Octapharma soll portugiesische Spitäler ausgesaugt haben – Topmanager verhaftet Razzia bei Schwyzer Blutfirma

LACHEN SZ - Die Blutplasma-Firma steckt in Schwierigkeiten: Paulo Castro, die Nummer vier im Unternehmen aus Lachen SZ, wurde gestern wegen Korruptionsverdacht festgenommen.

Blutplasma hat die Lachner Octapharma reich gemacht.  play
Blutplasma hat die Lachner Octapharma reich gemacht.  GETTY

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Am Mittwoch gab der Blutplasma-Gigant Octapharma aus Lachen SZ den Abgang des Portugiesen Paulo Castro (59) bekannt. BLICK weiss: Für die bisherige Nummer vier der Firma kommt es noch schlimmer. Er wurde gestern Morgen in Heidelberg (D) verhaftet.

Hintergrund: Castro war unter anderem für das Portugal-Geschäft von Octapharma verantwortlich. Laut der Zeitung «Jornal Económico» soll er dem Konzern mit korrupten Methoden zu einem Quasimonopol auf Blutplasma-Produkte in öffentlichen Spitälern verholfen haben. Umfang der Verträge: mehr als 100 Millionen Euro!

Am Dienstag durchsuchte die Polizei in Portugal über 30 Büros. Auch in der Schweiz schlug sie zu: Die Bundesanwaltschaft habe zwei Räumlichkeiten von Octapharma durchsuchen lassen, schreibt die «Handelszeitung».

Ex-Premier mischelte mit

Es ist nicht das erste Mal, dass Castro in einen Skandal verwickelt ist: Er ist in seinem Heimatland einer der Hauptverdächtigen in der «Operação Marques», in der die Ermittler den Machenschaften von Ex-Premierminister José Sócrates (59) nachgehen. Auch hier wird Castro Korruption vorgeworfen.

Nach seinem Rücktritt arbeitete Sócrates als Berater für das Südamerika-Geschäft von Octapharma. Er soll für die Firma aus Lachen krumme Deals mit dem ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva (71) gedreht haben.

Steinreiche Besitzer

Die Octapharma ist seit ihrer Gründung in den 1980er-Jahren zu einer der grössten Plasmafirmen der Welt gewachsen. Das Geschäft läuft hervorragend: 2015 setzte der Konzern mehr als 1,5 Milliarden Franken um, der Betriebsgewinn betrug knapp 400 Millionen.

Die Firma gehört dem Deutschen Wolfgang Marguerre (75), der gleichzeitig Präsident des Verwaltungsrats und CEO ist. Seine Söhne Frederik (50) und Tobias (45) sind die Nummern zwei und drei im Konzern. Marguerre reagierte nicht auf Anfragen von BLICK. 

Die Familie ist laut «Forbes» über 3,5 Milliarden Franken schwer. Nur 38 Deutsche sind reicher. Von seiner Luxusvilla aus überblickt er Heidelberg. Die Stadt, wo sein enger Mitarbeiter Castro gestern verhaftet wurde. 

Publiziert am 15.12.2016 | Aktualisiert am 16.12.2016
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7 Kommentare
  • Christian  Duerig , via Facebook 16.12.2016
    Octopharma treibt auch bei uns die Gesundheitskosten in astronomische Höhen. Sind Sie glücklicher und gesünder seit wir solche Horroprämien (obligatorische Gesundheitsblutkorruptionsabzockerprämien) zahlen müssen ?
    Wir haben landesweite Korruption und das Bankgeheimnis hilft mit, dass diese Kultur floriert.
  • Klaus  Utzinger aus Bad Zurzach
    16.12.2016
    Ich frage mich hier, wie kommt diese Firma Octapharma zu ihrer Hauptgeschäftsprodukt, dem Blut? Kommt das von den zig-tausenden Schweizer, die 2x oder mehr im Jahr gratis und franko ihr Blut spenden? Werden hinter dem Rücken dieser Spender dann so dubiose Geschäfte gemacht, welche einige wenige steinreich machen! Meine nächste Blutspende muss ich mir nochmals überdenken!
  • Matthias  Erzinger aus Winterthur
    16.12.2016
    Das mit der Korruption ist das eine – mindestens so ineresant ist die Tatsache, dass die Firma bei einem Umsatz vn 1.5 Milliarden 400 Millionen Gewinn erzielt. Dies zeigt, mit welchen Margen im Gesundheitswesen gearbeitet wird. Und warum unsere Krankenkassenprämien derart steigen. Aber wenn man dann etwas gegen ein solches ungesundes Wirtschaftssystem sagt, jaulen gleich alle auf...
  • Erich  Winter , via Facebook 16.12.2016
    Jetzt hat mann in dieser Jockerstube auch schon die Mückenblage.
  • Anna  Rusch 16.12.2016
    In der Schweiz gehen grosse Kriminelle ein und aus, verstecken sich hier, leben hier legal! Wie ist das möglich, wenn in anderen Ländern gegen sie ermittelt wird, dass sie hier überhaupt einreisen können? Warum kann man solchen Leuten die Einreise, aus guten Grund, nicht verwehren und den Aufbau/Sitz deren Firmen hier nicht verhindern?
    • Mark  Reist 16.12.2016
      Schengen lässt grüssen! Da haben Sie Ihre Erklärung für diesen unhaltbaren Zustand.