Nur 160 statt 200 km/h im Gotthard? Luftsäule bremst SBB aus

Die Gotthard-Ingenieure haben ein physikalisches Phänomen unterschätzt. Das könnte ungeahnte Folgen haben: Es ist fraglich, ob der Fahrplan eingehalten werden kann.

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Ein Zug im Gotthard-Basistunnel, aufgenommen am Donnerstag 10. März 2016 in Erstfeld. CHRISTIAN BEUTLER

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Der Gotthard-Basistunnel, der am 1. Juni mit grossem Pomp eröffnet wurde, soll die Fahrzeit ins Tessin massiv verkürzen. Ab dem 11. Dezember, wenn nach dem Fahrplanwechsel erstmals reguläre Züge durch das Meisterbauwerk fahren, soll sich die Reisezeit von Zürich nach Lugano um bis zu 25 Minuten verkürzen, wie die SBB versprechen. Ab Ende 2020 werde der Fahrzeitgewinn zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin gar bis zu einer Stunde betragen.

Die Luftsäule ist das Problem

Doch nun kommen Zweifel an diesen Versprechen auf. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, ist nicht klar, ob der anvisierte Fahrplan eingehalten werden kann. «Wenn ja, haben wir Glück gehabt», zitiert die Zeitung einen SBB-Verantwortlichen.

Das Problem: Die Ingenieure haben ein physikalisches Phänomen unterschätzt. In Tunneln schieben Züge Luft vor sich her, die sie abbremst. Im neuen Gotthard-Tunnel ist das Problem besonders gravierend, denn aus Kostengründen wurde er fast 10 Prozent enger gebaut als  beispielsweise der Lötschberg-Tunnel. Auch gibt es keine Druckausgleichsstollen, über die die Luft entweichen könnte. 

Güterzüge bremsen Personenverkehr aus

Die sogenannte Luftsäule muss im Gotthard von den Zügen also über die ganzen 57 Kilometer bewegt werden, was sehr viel Energie kostet. Verschlimmert wird das Problem durch die Güterzüge, die langsamer durch den Tunnel fahren als die Personen-Schnellzüge. Fährt ein langsamer Güterzug vor einem Schnellzug durch den Tunnel, bremst er das Luftpaket, in dem sich der Schnellzug bewegt, zusätzlich ab.

Ob alle Lokomotiven der Schnellzüge genügend stark sind, um dagegen anzuhalten, ist unklar. Ingenieure gehen aufgrund der bisherigen Testfahrten davon aus, dass die praktisch erreichbare Höchstgeschwindigkeit im Tunnel zwischen 160 und 180 km/h liegen wird und nicht wie versprochen bei 200 km/h. Das würde die Reisezeit weniger verkürzen als geplant.

An den Grenzen des Möglichen

Weniger als 100 Tage vor Beginn des planmässigen Verkehrs im Gotthardtunnel gibt es also viele Unsicherheiten. «Wir sind mit diesem gigantischen Projekt in allen Bereichen, auch beim Betriebskonzept, bis an die Grenzen des Möglichen gegangen. Entsprechend hoch sind die Risiken, mit denen wir uns nun auseinandersetzen müssen», so ein Fahrplan-Spezialist gegenüber der Zeitung. (sf)

Publiziert am 04.09.2016 | Aktualisiert am 04.09.2016
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47 Kommentare
  • Rosa  Mayer 05.09.2016
    Mich würde interessieren,seit wann unsere verantwortliche BR aus dem Aargau von dieser gigantischen Fehlplanung gewusst hat! Frage: Wie oft hat sie noch Propaganda gemacht für dieses Multimilliardenprojekt um es vor dem Stimmvolk durchzubringen seit sie diese Informationen hatte? Falls ich richtig liege, dass hier ein Jahrhundertskandal geboren wurde, empfehle ich Frau Leuthart den Kauf eines Fahrrades, - es gibt noch solche mit Rücktritt!
  • Thomas  Hager aus Luzern
    05.09.2016
    Und die nächste offensichtliche Tunnellüge haben wir alle schon durchschaut denn es ist Niemand so naiv zu glauben das die zwei Strassentunnels nur einspurig befahren werden. Der Schienenverkehr wird ausgebremst und der Strassenverkehr wird beschleunigt und als Folge fährt der Schwerverkehr auf der Strasse denn Zeit ist Geld.
  • Axel  Müller 04.09.2016
    Herr Wenger. Der LBT und der GBT wurden für Gütertransporte gebaut.
    Die Güterzüge sind nicht langsamer..Sie sind nur weniger Prestigeträchtig als die Personenzüge
  • Urs  Hagen 04.09.2016
    Bei der NEAT funktioniert der Bahnverlad nicht und hier können sie nicht fahren wie sie sollen, ist ja eigentlich ganz banal, wie ein Wasserschlauch da geht einfach nicht mehr durch und jedes Hindernis und jeder Pfosten bremst zusätzlich. Passt doch zu unserer Verkehrsplanung. Ich glaub ich habe einen Tinitus im Auge, ich sehe lauter Pfeifen.
    • Peter  Stark aus Basel
      05.09.2016
      Gratuliere ! Der mit dem Tinnitus im Auge ist mir neu.
      Grossartig um die Ecke gedacht.
  • Maxi  Niederberger 04.09.2016
    Die Gotthardingenieure haben nichts unterschätzt, sondern das "Phänomen" von Anfang an billigend in Kauf genommen.
    • Alfred  Gerber aus Goldingen
      05.09.2016
      Diese Umstände müssten doch eigentlich seit den ersten Probefahrten bekannt sein.
      Mir hat ein junger Ingenieur mal erklärt, dass gerade aus diesem Grunde keine Doppelstockzüge durch die Tunnels fahren. Diese das Tunnelprofil derart ausfüllen, dass der Luftwiderstand massiv höher wäre. Der Energieverbrauch durch den alten Gotthardtunnel bereits so wohl ähnlich hoch ist wie für den ganzen Rest der Strecke.