Illegale Fragen in den meisten Formularen für Wohnungsbewerbungen Ihr Vermieter weiss zu viel über Sie!

Zivilstand, Nationalität, Religion: Die Vermieter verstossen mit ihren Anmeldebögen gegen das Datenschutzgesetz.

Illegale Fragen: Vermieter verstossen meistens gegen Datenschutz play

Mietformulare: Manche Vermieter verstossen gegen das Gesetz.

Keystone/Martial Trezzini

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Banker-Legende Oswald Grübel (73) über Trump «Nehmen Sie nichts für bare...
2 Lehrlinge zeigen ihren Arbeitsalltag Coop startet Snapchat-Offensive
3 WEF-Finanzchef Alois Zwinggi bringt Swissalp-Schwestern Pralinés ...

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
21 Kommentare
Fehler
Melden

Wohnen Sie zur Miete? Dann  weiss Ihr Vermieter wahrscheinlich zu viel über Sie. BLICK-Recherchen zeigen: In den meisten Anmeldeformularen, die bei der Bewerbung ausgefüllt werden müssen, stehen Dinge, die da nicht hingehören. Sie verstossen gegen das Datenschutzgesetz (siehe Box).

HEV hält sich ans Gesetz

Beispiele sind die Liegenschaftsverwaltungen Wincasa und Livit, zwei Grosse der Branche. Sie sind nicht die einzigen, deren Formulare durchfallen: Fast alle Anmeldebögen, die man im Internet findet, sind in manchen Punkten illegal. Es handelt sich um Dutzende von Verwaltungen aus der ganzen Schweiz. Die löbliche Ausnahme: der Hauseigentümerverband (HEV), welcher selbst Immobilien verwaltet. Sein Formular hält sich ans Datenschutzgesetz.

Auf Anfrage sagen viele Firmen, sie wüssten nicht, dass ihr Formular gegen das Gesetz verstosse. «Viele Vermieter foutieren sich darum», sagt Patrizia Bernasconi (50), Geschäftsleiterin des Mieterverbandes Basel. «Sie erlauben sich das, weil sie in einer Machtposition sind. Sie nützen die Notlage der Mieter aus.»

Wincasa äussert sich nicht zu den Vorwürfen. Livit schreibt auf Anfrage: «Wir wollen einen optimalen Mietermix in der Liegenschaft. Dank der Informationen auf dem Formular erfüllen wir diese Aufgabe erfolgreich im Interesse aller Parteien.» Livit habe nie Beschwerden erhalten.

«Kein Zwang, alle Felder auszufüllen»

Einige Firmen fragen im Formular sogar nach der Religionszugehörigkeit. Darunter ist die Zürcher Verwaltung Schaeppi. Sie ist sich bewusst, dass sich die Fragen nicht mit dem Datenschutzgesetz vertragen, macht aber besondere Gründe für die Abfrage geltend: «Wir sind als Vermögensverwalter für den Eigentümer tätig. Deswegen und auch für die Ämter brauchen wir diese Angaben. Zudem besteht kein Zwang für die Mieter, alle Felder auszufüllen.»

«Die Frage nach der Konfession ist problematisch», sagt Alma Wiecken (32), Juristin bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. «Bestimmte Glaubensgruppen könnten diskriminiert werden.» Schaeppi versichert, dies nicht zu tun.

Aber Zwang, die Formulare anzupassen

Hat die Verwendung illegaler Formulare Konsequenzen? Francis Meier (35), Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, sagt: «Wir haben uns der Sache angenommen. Sollten die Formulare nach unserer Sicht gesetzeswidrig sein, weisen wir die grossen Firmen in einem ersten Schritt auf ihr Fehlverhalten hin. Sollten sie die fraglichen Formulare in der Folge nicht anpassen, können wir eine Empfehlung aussprechen.» Das bedeutet: Die Firmen könnten zur Anpassung des Formulars gezwungen werden. Folgen sie dann immer noch nicht, kann der Datenschützer vors Bundesverwaltungsgericht ziehen.

