66 Prozent mehr Anrufe beim Sorgentelefon Die Job-Angst der Eltern ist die Not der Kinder

Kinder greifen vermehrt zum Sorgentelefon. Doch nicht nur wegen Stress in der Schule und Beziehungsproblemen. Denn immer häufiger sind Arbeitslosigkeit der Eltern der Grund.

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Job-Ängste der Eltern können bis zu den Kleinsten durschlagen.

Keystone

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Diese Zahlen machen betroffen: 7294 Mal klingelte das Sorgentelefon für Kinder im vergangenen Jahr. Das sind 2900 Mal mehr als im Vorjahr – ein Plus von 66 Prozent! Und so viel wie seit Jahren nicht mehr. Denn seit 2004 nahm die Zahl der Anrufer stetig ab bis zum Jahr 2014.

Neben Beziehungsproblemen und Stress in der Schule lasse die Angst vor einer Arbeitslosigkeit von Mutter und Vater vermehrt Kinder zum Sorgentelefon greifen, sagt Daniel Peyer (39), der die Zahlen exklusiv für BLICK auswertete. «Die Kinder spüren die Anspannung ihrer Eltern, wenn diese zum Beispiel ihre Stelle verlieren», erklärt der stellvertretende Geschäftsleiter der gemeinnützigen Institution weiter. Sie berät seit 1978 Kinder in Krisensituationen. Das Durchschnittsalter der Anrufer liegt zwischen neun und 15 Jahren.

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt jagt eine Hiobsbotschaft die andere. Alstoms Ankündigung Mitte Januar, im Aargau 1300 Stellen zu streichen, erschütterte die Schweiz. Es folgten zuletzt Credit Suisse mit  insgesamt 4000 und Swisscom mit 700 Stellenstreichungen. Im letzten Jahr hatten bereits zahlreiche Arbeitnehmer ihre Stelle aufgrund von Werksschliessungen, Firmenaufgaben oder Verlagerungen ins Ausland verloren. Ende Dezember suchten 220'000 Menschen in der Schweiz Arbeit. Das sind so viele wie zuletzt im April 2010, kurz nach der Finanzkrise. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote kletterte 2015 um weitere 0,1 Punkte auf neu 3,3 Prozent.

Im jüngsten Sorgenbarometer der Credit Suisse figuriert die Sorge um den Arbeitsplatz bei den Erwachsenen auf dem ersten Platz. Renato Meier (56) von der Familienberatung (Fabe) in Basel weiss, dass Ängste der Eltern bis zu den Kleinsten durchschlagen können. Und die zweithäufigste Sorge, gleich nach Erziehungsproblemen, bildet bereits das Geld. «Finanzielle Probleme können eine Krise in der ganzen Familie auslösen», so Meier.

Zu denken gibt darum die Prognose des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Dieses geht nämlich davon aus, dass im laufenden Jahr noch mehr Menschen ihren Job verlieren werden. Auch Junge bleiben davon nicht verschont. Die Jugendarbeitslosigkeit stieg letztes Jahr ebenfalls auf 3,3 Prozent.

Keine tröstenden Worte findet Johann Schneider-Ammann. Es werde wohl noch viele schlechte Nachrichten geben. Der «NZZ am Sonntag» sagte der Wirtschaftsminister knapp: «Wir müssen da durch.»

Publiziert am 08.02.2016 | Aktualisiert am 08.02.2016
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  • Stefan  Meili 08.02.2016
    Das Kapital soll der Wirtschaft dienen und die Wirtschaft soll den Menschen dienen. Es ist aber genau umgekehrt!
    Leicht liesse sich dieser Fehler beheben und eine Welt erschaffen in der alle Arbeit und Brot haben, ohne sich um die Existenz Sorgen zu müssen. Aber es gibt "Menschen" in der Machtpyramide, die das NICHT wollen! Wir werden mit Angst & Sorgen regiert, mit Teile & Herrsche. Leider glauben immer noch viele, dies sei alles alternativlos - doch das stimmt nicht!
  • jürg  frey aus teufen
    08.02.2016
    Wer braucht denn schon Arbeit, heute reicht doch ein Smart-Phone!
  • Rocky  Stall aus Wiesendangen
    08.02.2016
    Na ja, Rechnen ist wohl Glückssache 40 Prozent (2900 : 7294). Man sieht schon an der Zahl an sich, dass es weniger als die Hälfte sein muss. Aber eben, Journalisten und die Masse "frissts". Typisches Beispiel, wie falsche Zahlen aufgetischt werden - von "gebildeten Journalisten". Traurig ist das Ganze (Inhalt der Story) jedoch so oder so.
    • Patrick  Brink 08.02.2016
      Rechnen scheint vor allem nicht ihre Stärke zu sein:
      7294-2900 = 4394
      2900/4394 = 0.659 Was ziemlich genau eine Zunahme von 66 Prozent im Vergleich zu vorher macht.

      Peinlicher Kommentar den sie da verfasst haben.
  • alois  Leimgruber aus Villmergen
    08.02.2016
    Was habe ich da gehört von einer CEO, dass wir die Asylanten schnell in den Arbeitsmarkt integrieren müssen, fragt sich nur auf Kosten von wem ?
    • andi  Matata 08.02.2016
      es gibt tausende von Arbeitsplätz, für die Wir SCHWEIZER + SCHWEIZERINNEN ZU SCHÖN SIND.
      Dann gibt es noch Lehrstellen, welche vo unseren VERWÖHNTEN Kinder NICHT BESETZT WERDEN, da sehe Ich die Möglichkeiten.
  • David  Brunner aus Wetzikon
    08.02.2016
    Kinder neigen dazu, Schuld auf sich zu laden, ohne dass sie damit etwas zu tun haben, geschweige denn etwas ausrichten könnten. Kinder sollten den Alltag frei als Kind erleben dürfen und fern gehalten werden von Sorgen und Nöten der Erwachsenen. Die vielen Alleinerziehenden sind prädestiniert und belasten die Kinder viel zu oft mit jedwelchen Erwachsenenproblemen, wohl weil sie als Alleinerziehnde eher davon betroffen sind, andererseits und wesentlich, weil ihnen der erwachsene Partner fehlt.
    • Sarah  Keller 08.02.2016
      Kann nicht besser gesagt werden!
    • andi  Matata 08.02.2016
      Das mit den ALLEINERZIEHENDEN! ist so eine Sache, verwitwete und geschiedene JA. ABER es gab oder es gibt immer noch Frauen, DIE WOLLEN EIN KIND! Aber keinen Partner, bei diesen EGOISTINEN hält sich mein Mitleid in grenzen und wenn, DANN NUR FÜR DIE KINDER.