Fit oder fett: Jod Sushi bringt die Schilddrüse auf Trab

Die Schilddrüse ist unser Gaspedal. Macht sie schlapp, fehlt es vermutlich an Jod. Doch zu viel davon kann auch schaden.

Gesund und gut Algenblätter ­liefern dem Körper Jod. play

Gesund und gut Algenblätter ­liefern dem Körper Jod.

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Wenn jemand keine Energie hat, das Übergewicht nicht los wird, leicht friert und depressiv verstimmt ist, kann dies an einer Unterfunktion der Schilddrüse liegen. Je nach Experte sind heute 30 bis 70 Prozent aller Erwachsenen betroffen.

Die Schilddrüse ist unser Gaspedal. Sie verpackt die Jod-Atome in der Nahrung zu Schilddrüsenhormonen. Die zirkulieren im Blut und gelangen bei Bedarf via Rezeptoren in die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle. Fehlt es an Schilddrüsenhormonen bzw. an Jod, schaltet der Körper auf Energiesparmodus: Glukose wird nicht mehr verbrannt, sondern in Fett umgewandelt. In Wirklichkeit sind diese Vorgänge noch viel komplexer – und entsprechend störungsanfällig.

Jod gelangt nicht in die Zellen

Eine häufige Störung ist ein Jodmangel. Erstens kommt in unserer Industrienahrung immer weniger davon vor. Zweitens gelangt immer weniger davon in die Zellen. Der Grund: Jod ist ein Halogen und steht in Konkurrenz zu anderen Halogenen, namentlich die immer häufiger vorkommenden Fluoride, Chloride und Bromide. Diese blockieren die Jod-Rezeptoren an den Zellen und sorgen dafür, dass das verbleibende Jod nicht genutzt werden kann.

In den USA gibt es deshalb eine Schule von «integrativen» Ärzten, die Diabetes, Brustkrebs, Rheuma, Übergewicht, chronische Müdigkeit usw. mit hohen Tagesdosen von 12,5 bis 50 Milligramm Jod behandeln und Erfolge vermelden.

Die Therapie stützt sich unter anderem darauf, dass japanische Küstenbewohner mit Algen und Meeresfischen im Schnitt 12,5 Milligramm Jod zu sich nehmen und dass Kaliumiodid-Pillen (mit je 770 Milligramm Jod) noch vor wenigen Jahrzehnten ein gängiges Hausmittel waren.

In der Schweiz sind Jod-Präparate rezeptpflichtig, und die Einfuhr via Internet ist untersagt. Die empfohlene Tagesmenge liegt bei 0,15 Milligramm. Das erreicht man schon mit der Einnahme von sechs Gramm jodiertem Salz. Dagegen läuft der «Selbsthilfeverein Jod macht krank» Sturm. Er ­argumentiert, dass bei empfindlichen Leuten selbst kleinste Jod-Mengen Depressionen, Allergien, Panik­attacken usw. aus­lösen können.

Gestörte Harmonie der Hormone

Reine Panikmache? Kaum. Alle körpereigenen Hormone hängen «wie ein Mobile zusammen», sagt die Hormonspezialistin Christine Thanner. Vor allem die Schilddrüse und die Nebenniere (mit den Stresshormonen Kortisol und Adrenalin) sind eng verknüpft. Ist die Harmonie der Hormone erst einmal gestört, ist alles möglich.

Was nun? Wer unter den oben erwähnten Symptomen leidet, sollte zunächst alles meiden, was die normale Funktion der Schilddrüse stört. Zucker und Alkohol stehen ganz vorne auf dieser Verbotsliste, knapp vor Sojaprodukten. Ungesättigte pflanzliche Fette und Öle sollte man mit Oliven- und Kokosnussöl und Butter ersetzen. Nüsse, Eier und Thunfisch enthalten Selen, das bei der Bildung von Schilddrüsenhormonen gebraucht wird.

Liegt keine Jodunverträglichkeit vor, kann man es mit Kelp-Tabletten ver­suchen und die Dosis schrittweise erhöhen. Auch Algenblätter (Sushis) sind nützlich. Solange die Basaltemperatur (siehe Kasten) unter 36,9 Grad liegt, kann man die Dosis allmählich steigern. Gegenanzeigen sind unter anderem ein hoher Puls und schlechter Schlaf. Nützt alles nichts, sollte man einen Spezialisten (Endokrinologen) beiziehen.

Publiziert am 22.05.2015 | Aktualisiert am 22.05.2015
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Nachschlag: Die Temperatur ist entscheidend

Übergewicht, Antriebs­losigkeit und Kälteempfindlichkeit kann viele Ursachen haben. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kommt vor allem dann als Hauptursache in Frage, wenn die sogenannte ­Basaltemperatur unter 36,9 Grad liegt. Man misst die Temperatur fünf Tage lang gleich nach dem Aufwachen mit einem guten Fiebermesser.

Frauen messen drei Tage nach dem Eisprung. Messungen unter der Achselhöhle sind zu ungenau. Liegt die Temperatur im Schnitt unter 36,9 Grad, ist das zwar kein definitiver Beweis, aber ein starkes Indiz dafür, dass die Mitochond­rien mangels Jod zu wenig Wärme erzeugen. 

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