Neues Buch von Nestlé-Präsident Peter Brabeck Wie uns Bakterien manipulieren

ZÜRICH - Unsere Darmbakterien sind dafür verantwortlich, wie gesund wir sind, schreibt Peter Brabeck in seinem neuen Buch. Und der Nestlé-Präsident prophezeit, dass wir unsere Nahrung künftig aus Nespresso-Kapseln beziehen werden.

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Wer ständig zu viel isst und sein Gewicht nicht im Griff hat, ist willensschwach. Diese Meinung ist weit verbreitet. Der abtretende Nestlé-Präsident Peter Brabeck (72) sieht dies anders: Wir alle würden von unseren Darmbakterien manipuliert, schreibt Brabeck in seinem neuen Buch «Ernährung für ein besseres Leben», das er gestern in Zürich vorstellte. Wer zu Übergewicht neigt, ist also nicht unbedingt schwach im Kopf, sondern hat einfach eine ungünstige Bakterienzusammensetzung im Darm.

Im Lauf der Evolution könne sich «ein Interessenkonflikt zwischen den Bedürfnissen der Darmbakterien eines Menschen und seinem Essverhalten ergeben», zitiert Brabeck die jüngste Forschung von Evolutionsbiologen. «Als Folge dieses Konflikts manipulieren die Mikroben das Verhalten des Menschen, um damit ihr eigenes Wohlbefinden zu sichern, auch wenn dies die Gesundheit des Menschen schädigt.»

Fettleibigkeit ist ansteckend

Die Mikroben stehen auch untereinander in einem Kampf um für sie besonders bekömmliche Nahrungsmittel. Wenn im Darm die falschen Mikroben die Oberhand gewännen, sei es für den Menschen nicht mehr möglich, sein Essverhalten zu kontrollieren.

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Künftig werden wir Nahrungsmittelcocktails aus Nespresso-Kapseln brauen, prophezeit Nestlé-Präsident Peter Brabeck.  Philippe Rossier

Fettleibigkeit, so Brabeck, sei sogar ansteckend – und zwar im wörtlichen Sinne durch Infektionen. Wenn Menschen miteinander Kontakt hätten, sei es unvermeidlich, dass auch Darmbakterien übertragen würden. «Wenn diese in der Lage sind, das Essverhalten des Wirts zu verändern, werden sie es auch bei einem neuen Wirt tun können», schreibt der Nestlé-Präsident. 

Die gute Nachricht: Die Menschen können den Spiess auch umdrehen und ihr Mikrobiom verändern. So lassen sich das Essverhalten und damit die Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern. Die entsprechende Forschung und die Entwicklung individuell optimierter Lebensmittel stecken allerdings noch in den Anfängen.

Essen aus der Nespresso-Kapsel 

Brabeck bleibt in seinem Buch aber nicht bei den Darmbakterien stehen, sondern spricht eine ganze Reihe von Faktoren an, die einen Einfluss auf unsere Ernährung haben: die Politik, die Nahrungsmittelindustrie und gesellschaftliche Einflüsse. Brabeck zeigt sich überzeugt, dass die Ernährung eine zentrale Rolle im Kampf gegen Krankheiten wie Alzheimer, Depressionen, Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme und Übergewicht spielt.

Grosse Stücke hält er dabei auf ein Nestlé-Projekt, das von der Presse den Namen Iron Man erhalten hat. Dieses werde die Ernährung revolutionieren, so Brabeck: Aus Kapseln, die jenen von Nespresso ähnlich seien, würden die Menschen künftig Nährstoffcocktails zu sich nehmen, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten seien.

Oder sie könnten sich ihr Essen per 3D-Drucker gemäss den elektronisch erfassten Gesundheitsempfehlungen zubereiten. Brabeck: «Das hört sich zwar noch an wie Science-Fiction, wird aber innerhalb der nächsten zehn Jahre Realität werden.»

Publiziert am 24.11.2016 | Aktualisiert am 25.11.2016
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3 Kommentare
  •   , via Facebook 24.11.2016
    Nährstoffcocktails aus Kapseln - hergestellt in irgendeinem Labor - hat nichts mehr mit einer natürlichen Erährung zu tun. Über eine längere Zeit hinweg eingenommen ist eine solche Nahrung sicher nicht gut.
    Und was die Bakterien und Darmflora betrifft, so ist es doch so, dass z. B. ungesunde Fette wie Margarine und Medikamente wie Antibiotika die Darmflora und die gesunden Bakterien aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Beni  Kunz aus Solothurn
    24.11.2016
    Ich würde sagen Nestlé trägt eine grosse Mitschuld am Übergewicht vieler Leute und an nicht mehr funktionieren Darmbakterien. Schaut doch mal nach was in euren Nestlé Produkten so alles drin ist!
  • Christian  Duerig , via Facebook 24.11.2016
    Ich esse seit Jahren nur noch Astronauten Nahrung und mir geht es super. Ich lernte bereits in der Sekundarschule, dass wir Menschen ein Superorganismus sind, der mehr Mikroben besitzt als Körperzellen. Die Darmfauna ist entscheidend für unseren Stoffwechsel und die Hautmikroben schützen uns vor Krankheiten.
    Darm- und Hautbeschwerden sind sehr ernst zu nehmen. Prävention erreichen wir mit Hygiene (Trinkhygiene, Nahrungshygiene, Körperhygiene).