Schwere Vorwürfe gegen Gefängnis-Chef von Ringwil ZH Knatsch im Knast

RINGWIL ZH - Drogen, Mobbing, ein Loch im Zaun: Drei Wärter erheben schwere Vorwürfe gegen den Gefängnis-Chef von Ringwil ZH.

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Kaum ein Gefängnis liegt so schön wie das Vollzugszentrum Bachtel in Ringwil ZH. Doch laut vielen Angestellten trügt die Idylle – sie prangern vor allem Probleme mit dem Chef an.

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Die Insassen der Vollzugsanstalt Bachtel (VZB) geniessen eine herrliche Aussicht über das Zürcher Oberland. Sie können im Fitnessraum oder der Raucher-Lounge die Zeit totschlagen. In den Zellen stehen TV-Geräte mit über 40 Kanälen.

Weniger komfortabel haben es offenbar die Angestellten. «Sie leiden unter Stress, Mobbing und stehen ständig unter Druck», sagt Heinz Müller*. Über 15 Jahre war er selbst als Gefängnisaufseher tätig. «Im Sommer liess ich mich frühzeitig pensionieren, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.»

«Diktatorischer Führungsstil»

Der Grund sei Zentr umsleiter M. H. gewesen. Auch andere Aufseher kritisieren ihn. «Er hat einen diktatorischen Führungsstil, hat die Leute richtiggehend eingeschüchtert», sagt Roger Fischer*. Laut ihm traf es vor allem Mitarbeiter, die Missstände kritisierten. «Die Insassen konsumierten zum Beispiel Drogen, als wären sie an der Zürcher Langstrasse.» Alkohol, Cannabis, Ecstasy und Kokain: alles sei verfügbar gewesen. «Es gab einen richtigen Handel.» Fischer habe dies H. gemeldet. «Aber der hat nicht reagiert. Stattdessen stichelte er nur noch mehr gegen mich.»

Auch die Schilderungen von Fritz Kohler* sind alarmierend. «Die Häftlinge verliessen das Areal, wann es ihnen gerade gepasst hat», sagt der Aufseher. Zwar handelt es sich um einen offene Vollzugsanstalt: Im VZB sitzen vor allem Leute, die Bussen oder Geldstrafen nicht bezahlen wollen. Mit einer Bewilligung dürfen diese das Areal verlassen.

Sie taten dies offenbar aber auch ohne Erlaubnis. «Über Wochen gab es ein Loch im Sicherheitszaun, durch das die Insassen entwischen konnten», so Kohler. Auch davon habe H. gewusst. Anstatt die Probleme zu lösen, seien mehrere Mitarbeiter freigestellt worden.

Seit H. 2014 sein Amt antrat, hätten etliche Personen das VZB verlassen. «Eine Person ging, nachdem sie einen Nervenzusammenbruch hatte und in psychiatrischer Behandlung war. Eine andere beging einen Suizidversuch, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sah.»

Im Dezember 2015 wurde eine externe Beratungsfirma eingesetzt, um die Situation zu analysieren. Die Mitarbeiter wurden befragt oder mussten Fragebogen ausfüllen. «Viele haben aus Angst vor Konsequenzen extra ein positives Feedback abgegeben», sagt Kohler.

Thomas Manhart, Vorsteher des Amts für Justizvollzug. play
Thomas Manhart, Vorsteher des Amts für Justizvollzug. BLICK

Das Resultat fiel dennoch durchzogen aus. «Die Führung ist stark auf den Zentrumsleiter konzentriert», heisst es in der entsprechenden Präsentation, die SonntagsBlick vorliegt. «Verschiedene Mitarbeiter haben Angst, sich zu artikulieren.»

Diverse Angestellte gelangten mit ihren Vorwürfen schliesslich an die Ombudsstelle des Kantons und an das Zürcher Amt für Justizvollzug. Im Frühling hatten einige von ihnen Einzelgespräche mit Vorsteher Thomas Manhart (59). Sie hätten die diversen Vorwürfe vorbringen können. Konsequenzen seien aber ausgeblieben.

Amt für Justizvollzug weist Mobbingvorwürfe zurück

«Die Vorwürfe wurden sowohl intern als auch extern vom Ombudsmann und einzelnen Kantonsräten geprüft und haben sich nicht bestätigt», sagt Jessica Maise, Sprecherin des Amts für Justizvollzug. «Insbesondere die Mobbingvorwürfe weisen wir klar zurück.»

