850 Mio weg, 200 Jobs futsch, 80 Betriebe zu Garagisten pfeifen aus dem letzten Auspuff

Die Schweizer Autobranche bläst trotz Rekordverkäufen Trübsal. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses mussten die Händler die Preise bis zu 20 Prozent senken und verloren so insgesamt 850 Millionen Franken Umsatz.

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Seit 16 Jahren wurden in einem Juli nicht mehr so viele neue Autos zugelassen wie im Juli 2015. Doch statt die Korken knallen zu lassen, bläst die Schweizer Autobranche Trübsal. Obwohl sie Monat für Monat Verkaufsrekorde knacken, verdienen Importeure, Händler und Garagisten so gut wie nichts mehr.

«Wenn man die Neuzulassungen anschaut, sieht es wunderbar aus, doch im Hintergrund ist die Situation ganz anders», sagt Diego Battiston (50), Chef von Hyundai Schweiz. «Die Gewinnmargen sind in der ganzen Branche gesunken. Es leiden alle.»

Wie kann das sein? Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar schraubten alle Importeure die Preise runter. Sie mussten, weil es sich sonst für die Kunden plötzlich gelohnt hätte, Autos im Ausland einzukaufen. Mit Rabatten bis 20 Prozent verhinderten die Händler zwar, dass ihre Kunden ennet der Grenze untreu wurden, doch gleichzeitig verlor ihre Ware auf einen Schlag ein Fünftel an Wert.

Der Branchenverband Auto-Schweiz schätzt, dass sich 850 Millionen Franken Umsatz in Luft auflösten.

Seit einem halben Jahr können sich Autoverkäufer ihre Gewinnmargen ans Bein streichen. Jetzt zehren sie von den Reserven, stoppen Investitionen, reduzieren das Marketing und bauen Jobs ab. Laut Auto-Schweiz verschwanden bei den Importeuren bis heute 200 Arbeitsplätze.

Am stärksten leiden aber die kleinen Garagen. Die meisten sind gleichzeitig Vertreter und leiden darum doppelt: Die Importeure geben ihnen nicht nur die Preissenkungen durch, sondern diktieren auch noch unnötige Auflagen. «Uns wird regelmässig vorgegeben, wie der Showroom neu gestaltet werden muss», klagt René Degen (59) von der Gorenmatt-Garage in Binningen BL. «Das sind hohe Investitionen, die wir nun nicht mehr tragen können.»

Schon 80 Kleingaragen mussten seit Januar dichtmachen, wie der Autogewerbeverband (AGVS) nachgezählt hat.

Degen, seit 32 Jahren Nissan-Händler mit sieben Angestellten, sieht schwarz: «Wir spüren langsam, dass der Verkauf harzt. Nach dem Frankenschock haben viele zugeschlagen und den Autokauf vorverschoben. Aber das ist jetzt vorbei.» Bislang musste er keinem Angestellten kündigen. «Ich hoffe einfach, dass meine Kunden nicht irgendwann auf die Idee kommen, ihr Auto in Deutschland reparieren zu lassen.»

Bei den Occasionshändlern sieht es nicht besser aus. «Wir kämpfen und müssen die Preise radikal senken», sagt Carmine Langone (49), Geschäftsführer von Auto Schiess in Volketswil ZH.

Die Hälfte seines 700 Autos starken Angebots sind Gebrauchtwagen. Zwar kauft er diese in der Schweiz ein, doch auch sie haben durch den Frankenschock 15 Prozent an Wert verloren. Nach den Ferien will Langone «aufräumen», wie er sagt. «Wir haben die Preise bereits um 20 Prozent gesenkt und gehen nochmals in der gleichen Grössenordnung runter.»

Es bleibt ihm nichts anderes übrig. Er muss die Fahrzeuge jetzt loswerden, selbst wenn er am Ende noch draufzahlt.

Publiziert am 06.08.2015 | Aktualisiert am 06.08.2015
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153 Kommentare
  • benny  osterwald 07.08.2015
    Hier jammert lediglich ein Gewerbezweig,der seit Jahrzehnten davon profitiert,dass er die normalen Bürgen gnadenlos abzockt!Ein Liter Oel wird im Service zu Preise von mehr als 30 Franken verrechnet und kostet im Einkauf im EU Raum weniger als 6 Franken.Eine Lichtmaschine kostet im EU Raum um die 80 Franken und wird für mehr als 800 Franken verrechnet.Sämtliche Autogeneralimproteure sind Multimillionäre.Stopp dem EU Parallelimport - Jammern und beginnt endlich wirtschaftlich zu arbeiten!
  • Andreas  Egli , via Facebook 06.08.2015
    Kennt jemand einen Generalimporteur für Autos der nicht Milliardär ist?
  • William  Quispe aus Bellinzona
    06.08.2015
    Mal langsam. Die Autohändler haben nicht 850 Millionen verloren, sondern uns um Milliarden betrogen. Bis endlich eine Korrektur erfolgte.
  • john  meier 06.08.2015
    jetzt ist das gejammer gross.wenn man zurückblickt wie die konsumenten in der schweiz von den importeuren richtiggehend jehrelang aufs übelste abgezockt wurden.bei einem neuwagen von 40000 fr bekam man vielleicht 3-4 Prozent rabatt.jetzt kommt die retourkutsche.alle autoimporteure verdienten sich bis anhin eine goldene nase.wie war das mit der ERB gruppe dessen besitzer residierte in einem riesigen schloss und scheffelte milliarden
  • Max  Marillo 06.08.2015
    Hatte kürzlich einen nicht zu reparierenden Steinschlag in meiner Frontscheibe. Offert-Anfrage hier bei Carglass: wir geben keine Auskunft am Telefon, bitte schicken sie uns eine schriftliche Anfrage per Mail. OK, vergesst es. Anfrage dann bei meinem BMW Händler. Antwort: kostet ca. 1500.- und wenn der sagt ca. 1500.- kostets am Ende in der Regel eher 1800.-. Anruf an eine Kleingarage gleich ennet der Grenze: EUR 500.- alles inkl.
    Sorry, aber da musste ich nicht lange überlegen...