Zürcher Polizisten sollen Afrikaner Wilson A. (43) verletzt haben «Staatsanwältin wollte Prozess abwürgen»

ZÜRICH - Laut Staatsanwaltschaft schlugen Polizisten auf Wilson A. ein und beschimpften ihn. Er fürchtete um sein Leben, sagt er im Prozess. Der Richter will jetzt darüber entscheiden, ob die Anklage verschärft werden soll.

Prozess um Zürcher Polizeigewalt: Staatsanwältin verhinderte Prozess play
Die angeklagten Polizisten finden, sie hätten sich angemessen verhalten. Keystone

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Die Polizisten bleiben dabei: Als das Zürcher Bezirksgericht sie heute befragte, sagten die Beamten, dass sie den Afrikaner Wilson A. (43) und seinen Bekannten nur kontrollieren wollten. Beim anschliessenden Gerangel hätten sie ihn weder gewürgt noch hart geschlagen.

Die Beamten gaben zu, Pfefferspray, Schlagstock und «rohe Körperkraft» eingesetzt zu haben, um den Mann schliesslich verhaften zu können. Von einer «Gewaltorgie», wie der Anwalt des Klägers den Vorfall bezeichnet, wollen sie aber nichts wissen.

Mit seinem Kollegen war Wilson A. am 19. Oktober 2009 im Tram durch Zürich gefahren. Bei der Haltestelle Werd stiegen Polizisten ein. «Sie wollten die Ausweise sehen», sagt A. «Wir fragten, warum? Ob es daran liege, dass wir schwarz seien.» Danach artet die Situation aus. So sehr, dass die drei Polizisten heute vor Gericht standen. Sie sind wegen einfacher Körperverletzung und Amtsmissbrauchs angeklagt.

Harte Kritik an der Staatsanwältin

Ein Skandal, meinte Wilsons Anwalt am Vormittag: Sieben Jahre habe der Geschädigte darum gekämpft, dass eine Anklage wegen Gefährdung des Lebens zustande komme. Und dann habe die Staatsanwältin eine einfache Körperverletzung daraus gemacht. Ein Delikt, das im Oktober verjährt sei. Die Staatsanwältin habe «mit allen Mitteln und Tricks versucht, dieses Verfahren wegen Gefährdung des Lebens abzuwürgen», sagte der Verteidiger. «Mein Mandant wurde bei diesem Übergriff beinahe umgebracht.»

Laut Anklage spielte sich der Vorfall wie folgt ab: Die Polizisten forderten die Männer auf, das Tram zu verlassen. A. bat, nicht angefasst zu werden – er sei herzkrank, trage einen integrierten Defibrillator. Kaum aus dem Tram, habe er Pfefferspray abbekommen.

«Alle drei Beschuldigten traktierten den Privatkläger mit Schlägen.» Er sei gewürgt und in Handschellen gelegt worden. Einer der Polizisten soll geschrien haben: «Scheiss-Afrikaner, geh zurück nach Afrika.» Der Anwalt bezeichnete das Vorgehen der Justiz als «totale Entrechtung der meist ausländischen Opfer von Polizeigewalt».

Wilson A. erlitt unter anderem einen gebrochenen Lendenwirbel, Prellungen im Gesicht und am Hals, eine Zerrung am Oberschenkel und eine ernsthafte Knieverletzung, die er operieren lassen musste.

Am Nachmittag entschieden nun der Richter, dass sie sich in den kommenden Tagen überlegen werden, ob die Anklage auf Gefährdung des Lebens geändert wird. Der Prozess ist in der Zwischenzeit unterbrochen.

*Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 21.11.2016 | Aktualisiert am 29.11.2016
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56 Kommentare
  • Frank  Weis aus Uster
    22.11.2016
    Für alle die gegen die Polizei sind: wenn ihr so weiter macht, wird niemand mehr für die Polizei arbeiten wollen. Wo ist das Problem auf verlangen den Ausweis zu zeigen? Anweisungen der Polizei ist folge zu leisten. Je härter die Gegenwehr desto schlimmer die Verletzungen. Man sieht eindeutig den fehlenden Respekt von Herrn Wilson. Er ist nur ein Mensch wie jeder andere.
  • Daniela  Ponti 22.11.2016
    Wir leben in einem "Rechtsstaat", bin total dafür dass fair Recht gesprochen werde. Doch ich bleibe bei meiner Meinung: ich habe den falschen Pass. Ich kann nicht tun und lassen was ich will und erhalte auch keinen Gratisanwalt. Diese Anwälte lieben es ein Riesentheater zu machen zugunsten ihren Klienten - und deren Aufenthaltsstatus. Und dafür lassen sich dann auch noch gehörig aus der Staatskasse bezahlen. In der Schweiz wird nicht mit gleichen Ellen gemessen. Mir tun die Polizisten leid.
  • Mike  Krüger 21.11.2016
    Dass Staatsanwälte und Staatsanwältinnen gerne mal die Grenzen des Rechts ausloten, ist Alltag. Jeder, der schonmal unter Beschuss von der Staatsanwaltschaft stand, weiss das. Nur belangt werden können sie so gut wie gar nicht und ein Gang an die Öffentlichkeit schadet mehr der Person, als der Staatsanwaltschaft.
  • Alexander  Schmieden aus Muri
    21.11.2016
    Das die Staatsanwaltschaft diesen Fall "von der Backe" haben will, ist allzugut verständlich, aber nicht korrekt. Viele Polizisten sind nun mal nicht farbenblind. Will heissen : " Langen wir mal ein bisschen härter zu. Es trifft bestimmt den Richtigen. Wir müssen nur bis zu Letzt Stein und Bein schwören, das das alles so nicht stimmt und die Aggression vom Kläger aus ging. Dann hat er eh keine Chance."
    Es wäre toll, wenn Justitia die Augenbinde anlässt.
  • Urs  Hagen 21.11.2016
    War diese Staatsanwältin vorher in Chur, da wurde ein Verfahren gegen einen Nachbarn der extra eine Kettensäge kaufen musste um unsere Bäume um zu hacken eingestellt weil er vielleicht etwas falsch verstanden hätte. Zusätzlich bekam er noch ein paar Tausend Entschädigung. Da fragt man sich dann über eine Staatsanwaltschaft, denn eingestellt ist eine unmögliche Entscheidung wenn es geschädigte Personen gibt.