Direktzahlungen für Nationalräte Sie sagen, was sie kriegen!

Elf Landwirte sitzen im Nationalrat. Acht geben Auskunft über ihre Direktzahlungen. Drei schweigen.

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Kaum eine Lobby ist in Bern erfolgreicher als jene der Bauern. Jüngstes Beispiel: In der Wintersession kippte das Parlament den Plan der Landesregierung, die Direktzahlungen für Landwirte um 61,1 Millionen Franken zu kürzen. Das Beispiel zeigt: Das bäuerliche Powerplay spielt im Hightechland Schweiz nach wie vor ungebrochen. Während der Bund fleissig spart, erhalten die Bauern auch künftig gleich viel Geld wie bisher, total 2,8 Milliarden Franken pro Jahr.

Elf Landwirte sitzen im Nationalrat. Sie können dort direkt über einen wesentlichen Teil ihres Auskommens mitbestimmen. SonntagsBlick wollte von den vier frischgebackenen Bauern im Nationalrat wissen, wie viel sie an Direktzahlungen für ihre Arbeit 2014 erhielten. Die acht Bisherigen wurden im vergangenen Sommer angefragt. Nicht allen war die Frage genehm.

Der Bündner BDP-Parlamentarier Duri Campell (52) hat kein Problem, die Direktzahlungen offenzulegen. «Ich bin für Transparenz», sagt der Vizepräsident des Bündner Bauernverbands. «Da kann ich doch keine Ausnahme machen, wenn es um den eigenen Sack geht.» Gemeinsam mit einer anderen Familie und einem Angestellten führen die Campells eine Betriebsgemeinschaft in Cinuos-chel, in der Oberengadiner Gemeinde S-chanf.

Insgesamt bewirtschaften sie eine Nutzfläche von 67 Hektar auf 1650 Meter Höhe. Dazu kommen neun Milchkühe, 15 Mastkälber und 80 Aufzuchttiere. Dafür erhielt der Betrieb 2014 181 250 Franken Direktzahlungen, etwa zwei Drittel des gesamten Umsatzes. «Wir Bauern erbringen eine Leistung, auf die wir stolz sein können», betont Campell. Wer die Subventionen in der Schweizer Landwirtschaft kritisiere, solle sich nur einmal in den Nachbarländern umschauen. In Sachen Umwelt- und Tierschutz seien die Schweizer Landwirte Weltmeister. «Das kostet aber», so Campell.

Ähnlich offen gibt sich der Freiburger SVP-Nationalrat Pierre-André Page (55). Der Bund unterstützte seinen Hof mit Fr. 58 153.20. Vom Betrieb leben zwei Familien, erklärt Page, vier Erwachsene würden die Arbeit auf dem Hof in Châtonnaye FR gemeinsam verrichten. Die 45 Kühe des Betriebs geben jährlich rund 365 000 Kilogramm Milch, die zur Herstellung von Greyerzer und Vacherin dienen.

Zugeknöpfter reagieren zwei Parteikollegen von Page. Marcel Dettling (34, SZ) und Jacques Nicolet (50, VD), beide im Herbst in die grosse Kammer gewählt, wollen nicht preisgeben, wie viel ihnen der Staat jährlich für ihre Leistungen bezahlt. Das sei persönlich, sagt Nicolet. Immerhin erklärt er, dass die Direktzahlungen rund 15 Prozent des Umsatzes des Betriebs ausmachen, den er gemeinsam mit seinem Sohn bewirtschaftet.

Bereits im Sommer hat SonntagsBlick die bisherigen Parlamentarier angefragt (siehe Box). Darunter auch den neuen Bundesrat Guy Parmelin (56, SVP), welcher 2014 rund 67 000 Franken erhielt. Von den altgedienten Bauernpolitikern ziert sich bis heute nur ein einziger, seine Bücher offenzulegen: Der langjährige Präsident des Bauernverbands Hansjörg Walter (64, SVP). Auf seiner Homepage weise er die Grösse seines Hofs schliesslich aus, so der Thurgauer. Dennoch: Wie viel Landwirt Walter an Bundesgeldern erhält, behält er nach wie vor lieber für sich.

Publiziert am 03.01.2016 | Aktualisiert am 03.01.2016
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56 Kommentare
  • Geraldine  Häusermann aus Mühlethal
    04.01.2016
    Warum ist kein linker Bauer dabei? Weil sehr selten ein linker in der Landwirtschaft tätig ist? Macht Arbeit eigentlich Müde?!
  • Hermann  Kuch aus Uznach
    04.01.2016
    Kann mir jemand den Schlüssel erklären, wie solch gewaltige Unterschiede berechnet und ausbezahlt werden ?
  • Reto  Steinauer , via Facebook 04.01.2016
    Und bald sind wir so weit, dass es im Haus und Stall einen Büroraum braucht, auch dies sind effektive kosten welche uns die Regierung aûfzwingt.
  • Reto  Steinauer , via Facebook 04.01.2016
    Gebäudekosten, Maschinenkosten, obligatorische Versicherungen, Stromkosten, Wasserkosten, Pachtzinse für Land, Hypotheken weil man einen Betrieb auch nicht einfach so geschenkt bekommt. Auch ein Tier benötigt mal eine Arzt und nicht nur wir Menschen. Investitionskosten, damit ein Betrieb überhaupt noch wirtschaftlich/zeitgemäss arbeiten kann oder denkt Ihr, dass in der freien Marktwirtschaft auch noch alles mit Pferd und Wagen geht Jetzt könnt Ihr ja selber rechnen, wie viel noch übrig bleibt!
    • Thomas  Winistörfer aus Deitingen
      04.01.2016
      Die Daumen runter sind von welchen Personen und warum, da würde auch Transparenz etwas Licht ins "liken" bringen...
  • Roman  Durrer 03.01.2016
    Von diesen 2.8 Milliarden wird ein grosser Batzen abgezweigt, nur für Angestellte die übermässig Kontrollen etc. machen. Viele klagen hier sie verdienen weniger als die Bauern bekommen. Da frage ich euch was müsst ihr mit dem Geld unterhalten? Kk, Steuern, eure Familie? Wir Bauern auch. Aber habt ihr auch teure Maschinen und deren Wartung zu bezahlen. Müsst ihr am Arbeitsplatz den PC etc. selber zahlen? Nein! Wir halt eben schon. Bauer ist ein 24/7 Job und nicht 40h woche mit 20 Ferientagen