Neues Urteil für Schütze vom Niederdorf: Neonazi Sebastien N. wird doch nicht verwahrt

ZÜRICH - Während eines Streits schoss Sebastien N.* (29) seinem Opfer aus unmittelbarer Nähe in den Oberkörper. Er sollte deshalb verwahrt werden. Nun hat das Obergericht das Urteil revidiert.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Rentner wollte Strasse überqueren Velofahrer (44) fährt Fussgänger (†82) tot
2 Rentner wollte Strasse überqueren Velofahrer (44) fährt Fussgänger...
3 «Bitte nicht nachmachen» Jetzt spricht der Zürcher Roofer (14)

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
22 shares
10 Kommentare
Fehler
Melden

Der Neonazi Sebastien N.*, der 2012 im Zürcher Niederdorf einem Mann in die Brust geschossen hat, wird doch nicht verwahrt.

Das Zürcher Obergericht hat heute die vom Bezirksgericht verhängte Freiheitsstrafe zwar um zwei auf 14 Jahre erhöht. Die Verwahrung hob es jedoch auf.

Anwalt legte Berufung ein

Das Bezirksgericht Zürich hatte den damals 27-Jährigen im Juni 2014 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe und anschliessender Verwahrung verurteilt.

Der Verteidiger des Mannes legte gegen das Urteil Berufung ein. Er wehrte sich damit vor allem gegen die Verwahrung.

Ein psychiatrisches Gutachten hatte eine überdurchschnittliche Rückfallgefahr des in seiner Persönlichkeit gestörten Täters festgestellt. Auch ein zweites Gutachten bestätigte jetzt das grosse Rückfallrisiko und empfahl eine stationäre Massnahme.

Allerletzte Chance

Das Obergericht gab dem Beschuldigten jedoch noch eine allerletzte Chance und sah von einer Verwahrung ab, unter anderem weil der Mann noch relativ jung ist.

Stattdessen muss der Täter nun während des Strafvollzugs eine ambulante Psychotherapie machen.

JUSTIZ, PROZESS, BERUFUNG, BERUFUNGSPROZESS, NAZI, NEO-NAZI, RECHTSRADIKALER, play
Neonazi Sebastien N. wird nach dem Prozess am Obergericht abtransportiert. Keystone

Das Strafmass hob das Obergericht nun aber wegen der Schwere der Tat auf 14 Jahre an. Die Staatsanwaltschaft hatte wie vor Bezirksgericht 15 Jahre gefordert.

Die Verteidigung hatte die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils und stattdessen vier Jahre Gefängnis und eine ambulante Massnahme wegen vorsätzlicher Körperverletzung verlangt.

Dem Opfer muss der Verurteilte eine Genugtuung in Höhe von 18'000 Franken zahlen.

In die Brust geschossen

Sebastien N. hatte im Mai 2012 während eines Streits vor einer Bar einem 26-jährigen Gesinnungsgenossen aus nächster Nähe in die Brust geschossen.

Der Neonazi flüchtete daraufhin nach Deutschland, wo er zwei Tage später verhaftet und später an die Schweiz ausgeliefert wurde. Das Opfer überlebte den Lungendurchschuss dank einer Notoperation.

Vor dem Bezirksgericht hatte der Täter Notwehr geltend gemacht, weil er von seinem Kontrahenten mit einer Bierflasche beworfen und attackiert worden sei.

Das Gericht nahm dem Angeklagten diese Version jedoch nicht ab und wertete die Tat als versuchte vorsätzliche Tötung. Der Beschuldigte habe gezielt und bewusst aus nächster Nähe geschossen. (bau/SDA)

Publiziert am 04.03.2016 | Aktualisiert am 04.03.2016
teilen
teilen
22 shares
10 Kommentare
Fehler
Melden

10 Kommentare
  • Beat  Albrecht aus Neuenhof
    05.03.2016
    Genau so sehen Bagatelldelikte und Härtefälle aus - für ein solches Verbrechen und bei dem der Psychologe erst noch von starkerRückfallgefahr ausgeht, gehört ohne wenn und aber die lebenslange Verwahrung ausgesprochen! Warum nennt Blick nicht den Namen des Richters? Wohl zu seinem Schutz! Ich fordere schon seit Jahren eine massive Verschärfung des Strafrechts. Die Schweizer Justiz ist ein Witz! Auch hier Täterschutz statt Opferschutz!
  • sandro  bisig 05.03.2016
    hört doch auf, Resozialisierung... der typ hatte x Chancen ! Zum Höhepunkt hat er fast jemand ermordet..... irgendwie sollten die gut menschen hier mal so eine Erfahrung machen, auch wenn ich niemandem etwas böses gönne, solche aussagen sind mehr als lächerlich. schön wäre es wenn man diesen Tätern gar keine platform geben würde und lieber eine news für das oder die Opfer machen würde mit einem Spendenkonto. opferschutz heisst das wort und nicht täterschutz !
  • Jsa  Sigron aus Schangnau
    04.03.2016
    Das Urteil ist ein Armutszeugnis der Richter! Sollte aber doch was passieren, sind die vermutlich schon längstens in Rente und keiner kann sie zur Rechenschaft ziehen! Wann werden Richter endlich für Ihre Fehlentscheide zur Kasse gebeten?
    Der Typ MUSS verwahrt werden, der ist gemein gefährlich!!!
  • Manfred  Schnyder aus Wanzwil
    04.03.2016
    Aha, relativ jung muss man sein nicht verwahrt zu werden.
    Schöne Gesetze
  • sandro  müller 04.03.2016
    Wow 2 meldungen ähnlicher art an einem tag. Grosse rückfallgefahr, zweites gutachen, grosse rückfallgefahr....aber das obergericht gab dem täter eine allerletzte chance....bin ich einfach zu doof um es zu begreiffen?