Publiziert am 04.11.2016 | Aktualisiert am 10.11.2016
Datenschutzgesetz

Welche Fragen okay sind und welche nicht

Heimatort, genaue Nationalität, Konfession, Zivilstand, Musikinstrument und Kontaktpersonen beim Arbeitgeber. Die meisten Verwaltungen fragen standardmässig nach diesen Informationen. Erlaubt ist dies aber nur in Ausnahmefällen. Meist sind die Fragen illegal. Grund: Sie sind für die «Auswahl geeigneter Mieter nach objektiven Kriterien» nicht relevant. Das schreibt die Eidgenössische Datenschutzkommission in einem Merkblatt. Ob ein Mieter Schweizer oder Ausländer ist, dürfen die Vermieter dagegen wissen. Auch in welche Lohnkategorie er fällt und ob er in den letzten zwei Jahren betrieben wurde.

teilen
teilen
0 shares
21 Kommentare
Fehler
Melden

21 Kommentare
  • Ueli  Sigrist 04.11.2016
    Ohne rassistisch zu denken müssen Mieter in das Umfeld passen! Dazu braucht man genügende Angaben. Rede aus eigener Erfahrung. Hast du einmal Probleme in einer Liegenschaft, so laufen dir die anderen treuen Mieter weg, und mit sozialen oder religiösen nicht zu integrierenden Randgruppen gibt es jahrelange juristische und teure Auseinandersetzungen die man sich sparen kann! Ich wähle meine treuen und gute Mieter selber.
  • Ronald  Schmid aus Miami
    04.11.2016
    Man muss nur sehen wie es in Amerika ist. Zuerst treibt man die Mieter durch die allgemeine Finanz Vetterli Wirtschaft in eine Wohnungs-Notlage, die dann von diesen Gross-Immobilien Verwaltungen total ausgenützt werden. Diese Volksausbeutung und Versklavung ist in Amerika weit fortgeschritten. Der Mensch als, Legehuhn in einer Hühner-Batterie. Zwischen Steuern, Prämien, Miete, illegale „Formulare“, also, zunehmender Freiheitsentzug, wird dieser Gulag perfektioniert.
    • Sharifa  Hirs 04.11.2016
      Ronald Schmid, was hat dies mit dem Bericht zu tun?
      Offenbar ist es mehr Freiheit, wenn nicht jeder selber entscheiden kann wer der Vertragspartner ist. Aber dann sicher sofort in die Medien, wenn man durch einen Anderen geschädigt wird. Aber über das Eigentum anderer kann immer so locker entschieden werden.
  • Sharifa  Hirs 04.11.2016
    Laut unserem Recht muss jeder seinen Vertragspartner prüfen. Jede Bank will für die Eröffnung eines Kautionkontos wissen welcher Nation jemand angehört uns somit bracht der Vermieter diese Info. Für die Nebenkostenvorschüsse zu berechnen, muss die Anzahl der Bewohner bekannt sein. Auch muss ein Ehepartner bekannt sein, wegen der besonderen Kündigungsbestimmungen. Warum sollte ein Vermieter seine Mieter nicht selber auswählen dürfen? Sorry aber dieser Beitrag geht garnicht.
  • Daniela  Styger aus Oftringen
    04.11.2016
    Ich finde, dass man zuviel Wert auf den Betreibungsauszug legt. In der heutigen Zeit ist man so schnell in der Schuldenfalle, vielleicht absichtlich, vielleicht unabsichtlich. Überforderung, persönliche Probleme, Stelle gestrichen etc.
    Was nicht heisst, dass der Mieter dann ein schlechter Mieter wäre... Denn auch wenn ich sonst Schulden habe, der "normalsterbliche" Schuldner schaut auch dann, dass die Miete bezahlt ist und er ein Dach über dem Kopf hat.
    Eher Mietreferenzen einholen.
  • Randy J.  Tomlinson , via Facebook 04.11.2016
    Was Dringend geändert werden muss ist die Sache mit dem Betreibungsauszug. Klar besteht ein Interesse seitens des Vermieters aber hier braucht es klare Regeln. Jemand mit Betreibung muss nicht zwingend ein säumiger Mieter sein. Ich fände es besser dass man Mietreverenzen einholen darf und diesem mehr Gewicht verleiht als einem Betreibungsauszug. Damit kann man nämlich auch Mietnomaden ausschliessen.