Gemüsebauer Filipp Fässler betreibt die erste Plantage nördlich der Alpen Der Marroni-Mann vom Bodensee

GOLDACH - SG - Im Tessin sind die Marroni knapp. Doch nun gibt es eine Alternative: Die Marroniplantage von Gemüsebauer Fässler vom Bodensee.

Marroni-Mann vom Bodensee: Erste Marroni-Plantage nördlich der Alpen play
Filipp Fässler zeigt stolz einen seiner 150 Marronibäume. TOINI LINDROOS

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Im Tessin herrscht Marroni-Notstand. Die mickrige Ernte bringt Produzenten zur Verzweiflung. Im ganzen Kanton wurden bisher erst zwei Tonnen gesammelt, vor zehn Jahren waren es noch 60 Tonnen.

Sollten im Tessin auch künftig die Marroni knapp bleiben, gibt es neu eine Alternative: Marroni vom Bodensee. Gemüsebauer Filipp Fässler (60) aus Goldach SG hat vor einem halben Jahr in der Region Rorschach eine Marroniplantage angebaut – die erste im grossen Stil nördlich der Alpen. «In zwei bis drei Jahren rechne ich mit den ersten Marroni», sagt er und zeigt stolz die prächtig wachsenden Zweige.

Wo genau die Plantage steht, möchte er aber nicht verraten. Aus Angst vor Dieben. Seine Sorgen sind nicht unbegründet: Fässler pflanzte ursprünglich 151 Bäume. «Jemand hat mir einen Baum gestohlen», sagt er. «Mit einem einzelnen Marronibaum wird der Dieb aber nicht reich.»

Marroni-Mann vom Bodensee: Erste Marroni-Plantage nördlich der Alpen play
In spätestens drei Jahren gibt es Marroni aus der Region Rorschach. Toini Lindroos

Ob sich Fässlers Idee auszahlt, ist noch offen. Die Er­träge von Marroniplantagen schwanken. «Ich hörte von Ernten zwischen zehn bis 50 Kilogramm pro Baum.» Kommt es gut, sind dereinst bis zu 7,5 Tonnen möglich. Ein Kilogramm Import-Marroni kostet acht bis zwölf Franken.

Doch bis zur ersten grossen Ernte, müssen die Bäume noch einige Winter überstehen. Und Parasiten überleben. «Ich versuche, möglichst biologisch ­gegen Schädlinge zu kämpfen. Wenn jedoch Mäuse kommen, stelle ich keine Falle auf, sondern stecke eine Pille ins Mausloch.» Unterstützung für die Schädlingsbekämpfung und Aufzucht der Bäume erhält Fässler von der Fachstelle Obstbau des Kantons St. Gallen. «Ich hatte vorher keine Ahnung, wie man Marronibäume hochzieht.»

Eines aber hatte Fässler schon immer: Mut, Neues auszuprobieren. Als junger Gärtner pflanzte er Honigmelonen. Und hatte anfangs Erfolg. Im ersten Jahr wuchsen 500 Pflanzen, im zweiten 1000, im dritten 2500. «Die Melonen schmeckten gut. Der Abnehmer wollte aber andere Sorten.» Diese waren Fässler zu fade, er gab die Melonen­produktion auf.

Die Lage seines Landes ist mit ein Grund, dass er es nun mit Marroni probiert. Unweit der Plantage glitzert der Bodensee. Im Winter gibt er Wärme ab und sorgt für ein optimales Klima. «Beim Spazieren im Wald entdeckte ich einzelne Marronibäume. Da machte es Klick.» Die Idee war geboren.

Mehr Pioniergeist wünscht sich Fässler auch von anderen Bauern: «Unsere regionalen Produkte werden immer mehr von internationalen Exoten bedrängt.» Die Landwirte müssten offener werden. Und Pflanzen anbauen, die aus milderen Regionen stammten. «Tee und Aprikosen wachsen hier prächtig. In den letzten zehn Jahren gab es ja keine harten Winter mehr.» Fässler hofft, dass das so bleibt.

Publiziert am 21.10.2016 | Aktualisiert am 24.10.2016
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3 Kommentare
  • Dieter  Neth aus Trimbach
    22.10.2016
    Bei Kulturen kommt es nicht nur aufs Klima an. Ebenso wichtig sind die Böden. Im tession und Norditalien gibt es eher saure Böden, während an vielen Stellen der Alpennordseite Kalk vorherrscht. Es gibt Pflanzen, die damit nicht zurechtkommen. Am westlichen Jurasüdfuss ist es kaum weniger warm als im Tessin, der Wein wird ja vielerorts auch sehr gut.Aber Esskastanien scheinen sich hier nicht wohlzufühlen.Kiwis dagegen schon.Auch Pfirsiche,Aprikosen und eventuell gewisse Orangenarten sind möglich.
  • Mike  Egger 22.10.2016
    In Goldach gabe es früher schon einen Marroni-Wald, von dem noch heute an verschiedenen Orten einzelne Bäume stehen. Auch diese Früchte werden reif und essbar, sind aber da es sich um wilde Bäume handelt nicht so gross. Bin aber einmal gespannt wie es mit der Plantage weitergeht.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    22.10.2016
    Also der erste ist er nicht grad: Die römischen Legionäre nahmen Edelkastanien mit und wo immer sie stationiert waren, haben sie diese gepflanzt. Zu Zeiten von Aventicum und Augusta Raurica war das Klima allerdings wesentlich milder als heute. Oberförster Kasthofer experimentierte vor 200 Jahren in Interlaken mit Aufforstungen, unter anderem auch mit Edelkastanien. Aber die wurden dort nicht erntereif.
    Dem Filipp Fässler wünsche ich Glück und Erfolg in Marroni-Indien!