Schockbilder gegen gierige Chinesen zeigen Wirkung: «Deutlich weniger Resten auf dem Teller»

Brigitte Heller hatte den Mut, in ihrem Luzerner Hotel die Gäste zu kritisieren, weil sie beim Zmorge zu viel schöpften. Mit Erfolg. Selbst die Asiaten finden es gut.

Verschwendung: So liessen Gäste im Vierstern-Hotel Monopol in Luzern den Frühstückstisch zurück. play

Verschwendung: So liessen Gäste im Vierstern-Hotel Monopol in Luzern den Frühstückstisch zurück.

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Anfangs Mai machte Blick.ch die Initiative der Hotel-Direktorin national bekannt. Unter dem Titel «Mit Schockbildern gegen gierige Chinesen». Jetzt zog Brigitte Heller (51) in der Branchenzeitung «Hotel Revue» eine erste Bilanz. Und die ist erfreulich.

«Ich erhielt Hunderte von Mails und viele Briefe mit ausschliesslich positiven Reaktionen, sogar aus China und Japan», berichtet Heller.

Und wie reagierten die Gäste des Viersterne-Hotels Monopol? «Sehr positiv und offen», so Brigitte Heller. Sie führt das Traditionshaus (140 Betten) unmittelbar beim Bahnhof und dem KKL seit zehn Jahren. 35 Prozent der Gäste sind Asiaten, fünf Prozent Araber.

Weniger Reste auf den Tellern

Beim Pilotversuch wurden zwei Gruppen aus China und Thailand mit speziellen Tischstellern gebeten, am Zmorge-Buffet nicht mehr Berge von Esswaren zu schöpfen, die sie dann nur teilweise essen.

Mit Erfolg: «Effektiv befanden sich in der Folge deutlich weniger Resten auf den Tellern», berichtet Brigitte Heller.

Die Direktorin hofft, dass ihr Vorbild Schule machen wird.

Was ist Ihre Triebfeder? «Es schmerzt mich in meinem Herzen, wenn man Lebensmittel wegwerfen muss», sagte sie der «Hotel Revue». Schon als Bauernkind sei ihr gesagt worden: «Der Teller wird ausgegessen, und man schöpft nur so viel, wie man wirklich essen kann.»

Brigitte Heller weiter: «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass die Lebensmittelverschwendung eingeschränkt wird. Es geht dabei um eine moralisch-ethische Einstellung.»

Keine Vorschrift, nur eine Information

Und was ist mit den Anstandsresten, wie sie in asiatischen Ländern teilweise üblich sind? «Wir dürfen erwarten, dass die ausländischen Gäste ein Stück weit unsere Sitten respektieren, wie wir dies auch in fremden Ländern tun», findet Brigitte Heller.

Sie betont: «Mit meiner Initiative möchte ich die Gäste bloss informieren und bitten, bei der Einschränkung der Lebensmittelverschwendung mitzuhelfen. Es geht mir nicht um Kritik und Erziehung der Gäste. Wie sie sich verhalten, entscheiden sie schlussendlich selbst.»

Ursprünglich stand auf den Tischstellern: «Aus ethischen und moralischen Gründen werfen wir in der Schweiz keine Lebensmittel weg. Bitte schöpfen Sie nur das auf den Teller, was Sie auch wirklich essen.» Dazu kam zwischenzeitlich dieser neue  Einleitungssatz: «Alle Ressourcen dieser Welt sind würdig und wertvoll.»

Wer überfüllt seine Teller am meisten? Die Chinesen? «Dies lässt sich nicht an einzelnen Nationalitäten festmachen. Eigentlich verschwenden alle, einige mehr, andere weniger. Dies gilt übrigens auch für europäische Gäste», betont Brigitte Heller in der «Hotel Revue». (imk)

Publiziert am 12.06.2015 | Aktualisiert am 12.06.2015
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16 Kommentare
  • Weber  Jack , via Facebook 13.06.2015
    Viele Schreiben von Erziehung.: In Asien ist es so das man einen Resten auf dem Teller Lässt, und gerade bei Gemeinschaft anläsen heisst das das der Gast Geber gut ist, und es Viele Resten hat dann sind die Gäste Satt. Und wir werden Erzogen die Teller ab zu Schlecken.
  • Emma  Fischer aus Sankt Gallen
    12.06.2015
    Ihr ging es nicht um hungerde Menschen sondern eher darum, keine roten Zahlen zu schreiben. Dieses scheinheilige Getue nervt! Was die Gäste nicht auf den Teller laden, das kann am nächsten Tag nochmal auftischt werden, ich bezweifle dass sie die Reste an die Dritte Welt verschickt.
    • Andreas  Schlegel aus SE Asia
      13.06.2015
      Das ist doch gerade ein konkretes Beispiel dafür, dass Kapitalismus funktioniert und den Ressourcen Sorge trägt.
      Verschwendung findet immer dort statt, wo Ressourcen vordergründig "gratis" sind, von anderen bezahlt werden müssen.
      In diesem Beispiel sind dies die Gäste, die fälschlicherweise glauben/ignorieren, dass ihr verschwenderisches Verhalten keinen Preis hat. Die "Dummen" sind die, die sich bloss so viel schöpfen, wie sie auch wirklich essen können - Unter dem Strich sind sie es, die ...
    • Andreas  Schlegel aus SE Asia
      13.06.2015
      ... den Aufpreis bezahlen, weil sie den Ressourcen Sorge tragen.
      Silas, Sie bellen den falschen Baum hoch. Auch wenn in Schulbüchern und Medien "Kapitalismus" kontinuierlich mehr oder weniger subtil angeschwärzt wird, so sollte Sie doch gerade dieses Beispiel wenigstens einen Moment über Ihre reflexartige Reaktion nachdenken lassen.
  • Kurt  Wirth 12.06.2015
    Wir hatten das "Glück" eine chinesische Reisegruppe im Frühstücksraum zu haben. Leergefegt und Teller voll! Das Personal informierte uns, wann wieder was kommt. Eine packte noch Brötchen in den Rucksack, es wurde Tee abgefüllt, etc. Und nicht zu vergessen: Das Chaos am und unter dem Tisch. Sorry, aber das hat nicht mehr mit Esskultur zu tun.
  • Walter  Zimmermann aus Jona
    12.06.2015
    Es war einmal, so beginnt jedes Märchen. Tatsache ist, dass Leute, die ein bisschen Anstand haben und Verantwortung unserer Welt gegenüber, so viel in ihren Teller schöpfen, wie sie essen können. Dann könnte man nachschöpfen und nachschöpfen. So war es einmal, so mache ich es immer, ob in Amerika oder Asien oder Afrika oder Europa. Bravo, dass eine Hotel-Direktorin den Mut hatte, die Gäste darauf aufmerksam zu machen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.
  • Bianca  Schwarz 12.06.2015
    Es gibt aber Länder und deren Völker, wo man nie leeressen darf, dort gilt es als Anstand, wenn man etwas auf dem Teller lässt, so krank wie das für uns alle klingen mag...verstehe es auch nicht, und auch solche Völker können noch dazulernen und ihre Manieren etwas überdenken.