Experimente mit Zauberpilzen Uni organisiert Drogencamps!

ZÜRICH - Die Uni Zürich suchte in den letzten Wochen 10 Freiwillige, die für Versuchszwecke Drogen schlucken. In einem abgelegenen Haus auf der Rigi sollten die Probanden «Zauberpilze» für wissenschaftliche Zwecke zu sich nehmen.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Wegen Terror-Angst Zürcher Schule streicht Sprachreise nach Montpellier
2 Schon wieder! Mann (57) fällt vom Motorboot ins Wasser
3 Wegen Terror-Angst Zürcher Schule streicht Sprachreise nach Montpellier

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
137 shares
13 Kommentare
Fehler
Melden

Der Aufruf der Universität Zürich klingt so gar nicht wissenschaftlich: «Sind Sie erfahren in Meditation? Haben Sie keine oder wenig Erfahrung mit bewusstseinsverändernden Substanzen?»

So suchte die Bildungsstätte in den letzten Wochen Freiwillige, die für Versuchszwecke Drogen schlucken. Konkret geht es um den Wirkstoff Psilocybin.

Er ist enthalten in Zauberpilzen, auch bekannt als Magic Mushrooms. Laut Betäubungsmittelgesetz sind sie illegal. Zauberpilze lösen Halluzinationen und Bewusstseinsveränderungen aus, ähnlich wie LSD.

BLICK weiss: Im Dezember und anfangs März fährt jeweils eine zehnköpfige Gruppe für eine Woche in das Begegnungszentrum Felsentor. Das Haus steht auf der Rigi oberhalb des Vierwaldstättersees, abgelegen auf 1130 m ü. M.

Dort werden die Probanden von einem Zen-Lehrer begleitet. Sie meditieren – und schlucken Psilocybin. So wollen die Zürcher Forscher herausfinden, ob die Einnahme in Kombination mit Meditation ein mystisches Erlebnis auslöst.

Der SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi (67), Mitglied der parlamentarischen Gesundheitskommission, ist schockiert: «Drogen benebeln die Wahrnehmung und verwischen die Realität. Solche Versuche sind einfach nur leichtsinnig.»

Die Drogen-Camps brauchten eine Bewilligung des Bundesamtes für Gesundheit. Dort will man jedoch «keine Informationen über laufende Ausnahmebewilligungen» erteilen.

Kopfschütteln bei SVP-Bortoluzzi

Toni Bortoluzzi lässt das nicht gelten. Für die nächste Session plant er einen Vorstoss: «Diese Studie ist absurd. Mystische Erlebnisse kann man auch haben, wenn man in die Kirche geht.»

Leiter der Drogen-Camp-Studie ist Franz Xaver Vollenweider (60). Er ist Professor für Psychiatrie und arbeitet an der Zürcher Klinik Burghölzli. «Wir erforschen die Wirkung von Psilocybin und verwandten Stoffen auf neurobiologische Prozesse im Gehirn seit über 20 Jahren», sagt der Wissenschafter.

Die Meditations-Retreats auf der Rigi seien allerdings ein Novum. Vollenweider: «Die Erkenntnisse können später den Menschen zugute kommen, die eine gestörte Selbstregulation haben.»

Präsident der Stiftung Felsentor ist Vanja Palmers (66), Millionenerbe des Textilunternehmens Calida – und Zen-Priester. Palmers leitet die Meditation im Drogen-Camp auf der Rigi. Warum setzt er sich für das Drogen-Experiment ein?

«Die Grenzen des Selbst lockern»

«Psilocybin kann, ähnlich wie bei der Meditation, die Grenzen des Selbst lockern und unsere Aufmerksamkeit auf die Durchlässigkeit des Phänomens richten», sagt Palmers. 

Ganz anderer Meinung ist der Berner Zenlehrer Rico Mark (68). Er sieht überhaupt keinen Sinn im Versuch mit dem Psilocybin. «Solche Tests sind 30 Jahre alt und schon damals brachten sie nicht die erhofften Erkenntnisse», sagt der frühere Gymnasiallehrer.

«Schliesslich muss man hier auf der Erde zurechtkommen, und nicht in irgendwelche kosmischen Höhen verschwinden.»

Für die Uni Zürich, in deren Namen die Drogen-Camps durchgeführt werden, ist alles rechtens. «Die Studie wurde von der kantonalen Ethikkommission sorgfältig geprüft und bewilligt», sagt Professor Erich Seifritz, der Vorgesetzte von Franz Xaver Vollenweider.

«Sie verspricht ein besseres Verständnis des menschlichen Bewusstseins, das bei psychischen Erkrankungen verändert sein kann. Sie ist für die Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden höchst relevant, im Bereich der medikamentösen als auch der psychologischen Therapie.»

Publiziert am 05.11.2014 | Aktualisiert am 05.11.2014
teilen
teilen
137 shares
13 Kommentare
Fehler
Melden

13 Kommentare
  • Christian  Haueter aus Sempach
    05.11.2014
    Was läuft den hier ab, Wieder so ein geistreiche psychiatrische Idee, wie könnte es anders sein! Ich kann auch nur den Kopf schütteln. Es ist zu bezweifeln, ob diese Leute beim Test, durch die Einnahme der giftigen Substanzen ihren IQ steigern, eher wohl das Gegenteil. Drogen bleiben Drogen ob Alkohol oder Zauberpilze. Ich rate sehr davon ab. Es gibt übrigens genügend Leute die Erfahrung mit solchen Sachen haben, diese Test sind überflüssig.
    • Thomas  Wassmer , via Facebook 05.11.2014
      Herr Haueter, informieren Sie sich doch bitte zuerst. Psilocybin und Psylocin sind nicht giftig, und nebenbei sehr nahe am Körpereigenen Stoff Dimethyltryptamin dran.
      Ausserdem wurde schon mehrfach erwiesen, dass diese Pilze hervorragend bei Depressionen wirken. Und Alkohol ist ein Rauschgift und keine Droge.
  • Andreas  Keller , via Facebook 05.11.2014
    Im Hinblick darauf, Medikamente zu entwickeln finde ich die Idee nicht schlecht. Sehr oft wurde dies ja schon versucht, in den 30-60er Jahren, allerdings die Programme wegen den Nebenwirkungen eingestellt. In der Medizin und Wissenschaft, hat sich viel verändert, wieso sollten heute nicht aus entsprechenden Studien neue Erkenntnisse sowie feiner abgestimmte Medikamente entwickelt werden können, welche doch eigentlich Wirkung gezeigt haben? Die Welt dreht sich Herr Bortoluzzi,die SVP steht still.
  • Thomas  Hager aus Luzern
    05.11.2014
    Es ist logisch das die SVP dagegen ist denn wenn das Volk sein Bewusstsein erweitert denkt es selbst und glaubt der SVP nicht mehr.
  • Emil  Chrazminöd 05.11.2014
    Ich denke, die Studenten sollten sich ihren angestammten Themen widmen und nicht solche Camps durchführen. Für solche "Übungen" haben wir in der Schweiz genügend Wissenschafter in der Chemieindustrie!
    • Vanessa  Ewing aus Biel
      05.11.2014
      Also daran würde ich auch gerne teilnehmen, sicher eine interessante Erfahrung.
  • jürg  frey aus teufen
    05.11.2014
    Das sind auch in gewissem Sinne Heilpilze, genau wie Marihuana.