BLICK fährt mit Flixbus billig von Zürich nach Genf – trotz Verbot! Chauffeur: «Ich bin doch kein Polizist»

ZÜRICH/GENF - Seit heute hat Flixbus eine neue Linie im Programm: Von Konstanz (D) nach Lyon – mit Stopps in Zürich, Bern, Lausanne und Genf. Der Verdacht: Fahrgäste nutzen die Linie zum Reisen ausschliesslich in der Schweiz, was verboten wäre. Wir machten den Test.

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Seit heute greift der Fernbus-Riese Flixbus auf der SBB-Paradestrecke an: von Konstanz (D) nach Lyon (F) ab 19.50 Franken – mit Stopps in Zürich, Bern, Lausanne und Genf. Bei den SBB würde die einfache Fahrt von Zürich nach Genf allein schon 87 Franken kosten (ohne Halbtax).

Warum also nicht in der Limmatstadt einsteigen und in der Romandie wieder aussteigen? Der Knackpunkt: Das sogenannte Kabotage-Verbot. Ausländische Bus-Linienbusanbieter dürfen in der Schweiz keine reinen Inlandsverbindungen anbieten. Flixbus hält sich daran – in der Theorie. Darum verkauft die Firma ab Zürich Bus-Tickets nach Lyon, aber keines bis Bern, Lausanne oder Genf.

 

BLICK nutzte die Fernbus-Premiere für einen Test. Werden in der Schweiz zugestiegene Fahrgäste gehindert, wenn sie vor der französischen Grenze aussteigen? Erstaunlich: Keiner der Fahrgäste hat das Billig-Angebot zwischen Zürich und Genf genutzt! Die Ausnahmen: der BLICK-Reporter selbst – und ein zweiter Journalist von Radio SRF, der in Lausanne ausstieg. Der Chauffeur verabschiedete sich auf dem Genfer Carparkplatz sogar noch freundlich.

Los ging es am Freitagmorgen in Zürich. Angekommen im nebligen Zürich spuckt der giftgrüne Fernbus drei Passagiere aus, die in Konstanz eingestiegen sind. Alle zehn, die einsteigen, bleiben bis Frankreich sitzen. Genauso wie die fünfzehn, die in Bern und Lausanne noch dazukommen.

«Ich bin doch kein Polizist»

Gefragt, ob er wirklich Gäste festhalten würde, antwortet der Flixbus-Chauffeur: «Ich bin doch kein Polizist. Ich stelle mich keinem in den Weg.» Bei der Flixbus-Pressestelle heisst es dazu: «Einen Fahrgast festzuhalten oder die Türen zu schliessen, wäre Nötigung.» Die Praxis ist also: Die Passagiere können aussteigen, wo sie wollen.

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Weit hinten im Bus sitzt Jasmin Mittner (24), in Zürich zugestiegen. Die Studentin sagt: «Ich wusste gar nicht, dass das eine neue Strecke ist. Und dass ich nicht in der Schweiz aussteigen darf, auch nicht.» Wie hätte sie es auch mitkriegen sollen? Flixbus hat in den Medienberichten im Vorfeld zwar angekündigt, die Fahrgäste im Bus darauf aufmerksam zu machen. Doch es hängt nur ein A4-Papier als Warnung neben der Vordertüre. Auf Kniehöhe, so, dass es keinem Passagier auffällt.

Kein Hinweisen auf das Aussteige-Verbot

Der Fahrer verweist bei seiner Begrüssung zwar auf die Gurt-Pflicht, nicht aber auf das Aussteige-Verbot.

Mittner besucht ihren Freund, der in Marseille studiert. In Lyon steigt sie auf den nächsten Fernbus um. «Die Reise dauert so zwar viel länger als mit dem Zug, aber ich spare mehr als 200 Franken.» 

Es ist das Top-Argument für Flixbus und der Grund, warum vor allem junge Leute im Bus sitzen. Spricht sich herum, dass Zürich-Genf weniger als ein Zwänzgernötli kostet, werden die Busfahrer wohl noch viel öfter ein Auge zudrücken müssen.

Publiziert am 28.10.2016 | Aktualisiert am 10.11.2016
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32 Kommentare
  • Frank  Metzger 11.11.2016
    Moment, das heisst man will uns vorschreiben wo und wann wir einzusteigen haben? Hab nicht mal gewusst dass es diese Busse gibt, werde ich ab jetzt auch nutzen. Man braucht ja fast Finanzpolster eines Trump um sich die S... SBB überhaupt noch leisten zu können.
  • Karl  Meyer aus Bern
    29.10.2016
    Ich habe letztens meine Ticket an der Sempacherstrasse 10 in Basel gekauft. Alles schnell, ich bin Happy. Sicherlich telefoniert der Lokführer während der Fahr aber die Medien bekommen nicht mit , oder wollen nicht mitbekommen. :-)
  • Marco  Weckerle Palomino , via Facebook 29.10.2016
    Hört doch mal auf immer mit dieser Hetzjagt gegen Busunternehmen. In vielen Länder kann man wählen zwischen Bus und Zug. Nur bei uns natürlich nur Zug, damit man den teuren Preisen nicht ausweichen kann. Aber warum sollten wir auch? Für die Politik verdient ja so oder so jeder 6000 im Monat.
  • Taron  Kissi , via Facebook 29.10.2016
    ich finde es lustig, dass die medien darüber berichten.... Niemand weiss von dem günstigen Angebot, wenn es nicht die Medien wären...

    Zuerst wird allen gesagt, dass man das kann, um dan später zu sagen, dass Flixbus was illegales macht.... logik?
  • Urs  Hagen 29.10.2016
    Völliger Blödsinn, wenn ein Buschauffeur den Passagier festhält ist das Freiheitsberaubung. Wäre die SBB ein privates oder gar ausländisches Unternehmen würde kein Mensch sich darum kümmern. Ein Monopol verhindert hier den freien Personenverkehr in der Schweiz. Monopol, Kartelle, Absprachen, Korruption und sonstige Machenschaften bestimmen hier die Aktion.