H. habe den Auftrag, das Vollzugszentrum Bachtel weiterzuentwickeln. «Generell sind bei Organisationsentwicklungen Aspekte wie Verunsicherung, Ablehnung oder Konfusion nichts Aussergewöhnliches», so Maise. «Die Führungsverantwortlichen sind sich der Situation bewusst und arbeiten gezielt daran, die Unsicherheiten zu beheben.» Zu diesem Zweck habe man eine externe Fachperson hinzugezogen.

Die Mitarbeiter, die mit SonntagsBlick sprachen, würden sich gegen die Weiterentwicklung des VZB auflehnen. «Anscheinend versuchen sie, Herrn H. zu diskreditieren», sagt Maise. Das Amt für Justizvollzug und die Vollzugseinrichtungen Zürich stünden vollumfänglich hinter ihm.

Administrativ-Untersuchung am Laufen

Dass während H.s Amtszeit viele Leute gegangen sind, stimme nicht. «Die Personalfluktuation im VZB betraf nur einen sehr kleinen Teil der insgesamt 45 Mitarbeitenden.» Dass der Zentrumsleiter Drogenschmuggel akzeptiere, sei ebenfalls falsch: «Wie bei allen Strafvollzugsinstitutionen, insbesondere in offenen, lässt sich Schmuggel nicht verhindern. Es wird aber nicht toleriert», sagt Maise. «Verdachtsmomenten wird unmittelbar nachgegangen und Verstösse mit Sanktionen geahndet.» Für Schmuggelversuche werde immer wieder mal der Zaun beschädigt. «Dagegen wird jedoch konsequent vorgegangen.»

Laut Maise ist eine administrative Untersuchung im Gang. «Diese wurde in Absprache mit H. in Auftrag gegeben.» Es gehe dabei nicht um die Vorwürfe gegen ihn. «Es zeigt aber, dass wir nichts unter den Tisch kehren, sondern Vorwürfen nachgegangen wird.»

* Namen geändert

Publiziert am 16.10.2016 | Aktualisiert am 10.12.2016
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9 Kommentare
  • Franz  Ah 17.10.2016
    Mitarbeiter wurden mit fadenscheinigen Begründungen eigenmächtig vom Gefängnisleiter fristlos entlassen (Amtsmissbrauch?), Zwangsversetzt, in die Krankheit getrieben oder genötigt von sich aus zu kündigen. Dies hatte schon diverse Klagen am Arbeitsgericht zur Folge, von welchen einige noch am Laufen sind bzw. mittels Vergleich (finanzielle Entschädigung) beendet wurden.
  • Franz  Ah 17.10.2016
    Mitarbeiter wurden mit fadenscheinigen Begründungen eigenmächtig vom Gefängnisleiter fristlos entlassen (Amtsmissbrauch?), Zwangsversetzt, in die Krankheit getrieben oder genötigt von sich aus zu kündigen. Dies hatte schon diverse Klagen am Arbeitsgericht zur Folge, von welchen einige noch am Laufen sind bzw. mittels Vergleich (finanzielle Entschädigung) beendet wurden. Leider hat die Personalabteilung und Führung des Amtes für Justiz des Kantons Zürich kein Gehör für die Mitarbeiter.
  • Franz  Ah 17.10.2016
    Das ist nur die Spitze des Eisberges. Grundsätzlich steht der Häftling (Betrüger, Drogenabhängige, Drogendealer etc.) über den Gefängnisaufsehern, den Häftlingen wird fast jeder Wunsch erfüllt. Hingegen, wenn ein Mitarbeiter die Gefängnisleitung und die herrschenden Zustände kritisiert, wird dieser systematisch vom Gefängnisleiter und seinem Stellvertreter (gescheiterter Ex-Polizist) gemobbt und blossgestellt.
  • Ines Maria  Giezendanner aus Viganello
    17.10.2016
    Herrliche Aussicht, Raucher-Lounge, Fitnessraum, TV -Geräte mit 40 Kanälen, Gratis-Kost und Logis, schöner Garten, Drogen gegen alle Krankheiten etc.etc. , wer wollte da nicht gerne seine Ferien verbringen ? Nur, wie schafft man das, da hin zu kommen, gibt es eine gute Bahnverbindung ?
  • hanspeter  kobelt 17.10.2016
    Sieht fast so aus, als ob die Angestellten eine Strafe absitzen muessten, waehrend die Delinquienten in der Wohlfuehloase bedient werden.
    Reflektiert doch, auch wenn nicht ganz alles stimmen sollte, unseren Strafvollzug wider! Fuer einige der Insassen sind solche Hotels bestimmt weit ueber dem Lebensstandard im Privatleben. Gym;Grossbild-TV;Popkorn;Drogen;Ausgang;Liebesleben;Menueauswahl; 24/7 Betreuung und Bedienung...usw. Ich denke da grad mal an die Opfer....