BLICK-Besuch bei «Graf Yoster» Lukas Ammann (bald 100): «Ich habe hemmungslos gelebt!»

Für eine Doku kehrt der fast 100-Jährige an seinen Geburtsort zurück. Seine grösste Erfolge feierte er mit seiner Rolle als «Graf Yoster»

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«Graf Yoster hat mir mehr geschadet als genützt.» – Lukas Ammann.

(Stefan Bohrer)

Ganz langsam, aber selbstsicher steigt Lukas Ammann (99) die Treppe des Totengässleins in Basel hi­nunter. Seit er sich vor Jahren bei einem Sturz die Achillessehne gerissen hat, ist ein Gehstock sein ständiger Begleiter. «Aber für mein Alter bin ich doch noch ganz gut zu Fuss», sagt die Schweizer Schauspiellegende mit einem schelmischen Lächeln. Ende September feiert Lukas Ammann seinen 100. Geburtstag, für eine SWR-Doku kehrte der Fernsehstar an seinen Geburtsort zurück.

Ammann ist ein eleganter älterer Herr, hat etwas Erhabenes. «Auch wenn ich manchmal Schmerzen habe, würde ich diese nie zeigen. Mir war stilsicheres Aufreten immer wichtig.» Wie in der Fernsehserie, die ihn zum Star machte: 70 Folgen von «Graf Yoster gibt sich die Ehre» drehte Lukas Ammann, die Figur verhalf ihm zu Kultstatus. Er verkörperte wie kein anderer den vornehmen Amateurdetektiv, der mysteriöse Fälle in der gehobenen Gesellschaft löste.

Die Rolle war Segen und Fluch zugleich: «Graf Yoster war ein Erfolg. Im Endeffekt hat mir die Serie aber mehr geschadet als genützt», sagt der Basler nüchtern. Einige interessante Rollen seien ihm deswegen verwehrt geblieben. Lukas Ammann war für viele einfach Graf Yoster.

«Wichtig ist, nie überheblich oder eingebildet zu sein.»

Trotzdem erlebte Lukas Ammann eine grosse Karriere in Film und Fernsehen, ab 1994 spielte er 240-mal das Familienoberhaupt in der Schwarzwaldserie «Die Fallers». «Als ich im Jahr 2000 ausstieg, reichten Zuschauer eine Petition ein, damit ich weiterspiele», schmunzelt er. «Aber irgendwann ist es genug.» 2005 stand er für «Herr Goldstein» das letzte Mal vor der Kamera.

Privat hatte Lukas Ammann weniger Glück. Nach zwei gescheiterten Ehen traf er 1959 am Deutschen Theater die Liebe seines Lebens, Schauspielerin Liselotte Ebnet (†77). Das einzige Kind des Paars, Sohn Tobias starb in den Ferien in Italien im Alter von sechs Jahren bei einem Sturz vom Balkon. «Darüber kommt man nie hinweg», sagt er nachdenklich. Seine Liselotte verlor Lukas Ammann vor drei Jahren an den Krebs: «Aber ich führe in Gedanken die Beziehung mit meiner Frau weiter. Für mich ist sie noch da.»

«Über den Tod des eigenen Kindes kommt man nie hinweg.»

Ammann weiss: «Auch mein Leben geht langsam zu Ende. Aber viel älter möchte ich nicht werden, Gebrechlichkeit ist mühsam.» Zu bereuen hat er nichts: «Ich habe hemmungslos gelebt!»

Einzig eine Grossfamilie hätte er gerne. Seine beiden Söhne aus zweiter Ehe und die Enkel und Urenkel leben in Uruguay. «Wir skypen regelmässig miteinander.» Mit knapp 100 Jahren. Kritisch steht er dafür dem heutigen Fernsehen gegenüber. «Man sieht nur dumme Serien und Quizshows.» Ammann liest lieber oder trifft sich mit den Freunden, die ihm geblieben sind. «Viele habe ich ja nicht mehr. Ich musste fast alle beerdigen.»

Dass er bald ein Jahrhundert erleben durfte, darauf hat auch Lukas Ammann keine Antwort, meint nur trocken: «Na ja, ich habe mit 70 aufgehört zu rauchen.» Was die Zukunft bringt? «Abwarten. Mehr bleibt mir ja nicht übrig. Und ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte», sagt Lukas Ammann.

Alle Kommentare (2)

  • Jose  Conde
    Alles Gute und viel Glück. Ich durfte Sie auch "damals" als Graf Yoster erleben. Ich glaube, Sie waren das Vorbild für das Auftreten von z.B. Bond etc.
    • 14.07.2012
    • 27
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  • ralph  läuffer
    herr ammann, als kleiner junge habe ich den "grafen" gesehen, tolle sache, so wünsche ich ihnen zufriedenheit und bedanke mich bei ihnen.
    • 14.07.2012
    • 35
    • 0

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