Reparieren statt wegschmeissen! Neues Leben für den Mixer

Wider die Abfallberge: In der Schweiz gibt es immer mehr Repair Cafés. Sie setzen ein Zeichen gegen die verbreitete Wegwerf-Mentalität.

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Ermuntern, selber Hand anzulegen: Die Besitzerin hilft, den Mixer zu flicken. Matthias Luggen

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Es ist nicht so, dass Martin Janser seinen Mixer täglich brauchen würde. Trotzdem ärgerte sich der Luzerner Architekt, als das Gerät vor einiger Zeit unverhofft den Geist aufgab.

Anstatt den Mixer wegzuschmeissen und im Fachmarkt einen Ersatz zu kaufen, brachte der 30-Jährige das Küchengerät ins Luzerner Neubad. Einmal im Monat kann man seine defekten Gerätschaften im ehemaligen Hallenbad der Stadt vorbeibringen und reparieren lassen.

Und tatsächlich: Keine halbe Stunde, nachdem Janser seinen Mixer an Reparateur Karl Hunnisett übergeben hatte, lief das Gerät wieder einwandfrei. «Zudem weiss ich nun, wie ein Mixer von innen aussieht», sagt Janser und lächelt zufrieden.

Veranstaltungen wie jene im Luzerner Neubad gibt es in der Schweiz derzeit zuhauf. Egal, ob ein defekter Mixer, ein klappriger Stuhl oder ein altes Radio, das nicht mehr läuft: In den Repair Cafés wird fast alles wieder zum Leben erweckt – und zwar kostenlos. Wer einen Gegenstand vorbeibringt, muss einzig für die benötigten Ersatzteile aufkommen.

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Am Anfang 150 Gegenstände repariert: das erste Repair Café in Bern. Matthias Luggen

Die Idee zu den Repair Cafés kommt aus den Niederlanden

«Repair Cafés bieten die Möglichkeit, konkret etwas gegen den heutigen Ressourcenverschleiss und die wachsenden Abfallberge zu unternehmen», sagt Raffael Wüthrich, Projektleiter Nachhaltigkeit bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Ziel der aus den Niederlanden stammenden Idee sei es, die Kultur des Reparierens wieder aufleben zu lassen. Viele Hersteller würden ihre Produkte absichtlich so konstruieren, dass diese frühzeitig kaputt gehen, ärgert sich Wüthrich. «Gegen diese Herstellungspraktiken wehren wir uns.»

2014 hat die SKS erfolgreich das erste Repair Café in Bern lanciert. Schon bei der ersten Veranstaltung haben die Techniker rund 150 Gegenstände repariert – und jedes Mal kommen mehr dazu. Wer einen alten Toaster oder ein defektes Kinderspielzeug mitbringt, wird ermuntert, auch selbst Hand anzulegen. «Wir möchten den Leuten zeigen, dass Reparieren Spass macht», sagt Wüthrich.

Vom ambitionierten Tüftler bis zum professionellen Elektriker

Die Besucher bleiben nicht alleine: Ambitionierte Tüftler und nicht selten professionelle Elektriker, Informatiker, Schneider oder Schreiner, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich in den Repair Cafés engagieren, unterstützen sie.

So wie Karl Hunnisett im Luzerner Neubad. Nachdem der bärtige Australier soeben ein weiteres Elektrogerät zum Laufen gebracht hat, gönnt er sich auf dem Vorplatz eine kurze Pause. «Aus meiner Heimat bin ich es gewohnt, dass man defekte Sachen nicht in den Müll wirft, sondern repariert», sagt der studierte Elektroingenieur. Heute führt er im Neubad seine eigene Lederwerkstatt.

Dass er für sein Engagement kein Geld erhält, stört Hunnisett nicht. Das Bewusstsein, etwas Sinnvolles zu tun, sowie die Dankbarkeit der Kundschaft seien ihm Lohn genug. «Der Besucher hat seinen Mixer wieder, und ich das gute Gefühl, jemanden glücklich gemacht zu haben», sagt Hunnisett. «That’s great!» 

Repair Cafés in der Schweiz: 
www.repair-cafe.ch

Handy-Doktoren:
www.handydoktor.ch
www.iphone-klinik.ch
www.phonedoctor.ch
www.handydoktoren.ch
www.city-phone.ch
www.itekreparatur.ch

Publiziert am 10.02.2016 | Aktualisiert am 10.02.2016
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2 Kommentare
  • Mark   Richard 11.02.2016
    das ist jetzt ja mal ne coole idee. insbesonders deswegen, dass die leute wieder mal zusammenkommen und vorallem miteinander was machen und richtig miteinande reden. in der heutigen schnelllebenden zeit von fb und whatsapp eine geniale sache. würde ich sofort auch mitmachen!!
  • Marcel  Stierli aus Mérida, México
    11.02.2016
    Wurde auch Zeit, dass man dies in der so genannt 1. Welt auch endlich realisiert....