tage. In einer Doppelblindstudie mit psychischen instabilen Patienten brachten 0,4 Milligramm täglich schon nach zwei Wochen eine deutliche Besserung.

Um die Wirkung zu unterstützen und mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, Lithium mit Omega-3 zu kombinieren, am besten in Form von Algen und Meeresfischen, weil man sein Gehirn so auch noch dem ebenfalls wichtigen Jod versorgt. Wer allerdings unter Darmentzündungen oder Morbus Krohn leidet, sollten nicht mit Lithium experimentieren.

Lithium-Wirkung im Körper: Auch unsere Zellen sind Batterien

Wer bei Lithium an Batterien denkt, liegt nicht ganz daneben. Auch Zellen sind Batterien mit zwei Polen, in denen Mineralstoffe wie Lithium und Kalium elektrische Spannung aufbauen und Eiweissverbindungen herstellen. An diesem Vorgang sind Hunderte von Stoffen beteiligt. Jeder Mangel, jedes Missverhältnis kann die Gesundheit gefährden – muss aber nicht, denn die Natur ist anpassungsfähig.

Am besten unterstützt man seine Zellbatterien, indem man möglichst gesund isst (keine leeren Kalorien) und sich genügend im Freien bewegt. Die Zellbiologen entdecken immer neue Zusammenhänge, haben aber noch längst nicht alle Geheimnisse entschlüsselt.

Immerhin weiss man, dass wir mit einigen wichtigen Stoffen tendenziell unterversorgt sind. Dazu gehören insbesondere Vitamin C, Magnesium, Kupfer, Zink und auch Lithium. Entsprechend gross ist die Chance, dass entsprechende Nahrungszusätze einen gesundheitlichen Vorteil bringen. Garantien gibt es aber nicht.

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Publiziert am 04.01.2017 | Aktualisiert am 05.01.2017
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3 Kommentare
  • jürg  frey aus teufen
    05.01.2017
    Lithium ist nicht ungefährlich. Ich bekam das mal weil ich Antidepressiva nicht vertrug. Nebenwirkungen wie trockener Gaumen und dauernde Blutwertkontrolle waren notwendig. Ausserdem ist eine schlecht abgestimmte Dosierung gefährlich für die Nieren.
  • Köbi  Keller aus Seon
    04.01.2017
    Dies ist schon lang bekannt, birgt jedoch auch rasch risiken wenn man versucht den lithiumspiegel mit salzen oder sonstigen hoch dosierten präparaten zu erhöhen, dann wirds rasch toxisch. Und die sache mit dem mineralwasser es nützt nichts lithiumreiches wasser einzunehmen und dabei gleichzeitig unmengen von uran zu schlucken) man achte hier auf alles, nicht nur diesen parameter. Zum thema "Uran" im Mineralwasder gibts entsprechende Testberichte.
  • Beat  Burri 04.01.2017
    Leider kann Lithium aber auch negative Wirkungen in Bezug auf die Nieren mit sich bringen. Medizinisch anscheinend nicht durchwegs nachgewiesen und wird daher individuell bewertet. Trotzdem ist da wahrscheinlich eine genaue medizinische Abklärung ratsam. Also auch in diesem Beitrag *es ist nicht alles Gold was glänzt!*